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Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
Eine Kritik von Bretzelburger (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 09.01.2007, seitdem 1936 Mal gelesen
Interessanterweise war "Und täglich grüßt das Murmeltier" 1993 zuerst kein großer Erfolg beschieden, ähnlich wie Harold Ramis aktuellem Film "The Ice Harvest", der in Deutschland noch nicht einmal in die Kinos kam. Dabei ist Ramis im Grunde immer als intelligenter Komödienmacher aufgefallen, nicht zuletzt durch seine beiden "Reine Nervensache" - Filme. Fast alle seine Filme zeichnen sich durch ein originelles Szenario aus, dem es immer gelingt, die üblichen Untiefen von Rom-Coms zu vermeiden ,die zuletzt immer in den klischeebeladenen Hafen der gesellschaftlichen Anpassung einschiffen. Ramis leistet sich auch beim "Happy-End" den leicht zynischen Blick auf menschliche Schwächen.
"Und täglich grüßt das Murmeltier" , daß sein Geschehen um die reale Tradition des sogenannten "Groundhog Days" in Punxtutawney aufbaut, wurde mit der Zeit immer mehr zu einer der besten Komödien erklärt und begeistert auch beim wiederholten Ansehen.
Die Idee, eine Person immer wieder den selben Tag erleben zu lassen, ist von genialer Finesse - einerseits sehr einfach, da der Film dadurch kaum eine Handlung besitzt, andererseits sehr kompliziert, da hier im Detail gearbeitet werden muß. Nur durch seine sehr genauen Beobachtungen von Charakteren, Verhaltensmustern und Entwicklungen kann der Film seine Spannung über die gesamte Laufzeit Aufrecht erhalten. Aber ohne Bill Murrays nuanciertes Spiel, dessen Stärke immer schon in den kleinen Bewegungen, dem variablen Mienenspiel und den kurzen treffenden Bemerkungen lag, wäre dieses Unterfangen gescheitert - er hält den Film, der ja storymäßig eher zerrissen oder abgehackt ist, wie eine Klammer zusammen.
Vielleicht liegt darin der Grund, warum diese Idee kaum einmal wieder aufgenommen wurde - bedenkt man dagegen, wie viele Nachahmer der sogenannte "Tarantino-Style" gefunden hat. Der Aufwand aus dieser Ausgangsposition einen guten Film zu machen ist erheblich - nicht nur die darstellerische Aufgabe ist anspruchsvoll, sondern auch der Drehbuchschreiber braucht höchste Disziplin, um aus dieser Idee kein lächerliches Machwerk werden zu lassen.
So ist die Ausgangsidee absolut unrealistisch und wird hier auch nicht durch irgendein physikalisches Ereignis begründet (was in ähnlich gearteten Filmen immer gerne behauptet wird). Warum es geschieht bleibt völlig unklar und das der Film dafür keine billige Erklärung abgibt ist eine seiner Stärken. Ohne zuviel hinein interpretieren zu wollen ist es offensichtlich, daß in diesem scheinbaren Horror-Szenario (nicht ohne Grund versucht Phil (Bill Murray) mehrfach sich umzubringen) ein alter Wunschtraum steckt - die Möglichkeit seine Fehler zu begreifen und daraus zu lernen und das an einem Tag...
Die größte Qualität des Drehbuchs liegt dann auch darin, diese Entwicklung sehr nachvollziehbar zu beschreiben - teilweise sehr gerafft, teilweise sehr ausführlich bei kleinen Schritten - aber immer mit der richtigen Gewichtung. Das es Murray dabei gelingt, trotz seiner Entwicklung zu einem freundlichen Zeitgenossen, seinem Charakter treu zu bleiben, ist der größte Verdienst. Hier wird nicht - wie in so vielen Hollywood-Komödien - auf eine unwirkliche (und verlogene) Veränderung zu einem "besseren Menschen" gesetzt, sondern hier vertreibt Jemand seine inneren Dämonen und lernt seine Fähigkeiten, die schon immer in ihm schlummerten, zu nutzen.
Das sämtliche andere Darsteller - auch Andie McDowell - dahinter weit zurück stehen, liegt in der Natur der Sache. Sie verleben wirklich nur einen Tag und haben so keine Chance auf eine weitreichende Entwicklung. Sie werden im Grunde zu Stichwortgebern der Tour de Force des Bill Murray, aber auch ihre jeweiligen Reaktionen sind gut beobachtet und nachvollziehbar.
Phil dagegen wird durch diesen immer wieder erlebten Tag ,ohne biologisch zu altern, quasi "altersweise" und souverän. Während er die Auswüchse in der Kleinstadt zu Beginn als zynischer Großstädter nur verachten kann, so spürt er mit der Zeit eben auch die liebenswerte kleinbürgerliche Qualität ,die dahinter steckt ,und fängt an diese - wenn auch mit einem Schmunzeln - zu akzeptieren. So sind die letzten Szenen des Films von einer fast unwirklich friedlichen Stimmung, die auch den Zuseher erfaßt, die Phil aber dennoch nicht davon abhalten kann, möglichst schnell wieder in die Großstadt zurück zu kehren. Wir wollen es ja nicht übertreiben ,ein Tag kleinbürgerliche Traditionen reichen ! - Harold Ramis bleibt sich da ebenso treu.
Letztlich bleibt festzustellen, daß der Film deshalb so überzeugen kann, weil er innerhalb des unrealistischen Szenarios immer glaubwürdig und in seinem psychologischen Blick auf sämtliche Protagonisten immer nachvollziehbar bleibt. Seine Komik entsteht nur aus den geschilderten Situationen und ist niemals künstlich inspiriert .Sie ist wie das Leben - manchmal albern, traurig, zynisch, ironisch, dämlich und geistreich - und daraus wurde eine der seltenen wunderbaren Komödien (10/10).
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