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Club der toten Dichter, Der (1988)

Eine Kritik von LivingDead (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 18.04.2008, seitdem 272 Mal gelesen


Amerika, Ende der Fünfziger Jahre. Die Nachkriegszeit zeichnet sich in Privatschulen ab, die längst eine Wertverschiebung hin zu Tradition, Disziplin und Leistung vollzogen hat und die Schüler diese Doktrin selbst durch ihre Eltern erfahren, die in ihren Kindern nur die Zukunft des eigenen Landes sehen, und weniger den Teenager, welcher immer noch in ihnen steckt. Drehbuchautor Tom Schulman war selbst Schüler auf einer Privatschule, die sich eben dieser Dogmen annahm. Schulman verarbeitete seine Kindheitserinnerungen dieser Zeit in einem Drehbuch, welches er 1985 schrieb. Nur ein Jahr später sicherte sich dann der Produzent Steven Haff die Rechte an dem Skript. Und noch einmal drei Jahre später verfilmte der renommierte Regisseur Peter Weir das Drehbuch.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eine handvoll Schüler, die die konservative Welton Akademie, ein Internat im US-Bundesstaat Vermont, besuchen. Als der neue Englischlehrer John Keating (Robin Williams) durch seine aparten Unterrichtsmethoden frischen Wind in den tristen Schulalltag bringt, ändert sich auch das Leben der Schüler. Keating zeigt den Jugendlichen, dass das Leben endlich ist, und dass durch diese Endlichkeit mit Hilfe des Grundsatzes „Carpe Diem“ (lat. „Nutze den Tag!“) mehr Lebensqualität einhergehen kann. Gedichte sollten gelebt werden, jeder Tag genossen werden, als sei es der letzte; und jeder sollte sich seine eigene Perspektive zu den Dingen suchen. Ein jeder ist ein Freidenker. Leider stößt Keating mit seinen Ansichten nicht gerade auf Gegenliebe bei dem Direktor der Schule. Und zudem findet plötzlich der berüchtigte „Club der toten Dichter“ seine Reinkarnation unter den Schülern.

Wichtig für solch eine Geschichte, die nun einmal durch ihre glaubwürdigen Charaktere lebt, sind die Schauspieler, die diese verkörpern; und die Macher haben wahrlich ein glückliches Händchen dabei bewiesen. Selbst Nebenrollen sind absolut apodiktisch besetzt und erzeugen ein authentisches Feeling, wenn es darum geht die – zugegeben teils nicht mehr auf die Gegenwart zu übertragenen – Anschauungen darzustellen.

Doch auch rein handwerklich trifft Weir den Ton, schafft es in den richtigen Momenten den Zuschauer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitzunehmen. Sind einem die Charaktere gerade ans Herz gewachsen, so stellt Weir den Zuschauer gerade zum Ende hin ein Bein, und lässt ihn hart zu Boden stürzen, wenn urplötzlich das Gerüst eines Feel-Good-Movies in sich zusammensinkt und Freidenkertum und Konservativismus wie zwei Wirbelstürme aufeinander treffen. Dann entlädt sich die Geschichte in einen der emotionalsten Momente der Filmhistorie und lässt die Qualitäten des Filmes am eigenen Körper spüren.

Doch perfekt ist auch „Dead Poets Society“ nicht, denn gerade das hoch gelobte Drehbuch beinhaltet auch einige kleinere Schwächen, wenn es um Stringenz und Reflexion geht. Einige Handlungsstränge scheinen abgebrochen und nicht ganz zu Ende gedacht. Das ist manchmal ärgerlich, aufgrund der hohen Laufzeit von über zwei Stunden aber noch zu verkraften. Insgesamt bleibt ein hochemotionaler Klassiker des modernen Erzählkinos, welcher durch überzeugende Darsteller, ein sehr gutes – aber nicht mangelfreies – Drehbuch und einer tollen Regie einen sicheren Platz in den Annalen der Filmgeschichte eingenommen hat.


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