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Nackte und der Kardinal, Die (1969)
Eine Kritik von CFM (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 17.01.2008, seitdem 712 Mal gelesen
Im strengkirchlichen Italien, schätzungsweise 16. Jahrhundert, lebt der geizige und grausame Feudalherr Cenci seinen krankhaften Sadismus an jedem Untergebenen aus. Als er eine persönliche Fehde mit einem Rivalen austrägt, diesen von seinen Schlosshunden zerfleischen lässt, stellt sich später heraus, dass der Ermordete unter dem Schutz eines hohen Geistlichen stand. Der Tyrann muss vor der kirchlichen Justiz aus seiner Residenz in Rom fliehen und einen Landsitz in der Provinz aufsuchen. Doch der lange Arm der Kirche erreicht ihn auch dort wenig später. Zur Strafe für seine Willkür beschlagnahmt die Kirche ein Weingut und verbannt ihn für sechs Monate aus Rom. In der Burg hat nun die gesamte Familie unter ihm zu leiden. Als Cenci erfährt, dass seine Tochter Beatrice, um seiner Tyrannei zu entkommen, den Papst gebeten hatte sie in ein Kloster zu schicken, lässt er sie in ein dunkles Verlies werfen. Die Begründung fällt zynisch aus. "Genauso wird die von dir ersehnte Klosterzelle aussehen". Zum Höhepunkt der Feierlichkeiten anläßlich dem Pesttod zweier Söhne vergewaltigt er sie im Rausch. Zusammen mit ihrer Stiefmutter, ihrem heimlichen Geliebten Olympio und dem Strassenräuber Catalan planen sie die Ermordung Cencis. Nachdem er nach einem seiner zahlreichen Besäufnisse ohnmächtig zusammengesunken ist, wird der Plan kalt durchgeführt. Trotz des Versuches, das Ganze wie einen Sturz von einem Wehrgang aussehen zu lassen, werden alle Beteiligten verhaftet und brutal gefoltert. Die Kirche sieht ihre Chance gekommen, die gesamte Familie Cenci auszurotten und ihr Vermögen zu beschlagnahmen und spricht Todesurteile aus.
Dies ist zweifellos einer der besten und atmospährisch dichtesten Fulcifilme mit einer interessanten Erzählstruktur. Fulcis Standpunkt zur Obrigkeit oder allgemein der Kirche wird hier schon besonders deutlich. Die Kirche ist in diesem Film eine scheinheilige, primär an Geld und Macht interessierte "Mafiasekte". Im Gegensatz zu späteren Fulcifilmen wie "Duckling" oder "glockenseil" in denen Kirchenfeindlichkeit immer etwas plumper mitschwingt ist hier die gnadenlose Aussage warscheinlich auch berechtigt. Für seine Zeit ebenso unerhört wie das in Italien warscheinlich besonders schwierige Kirchenthema ist die gezeigte Gewalt, die zwar noch nicht aus abgetrennten Körperteilen aber aus recht hässlichen Folterszenen besteht, die besonders das Finale des Filmes dominieren. Härte wird auch durch eine sehr gute deutsche Vertonung erreicht, wo ein recht anklagender Erzähler in der letzten Szene das Schicksal des einzig (unschuldigen) Überlebenden der Cencifamilie erzählt, der nach abgeleistetem Ruderdienst von der heiligen Mutter Kirche auch noch finanziell ruiniert wird.
Letztendlich sicherlich der am besten besetzte, interessanteste und anspruchsvollste Film von Lucio Fulci, sehr negativ, sehr gekonnt inszeniert. Klare Empfehlung !
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