Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 07.06.2003, seitdem 2205 Mal gelesen
Geheimtipp munkelte man, schwer geschockte Zuschauer wurden im Trailer gezeigt, denen der Sabber aus dem Gesicht lief, doch alles in allem ist "28 days later" nur ein mittelmäßiger Zombiefilm von Danny Boyle, der sein Hollywooddebüt "The Beach" in den Sand setzte und so nach Hause zurückkehrte.
Ein Comeback des verrufenen und angestaubten Zombiegenres einzuläuten ist keine leichte Sache: Zu fest sitzt doch das Klischeedenken der Zuschauer, bedingt durch viele Gurken der 80er, die dieses Genre totritten. Um dennoch zu bestehen versucht Boyle sich aus Versatzstücken der romeroschen Zombiefilmen einen postapocalyptischen Endzeitfilm zu zimmern, den das heutige Mainstreampublikum dank Einsatz moderner Technik und erfrischender Ideen annimmt. Bedingt funktioniert das sogar.
Der Anfang des Films, der entfernt an das völlig mißlungene "Resident Evil" Vehikel erinnert, besitzt sehr viel Atmosphäre, sobald man sich an die (mir ungeliebte) DV-Optik gewöhnt hat. Tierschützer befreien Affen, die mit einem Killervirus infiziert sind, der sie zu tötlichen Bestien macht. Den Rest kann man sich vorstellen....
Die Hauptfigur Jim wacht in einem scheinbar menschenleeren London (genial eingefangener Teil) auf und erfährt von 2 Überlebenden (davon verabschiedet sich einer überraschend schnell wieder), die ihm das Leben retten, dass ein Virus ("Wut") die Menschheit heimsucht und alle Infizierten in blutgierige Zombies verwandelt, vor denen auch erstmal ausführlich geflüchtet wird, während man andere in ihre Organe zerlegt.
Zombies der Neuzeit stapfen aber nicht mehr blöd dreinschauend durch die Gegend, sondern sind kräftig und blitzschnell, wenn es um Eßbares geht. Sonderlich zimperlich gehen bei dem ungleichen Kampf keine der beiden Seiten zur Sache. Auf der Flucht vor den Zombies findet man bei einem Mann und seiner Tochter Unterschlupf, die Hoffnung in Richtung Manchester hegen, wo ein Militärstützpunkt überlebt hat, so lautet jedenfalls die Radiomeldung.
Der erste Teil des Films ist wirklich gelungen. Das menschenleere London strahlt eine beklemmende, düstere Atmosphäre aus, aus der es kein entrinnen gibt. Die Zombies herrschen, während Menschen nur bewegliches Futter sind. Doch dann lässt der Film leider sehr stark nach: War die Einkaufshommage an "Dawn of the dead" noch ganz nett, wird spätestens die Ermordung des Zombiekindes an der Tankstelle langsam lächerlich. Überhaupt fragt man sich, warum man keinen Jeep oder gar einen LKW nutzt, um nach Manchester zu kommen oder sich zumindest mal im lokalen Waffenladen umgeschaut hat. In der freien Natur angekommen, geht das beklemmende Gefühl flöten, es herrscht keine Gefahr mehr, während in der Stadt hinter jeder Ecke ein Zombie hocken konnte. Tötlich für die Atmosphäre, die sich davon nicht mehr erholt.
Weiter abwärts geht mit der Atmosphäre, als sie in Manchester ankommen, obwohl der Abtritt eines Gruppenmitglieds dumm wie tragisch ist, hegte ich dort wieder Hoffnung, dass es aufwärts geht. Leider wird es aber schlimmer, denn nun wird eifrig "Day of the dead" zitiert: Auf einem Landsitz hat sich eine Militäreinheit verschanzt, die übrigens wie das Vorbild sich einen Hauszombie hält. Diese Männer enttäuschen das Trio herb, benehmen sich wie die großartigsten US-Marines, wenn eine Welle Zombies heranjoggt, um wenig später wieder die gutgelaunten Vorzeigesoldaten zu geben.
Erst spät merkt man, dass diese Herren so ihre eigenen perversen Ideen haben, wie man mittels einseitigem Vergnügen die Menschheit retten kann, was zu einem abstrusen Ramboteil führt, in dem nochmal ordentlich geschlachtet werden darf, bis das überflüssige Happyend endlich herbeizitiert wird.
Fazit:
Danny Boyles Horrorfilm entstaubt das Genre zwar, verbeugt sich aber so tief vor Klassikern, dass man nicht mehr von einem innovativen Film sprechen kann. Während der erste Teil wirklich gelungen, geht das Endzeitfeeling spätestens bei der Ankunft in Manchester völlig den Bach runter und wird immer abstruser. Nicht wirklich der Knüller, den man nach der Werbung erwartet.