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Nackte und der Kardinal, Die (1969)
Eine Kritik von mourner (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 19.11.2011, seitdem 128 Mal gelesen
Bei "Die Nackte und der Kardinal" handelt es sich ganz ohne Frage um eines der besten Werke des italienischen Kultregisseurs Lucio Fulci, auch wenn er hier weit ab von seinen gewohnten Horrorpfaden wandelt. Hierbei handelt es sich vielmehr um einen Inquisitionsstreifen, den man wohl ganz gut mit "Mark Of The Devil" vergleichen kann. Auch bei diesem Film gibt es eine gewisse Portion Sleaze und Exploitation zu bewundern. Ebenfalls kann man erste Schritte des Meisters in Richtung seiner berühmt-berüchtigten Gore-Effekte beobachten. Hat er später einige Werke abgeliefert, die außer diesen Trademarks kaum etwas zu bieten hatten, so fügt sich hier - ähnlich wie in seinen besten Horrofilmen - jede einzelne Zutat zu einem folgerichtigen Ganzen zusammen, dass von einer wahrhaft gelungenen Inszenierung zu einem gefälligen Gesamtwerk abgerundet wird, das nicht zuletzt durch seine bedrückende und ausweglose Atmosphäre überzeugt. Hierbei darf man, wie so oft, die Wirkung des Soundtracks nicht unterschätzen. Die Ausstattung und die Kameraarbeit sind ebenfalls äußerst postitv zu erwähnen. Die Schauspieler agieren eher solide. Die deutsche Synchro ist gut gelungen.
Eigentlich hat der Film von seiner gesamten Art her 8 oder gar 9 Punkte verdient, die ich aber leider nicht vergeben kann, da die Figurenkonstellation - wohl, um die Kirchenkritik noch ätzender zu gestalten - eine phasenweise deutlich überzogene Schwarz-Weiss-Malerei darstellt, der ein kleines bisschen Ambivalenz sehr gut getan hätte. Auch muss ich sagen, dass ich die schauspielerischen Leistungen zwar durchweg gut heissen kann, mir aber gerade die tragende Figur der Beatrice viel zu hölzern geraten ist. Ob man das dem Drehbuch, der Darstellerin oder dem zugrunde liegenden historischen Charakter ankreidet, tut dabei nichts zur Sache. Generell sollten diese Kritikpunkte - ebenso wie der selten dämliche und überaus unzutreffende deutsche Titel - niemanden davon abhalten, diesen Film einmal anzutesten. Ich kann ihn jedenfalls mit starken 7 Punkten nur jedem interessierten Zuschauer empfehlen. Für Fulci-Fans ein absolutes Muss, vielleicht sogar das Hohelied des Meisters, das eine subjektive Wertung von 9 Punkten durchaus rechtfertigt.
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