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28 Days Later (2002)
Eine Kritik von anno nym (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 16.05.2004, seitdem 1460 Mal gelesen
"Schocker des Jahres!" urteilte die Bildzeitung über "28 Days later" und hatte im gewissen Sinne recht, denn geschockt war man wirklich. Aber nicht über den Film sondern über die Tatsache, wie er so gute Kritiken bekommen konnte.
Scheinbar sprach er mit seinem billig-Look und der DV-Aufnahmetechnik all die Liebhaber der Programmkinos an. Die konnten sich freuen, dass sie endlich auch einmal einen Zombiefilm positiv bewerten durften, da er ja hier schließlich besonders anspruchsvoll, tiefsinnig und ungewöhnlich daherkommt.
Dem Letzten kann ich zustimmen, ungewöhnlich ist "28 Days later" auf alle Fälle. Abgesehen von dem schon angesprochenen "Home-Video-Look" sind es besonders die Schauspieler, die auffallen. Im Gegensatz zu amerikanischen Produktionen sehen sie nicht "wie geleckt", sondern realistisch, mit vielen Ecken und Kanten versehen, aus. So wirkt der Hauptdarsteller in manchen Aufnahmen äußerst hässlich und besonders gegen Ende hin wird auch immer deutlicher seine "dunkle" Seite sichtbar.
Daraus hätte man schon was machen können, aus dieser unnachahmlichen Europäischen-Independent-Art, sich dem Zombiegenre anzunähern.
Leider scheitert der Film trotzdem, was an vielen kleinen Dingen aber hauptsächlich am Drehbuch liegt. Dieses ist nicht wirklich einfallsreich (was ja gar nicht so schlimm wäre), sehr holprig und vor allem unglaubwürdig (was schlimm ist). Während der erste Teil des Films noch ganz gelungen wirkt - die Hauptperson wacht in einer verlassenen Welt auf, versucht sich zurecht zu finden - driftet der Film später immer mehr in konstruierte, unlogische Situationen ab, die dem Zuschauer den Spaß sehr schnell verleiden. Da fahren die Hauptpersonen im verlassenen London mit einem Taxi (obwohl es doch viel sicherere Autos gibt), im helllichten Tageslicht durch einen Tunnel (obwohl man die Themse auch viel einfacher im Tageslicht hätte überqueren können) und nehmen nicht einmal Waffen mit! Da kommt die Hauptperson plötzlich auf die Idee, in eine verlassene Tankstelle zu gehen (und sich damit Zombies auszusetzen), obwohl keinerlei Grund dafür besteht und die anderen Personen ihnen sogar davor warnen! Da geraten die Überlebenden in ein Schloss voll Soldaten, die nichts besseres zu tun haben, als eine neue Menschenrasse gründen zu wollen und dafür natürlich Frauen zum Kinder zeugen brauchen. Blödsinniger geht’s ja wohl nicht mehr.
Am Ende wächst dann unser Hauptdarsteller über sich selbst hinaus und mutiert zum Einzelkämpfer, der fast die gesamte Soldatengruppe im Alleingang auslöscht. Im Ansatz ist auch diese Idee gut, denn der Regisseur Danny Boyle wollte zeigen, dass der Mensch keinen Virus braucht, um zum blutdurstigen Zombie zu werden, doch leider ist das nicht nur total übertrieben und unglaubwürdig dargestellt, nein, diese Aussage wird einen auch noch penetrant von einer der Darstellerinnen unter die Nase gerieben! Das Selbe gilt auch für die "Moral" der ganzen Geschichte: Dass der größte Feind des Menschen der Mensch selbst und nicht irgendein Virus oder eine Zombieinvasion ist, wissen wir spätestens seit "Night of the living Dead". Wenn der Regisseur also dieselbe Aussage wiederverwertet, wäre wenigstens ein klein wenig Subtilität angebracht. Aber nein, auch hier reden die Darsteller die ganze Zeit davon dass sich Menschen schon immer selber töteten und untereinander die größten Feinde waren!
Wir haben hier also einen Film, der bis auf die ungewöhnliche Art der Inszenierung nur altbekanntes, schon x-mal durchgekautes bietet und munter von anderen Filmen seines Genres klaut. Für einen Horror-Film fehlt es an Spannung, der Fähigkeit den Zuschauer dauerhaft zu unterhalten und er kommt außerdem viel zu anspruchsvoll daher. Doch tiefsinnig ist "28 Days later" auch nicht, dafür ist er viel zu platt, oberflächlich und unglaubwürdig.
Danny Boyle schuf zwar keinen Totalausfall, doch sein Werk ist weit von einem guten Film entfernt. Es gibt bessere Wege, 110 Minuten hinter sich zu bringen.
5/10
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