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Titanic (1997)
Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 26.05.2006, seitdem 702 Mal gelesen
Titanic ist so ein typischer Hollywood-Kitsch-Film, der nichts anderes bereit hält, als halbgare Geschichtchen rund um ein Actionfeuerwerk der Superlative.
Vielversprechende Jungschauspieler vergeuden hier ihr Talent, nur um etwas mehr an Popularität zu gewinnen und unsterblich zu werden.
Ein egomanischer Regisseur verwirklicht seinen Kindjheitstraum und stellt die technische Produktion und sein eigenes Ego über das letztendlich resultierende Produkt.
Und, was das Traurigste an dem Film ist, denn es ist ja nun mal eine tragische Geschichte: Man weiß immer noch nicht, ob der Eisberg sein Ziel erreicht hat, oder ob der Zusammenprall mit der bösen Titanic ihn vom Kurs abgebracht hat, Hmm, hmm.
Nun aber zum Film:
Die Bauten, Requisite, das Schiffsmodell, die Kostüme, die Maske, all das ist über jeden zweifel erhaben.
Die Schauspieler sind allesamt wohlklingende Namen und eigentlich auch über jeden Zweifel erhaben, bis in die kleinsten Nebenrollen gibt es auch hier nichts auszusetzen.
Die Kamera und der Schnitt sind meisterlich und halten sich allem Anschein nach sehr strikt an die Vorgaben des Übermächtigen Regisseurs.
Und hier fängt der Film an zu schwimmen - im Gegensatz zu einem Schiff bedeutet es aber nichts Gutes, wenn der Film schwimmt.
Anstatt sich an die seit den 70er Jahren kultivierte und bewährte gängige Formel eines Katastrophenfilms zu halten (Mehrere kleine Episödchen und persönliche Pseudokriselchen zu erzählen, die allesamt im folgenden Inferno ein jähes Ende finden, wobei den Überlebenden vielleicht sogar (wenn auch nur in den richtig miesen) klar wird, dass es am Wichtigsten ist, dass wir alle noch leben (Huihuihui)), welche sich sogar in anderen Filmen und Serien bewährt hat (Short Cuts und Love Boat), greift unser Mega-Ego nach den Sternen: Er erzählt die (Liebes-)Geschichte eines Abenteurers und einer Lady aus gutem Haus, die ja - wie jede (ach so ist das) große - Liebesgeschichte nicht glücklich ausgehen darf. Hierfür greift er auf das übliche Mittel zurück: Die Unüberwindbarkeit der Standesunterschiede ist beiden egal, aber sie scheitern trotzdem, all das im ach so fetzigen, furiosen, Finale.
Soso, gaaanz groß, wenn ich nicht zu faul wäre, würde ich jetzt gaaaanz langsam und gemächlich klatschen.
Bravo, standing ovations, Zugabe, Zugabe.
Wie gesagt, die Darsteller mühen sich redlich,ihren spärlich ausgestatteten Charaktern Tiefe zu verleihen, allen voran Leonardo DiCaprio, der (der Ärmste kann ja nichts dafür) die größte Fehlbesetzung des Films ist: Für einen Abenteurer vom Schlage eines junge Errol Flynn oder Clark Gable kommt er zu Milchbubimäßig rüber. Und ich rede jetzt nicht vom fehlenden Schnurrbart, er wirkt halt einfach nicht wie jemand, der sich mit Müh und Not über die Runden bringt.
Dafür macht er seine Sache aber, wie der ganze Rest der Crew, ziemlich gut.
Aber James Cameron, im Wissen etwas ganz großes zu bewerkstelligen, wütet weiter: Unangebrachte Melodramatik, sich dauernd wiederholende Liebesschwüre und ein Finale, das einfach nicht zu Ende gehen will. Man verdreht irgendwann die Augen ob so dick aufgetragener und höchst unglaubwürdiger Melodramatik. Sogar in Bollywood würde man sich für so ein Geschnulze ohne auch nur einen Hauch von Tiefgang schämen.
Denn Camerons mickriges Gespür für die Tränendrüse des Publikums zeugt von magelnden psychologischen Grundkenntnissen. Untermalt ist das alles von einer Musik eines gewissen James Horner, der zweifelsohne talentiert WAR, in den 80ern und früher 90ern, jetzt aber einfach nur den selben Schwachsinn für jeden seiner Filme zu konzipieren scheint, ich würde fast meinen, wenn man ihm einen Film über eine afrikanische Revolution vorlegen würde, er würde immer noch mit seinen irischen, lyrischen Klängen angedackelt kommen. Es ist Celine Dion auch nicht anzukreiden, dass ihr Titelsong so erfolgreich wurde, der Song ist zwar nicht superprickelnd, aber er verdient es nun wirklich nicht, in fast jeder Haß-Top-Ten aufzutauchen.
All das ist gehört zum fiesen Master-Plan unseres Großhirns James Cameron, der sich selbst unbedingt ein Denkmal setzen muß.
Höchstens kreischende 12-Jährige Mädchen, die LeonardoDiCaprio Bravo-Poster bei sich zu Hause hängen haben, werden diesen Film tragen und noch ans rettenden Ufer bringen. Im Übrigen, dies nur als Exkurs, natürlich verdient auch diese Zielgruppe ihre Filme, also nicht falsch verstehen, aber für einen Filmklassiker, der Titanic ja mittlerweile sein möchte, ist diese Zielgruppe einfach zu wenig.
Ach ja die Action und die Special-Effects. Hier legt unser Super-Guru Cameron die Meßlatte sehr hoch. Der Showdown ist ewig lang und visuell einfach überwältigend. Aber wie sehr viele Hollywood-Filme dieses Kalibers verzettelt er sich immer wieder in melodramtische Klischees und Spannungsaufbauversuche, die nicht nur seltsam und unglaubwürdig erscheinen, es wirkt auch sehr vieles an handlungssträngen äußerst weltfremd. So beispielsweise das orchester, das bis zum Ende zusammen bleibt und voller Würde, Ehre, Kameradschaft bis zum letzten Moment weiterspielt. Wow, das Bild des weiteren Films verschwimmt vor meinem Auge, weil sich gerade wieder eine Riesenträne über meinem Gesicht festsetzt.
Die Länge des Films ist gerade anhand des dürftigen Plots viel zu lang geraten, und die Action tröstet mitnichten darüber hinweg.
Man sieht dem Film allemal an, dass er sehr sehr teuer und aufwendig produziert wurde, doch:
200 Millionen Dollar für einen Film sind eindeutig zu viel, allein das ist eine Frechheit, und dafür hätte James Cameron, anstatt alles selbst machen zu wollen, auch mal einen guten Drehbuchautor engagieren können.
Es gibt weitaus schlechtere Filme, die ich besser bewerten würde und werde, gerade weil dieser Film, so titanisch an seinen eigenen Ansprüchen scheitert, ein ganz großer sein zu wollen.
Spätestens seit diesem Film hat sich der Oscar als ernstzunehmender Filmpreis bei meinesgleichen disqualifiziert.
Ach ja, noch etwas: Bin ich der Einzige, der den Eisberg zu billig findet - nicht nur für dieses Etat?
3 Punkte
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