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True Lies - Wahre Lügen (1994)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 08.10.2006, seitdem 1354 Mal gelesen



Nachdem mit Terminator 2 ein filmischer Olymp erreicht wurde, das Duo Schwarzenegger/Cameron zu dicken Freunden und auch großen Fischen im Filmbuiz wurde, lag eine dritte große Zusammenarbeit im Interesse der Beiden. Erst recht nach Arnolds (eigentlich zu Unrecht gefloppten) Flop „Last Action Hero“, musste da wieder etwas ganz Großes her.
Doch statt Arnold wieder in einen unkaputtbahren metallischen Endoskellet zu stecken, war es Zeit für etwas Frisches. Und da Cameron sowieso James Bond Fan ist, und schon immer mal etwas in der Richtung machen wollte, wurde aus Arnold der Geheimagent Harry Tasker dessen Frau Hellen (Jamie Lee Curtis) jenen nur für einen langweiligen Vertreter hält.

Und darüber handelt auch der Großteil des Films. Harry hält seiner Frau seinen lebensgefährlichen Job vor, und gibt vor ein Handelsvertreter zu sein.
Wenn Harry etwas von dem gestrigen Meeting und den neuen 7-30er-Produkten erzählt, fällt diese in knapp 6 Sekunden in einen Tiefschlaf. Dass er sich in Wirklichkeit in eine Party mit Million-schweren Gästen eingeschlichen, am Computer Daten über internationale Terroristen geklaut hat, mit einer sexy Juno Skinner (Tia Careere) Tango tanzte, und schließlich vor einer Horde schießwütiger be-skiter Wachmänner entkommen ist, weiß sie nicht.
Nach dieser sehr hübschen Intro-Actionsequenz folgt nicht allzu spät die nächste; eine fetzige Schießerei in einer Toilette, mit anschließender Verfolgungsjagd auf einem Pferd!!!
Helen denkt Harry hätte nur etwas Wichtiges im Büro vergessen, was das späte Nachhausekommen für sie erklärt.
Und nach diesen recht beeindruckenden Actionszenen nimmt sich der Film Zeit für einen Subplot, den Arnold bisher noch nie mitmachen durfte…

Gelangweilt von ihrem Ehemann hat sie sich zu einer kleinen Affäre in Form des Gebrauchtwarenhändlers Simon (Bill Paxton), der jedoch vorgibt ein Spion zu sein, hinreißen lassen. Davon bekommt Harry bald Wind, und nutzt nun völlig unzurechnungsfähig seine staatsgeheimdienstlichen Connections zur Beschattung seiner Frau.
So wie er Helen über seinen Scheinberuf belügt hat, wird er nun Zeuge wie sie ihn über ihren Alltag belügt. Daher der Name True Lies!

Das klingt irgendwie nach einer Beziehungskrise. Eine Beziehungskrise Starring Arnold Schwarzenegger? Jawohl, und es funktioniert sogar!!!
Das liegt daran, dass diese nicht wirklich zu einem Drama ausufert, und immer wieder mit humorigen Einlagen begleitet wird. Dank dem erstklassigen Schauspiel von Jamie Lee Curtis, welche für diese Rolle mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, und auch Arnolds schauspielerischen Bemühungen, die den Anforderungen voll und ganz gerecht werden, liefern die beiden ein hübsches Zusammenspiel ab.
Es macht richtig Laune Jamie Lee Curtis improvisieren und lügen zu sehen, was sie am Tage so erlebt hätte, während sich Arnold das ganze mit einem skeptischen bösartigen Blick anhört, da er doch ganz genau weiß, dass sie gerade einen Murks zusammenlabert.

Und es bleibt komisch, wenn Harry und Gib im Auto sitzen, und sich das Gefasel vom vermeintlichen Super Spion Simon anhören, der eigentlich nur Harry’s Frau ins Bett bekommen will, in dem er von heldenhaften Taten erzählt, die eigentlich Harry zuzuschreiben sind, von denen Helen natürlich nichts weiß.
Die Lage spitzt sich zu, und der schier smarte Frauenverführer entpuppt sich als Gebrauchtwagen-Händler. Schon bald erfährt Harry bei einer Spritztour in einem hübschen Sportwagen mehr über Simon und dessen Aktivitäten. Während Simon berichtet wie geil Helens Körper ist, macht Harry währenddessen ein gefaktes lachendes Gesicht, das schnell zu einem „Du blödes Arschloch“-Blick versteinert.
Das ist herrliche Situationskomik mit Stil.

Abgesehen davon aber belegt den besten Comedy Part immer noch Star-Komiker „Tom Arnold“, der in seiner Rolle des viel quasselnden stets aufheiternden Albert Gibson in Anbetracht seiner Filmographie die Rolle seines Lebens spielt. Wirklich schade und unbegreiflich, weshalb er nie zu den ganz großen im Hollywoodbuiz wurde. Seine Performance macht wirklich Laune. Den etwas unbeholfenen aber immer gutmeinenden Partner und Kumpel von Arnold meistert er hervorragend. Er ist für die besten Sprüche (gerade in der deutschen Fassung) und den Aufheiterungen zuständig, die Arnold so gar nicht trösten wollen.
Selbst wenn Helen ihren Kopf zwischen den Beinen von Simon legt, versucht er verzweifelt Harry mit einem „Vielleicht ist sie nur müde“ zu beruhigen.
Der Film will gar kein Buddy-Movie sein und ist es auch nicht, doch die Chemie zwischen Arnold und dem anderen Arnold stimmt voll und ganz. Die beiden miteinander agieren und sprechen zu sehen ist Fun pur, und sollte in Serie gehen.

Tom Arnold’s Mitwirken macht daher gerade den action-losen Mittelpart um Simon und Harry’s Wut der Eifersucht komisch. Dieser Teil nimmt sich daher auch ein wenig Zeit für die Charakterzeichnung von Helen. Hatte sie Anfangs noch gar keinen Schimmer was Sache ist, wird sie nun in eine kleine von Harry’s organisierte Mission eingeschleust, nur damit sie einmal im Leben etwas „aufregendes“ erlebt hat.
Hier wird nun aus dem hässlichen Entlein der hübsche Schwan.
Was weniger Stoff, nasse Haare und Lippenstift so alles bewirken können…
So tanzt sie nun unwissend vor ihrem Ehemann, den sie für einen internationalen Waffenhändler hält. Anschließend wird ihr die Annäherung des guten Mannes zu viel, und da tritt sie ihm prompt in die Eier, bis sie dann plötzlich erkennt, dass es Harry ist…

BOOM

Die Terroristen stürmen ins Hotelzimmer, und nehmen die beiden gefangen. Arnold weiß was Sache ist, und bittet die Nutte gehen zu lassen, da sie unwichtig ist. Helen hat keine Ahnung, denkt sie wäre auf einer geheimen Mission, und befiehlt Harry ihr die Sache zu überlassen.
Herrlisch LoL

Damit ist der interessante Subplot beendet und wurde geschickt an den Hauptplot angehängt, was wieder jede Menge Action vorprogrammiert.
Nach der kurzen Gefangenschaft im Operationsraum und die Meisterung dieser misslichen Lage, die von Arnold wunderbar vorprophezeit wurde, da er die Handschellen aufgekriegt hat, geht das Geballer schon los; mit vielen Explosionen mit vielen Kugeln mit vielen hübschen Stunts und mit vielen erstklassigen Einlagen von Arnold, z.b im Jackie-Chan-Stil per Fußtritt das Maschinengewehr in die Hände befördern und losballern.
Kleines humoriges Highlight ist die Uzi, die die Holztreppe hinunter fällt, unkontrolliert durch Erschütterung Schüsse ablässt, und alle Terroristen umnietet.
Nach weiteren coolen Einlagen (Arnold schießt mit zwei Uzis überkreuzt in Zeitlupe), greift Arnold zum Flammenwerfer, und verursacht damit riesige Feuerbälle, doch den Spektakulärsten hinterlässt die von Aziz abgefeuerte Rakete. Das ist eine verdammt wuchtige Explosion, wo alles splitternd in die Luft fliegt, und Arnold in Zeitlupe davon hechtet.

Das Areal ist gesäubert, alle Terroristen entweder tot, oder auf dem Weg in die City, da taucht endlich Gib auf mit dem Spruch „Ich hab gewusst, dass du wieder Unordnung machst“.
Der Film hält sein Tempo welches eindrucksvoll in Gang gesetzt wurde, und involviert nun zwei Harrier-Jets in die Action, die nun fortan für die größte Materialschlacht sorgen sollen.

Nachdem die Brücke von den Harrier Raketen bombastisch in die Luft ging, alle Atombomben-Transporte abgebrochen wurden, Harry seine Frau aus der fahrenden Limousine gerettet hat, und die Nuklearrakete auf der kaputten Insel hochgegangen ist, folgt nun der große Schock.

Arnolds Tochter ist entführt worden, und sitzt nun irgendwo in einem von den Terroristen eingenommenen Hochhaus.
Nun macht sich also Arnold wie schon in Phantom Kommando sofort damit auf die Tochter zu retten, und toppt seinen Minigun Auftritt aus Terminator 2, indem er nun einen Harrier-Jet fliegt, und alles kurz und klein schießt, was Kopfbedeckung und Sonnenbrille trägt.
James Cameron zieht alle Register und verfrachtet die spektakuläre Harrier Action mitten in die Stadt unter mehreren Hochhäusern, einem großen gelben Kran und feindliche Hubschrauber.
Da glotzt nun ein Terrorist durch das Fernglas, stellt die Schärfe richtig ein, und erkennt ein angepisstes Arnold-Face, welcher nun die gesamte Etage inklusive Bad Guys mit Hochgeschwindigkeits-Munition durchsiebt. Ein Wunder, dass das Stockwerk noch hält, und der Rest des obigeren Gebäudes nicht runter kracht!

Nun hat Arnold einen mit Terroristen beladenen Hubschrauber um sich, den bösen Hauptwidersacher Aziz (Art Malik) auf dem Rücken des Fliegers und seine Tochter auf der Frontschutzscheibe.
Den Hubschrauber beballern, Aziz ein paar saftige Schläge ins Gesicht geben und zugleich die Tochter festhalten, ist für Arnold gar kein Problem, er hat das alles unter Kontrolle, auch wenn das bedeutet im Harrier-Rückwärtsgang eine ganze Wohnung zu demolieren. Doch das war es wert. Nun steht Aziz bewaffnet hinter Arnold und droht zu schießen, doch Arnold schwenkt den Flieger zur Seite, Aziz hängt an der Rakete, und wurde nun Arnold höchstpersönlich „GEFUERT“!
BOOOM

Der Einfallsreichtum von James Cameron kannte wirklich keine Grenzen. Er hat sich hier einiges einfallen lassen, um die Action so interessant und durchgeknallt wie möglich zu gestalten. Dass das ganze auch sehr professionell aussieht muss wohl nicht mehr erwähnt werden.
Dazu donnert noch der obergeniale Score von Brad Fiedel durch alle Rohre, der sich wahrlich nach großer Action-Blockbuster-Music anhört
True Lies ist einfach grandioses Unterhaltungskino!
Das Drehbuch gab jede Menge komische Momente her, die durch die Schauspieler auch sehr gut aufgehen; sie alle meistern ihre Sache mit Bravour, scheinen viel Spaß bei der Sache gehabt zu haben, die Action ist absolut Top, und dank Cameron bis heute uneingeschränkt sehenswert, da sie schon damals vor 12 Jahren bahnbrechend war; und Cameron ist bekannt für originelle, gutaussehende Ideen.
Auch ist er bekannt für große Lauflängen, die jedoch wie im Flug vergehen. Es wäre schade gewesen aus True Lies einen knapp 90minütigen Arnie-Actioner zu machen. Cameron machte aus dem Stoff etwas großes, und viel mehr als es jemand anderes geschafft hätte.
Der lange Mittelpart sorgt für viele Lacher, macht aus den Charakteren mehr als nur willkürliche Abziehbilder, und dadurch freut man sich erst Recht auf die hervorragende Action, die dann wohl auch gelangweilte Nörgler nicht enttäuschen wird.


Mit True Lies gelang Cameron einer der besten Action-Filme der 90er, wenn nicht DER beste Actionfilm der 90er, welcher Konkurrenz wie den Die Hard-Sequels, Bad Boys, Police Story 3, Hard Boiled, Face Off oder der Lethal Weapon- Reihe in Nichts nachsteht.
Und das war dann auch schon leider der letzte große Höhepunkt von Arnold. Ein letztes mal ließ er es noch mit Eraser krachen, bevor dann die Flauten losgingen, und zumindest mit T3 wenigstens etwas wieder gut gemacht wurden.


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