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Chile hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht gerade als Exportschlager für Horrorfilme herauskristallisiert, weshalb man zweifelsohne mit gemischten Gefühlen an den Streifen herangeht. An dem vergleichsweise lachhaft geringen Budget von geschätzten 60.000 Dollar liegt es zumindest nicht, dass die Erzählung nicht die gewünschte Brisanz erreicht und bereits nach kurzer Zeit zum Langweiler mutiert.

Die Welt ist mal wieder hinüber, ein (zunächst) unerklärlicher Virus hat aus nahezu allen Menschen Zombies gemacht, während nur wenige Kinder, die nach Ausbruch der Epidemie auf die Welt kamen, resistent gegen Krankheit und Angriffe der Mutierten sind.
So streift die neunjährige Camille durch Trümmerlandschaften, bis sie auf weitere Kinder stößt. Gemeinsam versucht man sich einen Weg bis ans Meer zu bahnen, doch noch sind schießwütige Soldaten im Einsatz…

Die Grundidee ist innerhalb des Zombiegenres recht erfrischend, mal Kinder in den Vordergrund zu rücken und als letzte Hoffnungsträger der Menschheit auszuzeichnen.
Recht goldig sind die Off-Kommentare während der Exposition im Zusammenhang mit aussagekräftigen Kinderzeichnungen und einem gefälligen Score im Hintergrund.
Doch die Hoffnung, einen mitreißenden Genrebeitrag zu erleben, wird zusehends zunichte gemacht.

Denn leider pendelt die Handlung stets ungeschickt zwischen der Gegenwart und fügt zu fast gleichen Teilen unzählige Flashbacks ein, welche hauptsächlich das Verhältnis zwischen Camille und ihrer soeben infizierten Mutter thematisieren. Jene statten das Geschehen jedoch kaum mit Hintergrundinformationen aus, einige Szenen wiederholen sich gar und nach einiger Zeit ärgert es bereits, dass redundante Momente stets Drive aus der eigentlichen Geschichte im Hier und Jetzt nehmen.

Hinzu kommen eindimensionale Abläufe, welche nur allzu selten Suspense aufkommen lassen, was immer nur dann der Fall ist, wenn die Kinder für kurze Zeit unter Beschuss stehen und, nachdem sich die Gruppe um Camille deutlich vergrößert hat, auch mal Todesopfer zu verzeichnen sind. Jene Momente müssten dem Betrachter eigentlich das Herz bluten lassen, doch die hölzerne Inszenierung bringt es kaum fertig, Emotionen zu transportieren, da die Jungmimen aufgrund mangelnder Regieanweisungen meistens nur unbeteiligt ins Nichts starren und Figurenzeichnungen überhaupt nicht gegeben sind. Die Kinder offenbaren keinen Individualismus und stehen den gesichtslosen Soldaten unter ihren Gasmasken in kaum etwas nach.

Was noch positiv hervorzuheben wäre, ist die Ausstattung. So sehen die Trümmerlandschaften angesichts der geringen Produktionskosten recht ansehnlich aus, auch wenn der per Farbfilter ins unsägliche Orange gefilterte Himmel zuweilen etwas penetrant wirkt. Die Maske und die Effekte der raschen Zombiefizierungen gehen voll in Ordnung und auch die kontrastarme Farbgebung unterstreicht die leicht apokalyptische Atmosphäre, in der lediglich das Rot einiger weniger Wunden hervorgehoben wird. Ein Nachteil ist allerdings, dass der visuelle Gimmick, Blut direkt aufs Kameraobjektiv spritzen zu lassen, erst jetzt in Chile angekommen ist und folgerichtig abgenutzt wirkt.

Am Ende schafft es der Streifen trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp 74 Minuten Laufzeit nicht (die eigentliche Geschichte ist bereits zehn Minuten früher beendet, nach dem Abspann folgen lediglich Nachrichtenbilder über den Ursprung der Seuche), latent Interesse für die Geschichte zu erwecken. Die Erzählung verläuft ohne nennenswerte Höhepunkte, Gewalteffekte finden lediglich am Rande statt und trotz der spannenden Prämisse hält sich das Mitfiebern mit den jungen Protagonisten arg in Grenzen.
Und was sich die Macher mit dem Riesentintenfisch gegen Ende dachten, erschließt sich ebenso wenig wie die Tatsache, dass sich die Kinder, obwohl man doch ein ungeheures Mitteilungsbedürfnis mit sich herumtragen müsste, noch nicht einmal miteinander unterhalten…
3,5 von 10

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