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Fisch namens Wanda, Ein (1988)
Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 05.04.2004, seitdem 636 Mal gelesen
Die Versuche der Monty Python Mitglieder, den vertrackten Humor der Truppe fortzuentwickeln oder auch nur wieder zu erreichen, waren nicht immer sonderlich erfolgreich. Vielleicht, weil nie wieder ein derartiger Spielplatz wie der „Flying Circus“ zur Verfügung stand. Zudem wurde man älter und versuchte sich in Anspruchsvollerem, etwa echten Spielfilmen. Die Ergebnisse waren durchwachsen.
Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört „Ein Fisch namens Wanda“. Nach bester Python-Manier werden alle Zutaten einer Gangsterkomödie auseinander genommen und neu verlötet. Im Gegensatz zu den überdrehten ZAZ-Parodien (Airplane, Naked Gun etc.) werden nicht nur krawallige Gags aneinandergereiht.
Der Grundton der Geschichte ist durchaus ernst und etwas melancholisch. John Cleeses größter Verdienst um diese Komödie ist es, dass er sich wunderbar zurücknimmt und eben nicht seine Rolle als reinen Slapstickcharakter anlegt. Archie Leech bleibt ein im Grunde mehrschichtiger, glaubwürdiger Charakter, so dass die absurden Handlungen, zu denen er sich gezwungenermaßen und dann zunehmend freiwillig veranlasst sieht, umso überzeugender witzig wirken. Auch Michael Palin schafft es, den Stotterer Ken nicht zur Lachnummer werden zu lassen, nur weil er stottert, wie man es aus simplen Klamaukfilmen kennt. Palin muss das Stottern sehr gut studiert haben, um es so perfekt imitieren zu können. Ken ist deshalb witzig, weil er ein Mensch ist, der Schandtaten begeht (Morde), obwohl er ein sensibler Mensch ist, der alle Kreaturen liebt. Weil wir an den Charakter Ken glauben, ist es dann auch wieder möglich, Witze über Kens Stottern zu machen: Sie funktionieren deshalb, weil Ken trotz dieser Witze als Figur niemals nur zum bloßen Stichwortgeber für Witze wird, weil er stottert.
Dies musste zunächst gesagt werden, denn gewöhnlich wird als erstes Kevin Klines Darstellung des Otto gerühmt. Otto ist tatsächlich reiner Slapstick und Klamauk, allerdings vom Feinsten. Die Figur des dämlichen Otto funktioniert jedoch nur so gut, weil sich die anderen Schauspieler in dieser Hinsicht nicht gegenseitig mit Gags übertrumpfen wollen. Otto braucht die Folie des biederen Archie Leech, um sich davon abzuheben. Es spricht für John Cleese, dass er hier seinen Mitspielern den nötigen Raum gegeben hat und seiner Rolle des Archie nicht die Funktion des Oberkaspers zugedacht hat. Wenn man so will, die reife Leistung eines reifen Komikers.
Zu Jamie Lee Curtis fällt mir nichts mehr ein. Nur soviel: Warum musste eine Schauspielerin, die so wandlungsfähig ist und eine solche Leinwandpräsens besitzt, in so vielen Müllfilmen mitspielen, um ihren Lebensunterhalt zu fristen? Es ist eine Schande. Hier deutet sie an, was alles in ihr steckt. Sie hätte in Hollywood mehr Rollen bekommen müssen, die ihrem Talent entsprechen. Aber nee, stattdessen wird jeder Blockbuster mit der Dumpftusse der Saison besetzt, die nach zwei Jahren wieder vergessen ist. Die Welt ist ungerecht.
Also 10/10 – geht klar- oder? Es fällt mir schwer zu schreiben: nein. Ich vergebe die Punkte eher vorsichtig und einiges wäre auch hier zu bemäkeln.
Das Archies Ehefrau Wendy nicht unwitzig, aber insgesamt zu wenig zu Zuge kommt, mag nur nebensächlich sein, auch Tochter Portia bleibt alberne Karikatur. Nö. Was ist es dann?
Als ich den Film zum ersten Mal sah, lag ich einfach am Boden vor lachen. Auch bei Wiederholungen habe ich noch gelacht. Nun sah ich den Film seit längerem das erste Mal wieder. Was störte mich? Ist es die gewisse Edelpatina (der Film ist schon etwas älter), ist es das Achtziger-Jahre-Feeling? Nö.
Es ist dieses: Ich glaube nicht mehr so recht an die Liebesgeschichte zwischen Wanda und Archie. Sie ist auf eigenartige Weise unangebracht. Ich habe die Befürchtung, dieser Zweifel könnte sich bei weiterem Ansehen verstärken.
Aber trotzdem: Zur Zeit seines Erscheinens einzigartig, heute ebenfalls noch selten übertroffen. Für all den Spass, den dieser Film mir gebracht hat: 9/10
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