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Irreversibel (2002)

Eine Kritik von Jason Stillwell (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 21.04.2004, seitdem 331 Mal gelesen


Was ist das... ein Film?
Dieses krasse, ekelerregende, verstörende und dennoch aufweckende Stückchen Kunst aus Frankreich.
Ich schwanke zwischen krank und aufrüttelnd, wenn ich diesem Film ein Attribut zuschreiben müsste.

Hab ja schon einiges an Splatter, Horror usw. gesehen, aber nichts geht mir so nahe, wenn es so menschlich wie in "Irreversibel" gezeigt wird. Vergleiche zum "Memento" sind nicht unberechtigt bezogen auf Plot und Erzählstruktur, dennoch geht das französische Pendant viel krasser und heftiger unter die Haut. Und die Kamerafahrten! Unglaublich.

Man kann einfach nicht fassen, was man mit eigenen Augen sieht. Man möchte einschreiten und den Vergewaltiger von der wimmernden Frau wegreißen und ihn für seine Taten ausbluten lassen. Aber es geht nicht.
Als man dann im Hintergrund einen Passanten einfach weitergehen sieht, denkt man nur: Du dreckiges Schwein, hilf der Frau doch!
Solche Szenen spielen sich jeden Tag hunderttausendfach auf der Welt ab. Wenn nicht sogar noch öfter.

Die Schauspieler leisten astreine Arbeit. Die Frau, ihr rachsüchtiger Freund, mit dem man einfach nur mitfühlen und -leiden kann und schliesslich der Ex-Mann.

Kann sein, dass ich mich irre, aber ist es möglich, dass der alte dicke Mann am Anfang, der davon redet, dass er im Knast war, weil er mit seiner Tochter geschlafen hat, derselbe Charakter (und Schauspieler natürlich auch) aus Noé's "Menschenfeind" ist?
Das wär ja interressant, denn dann könnte man "Irreversibel" als Sequel (oder Prequel?) zu "Menschenfeind" deuten.

Für die Intensität und die Kernaussage gebe ich ganz klar 10 Punkte, aber ziehe auch gleich 2 wieder ab für die Kameraführung in den ersten 20 Minuten. das ist etwas zu viel des Guten, denn es bringt weder die Story voran noch scheint es irgendwie innovativ. Danach wird es überschaubarer und auch sinnvoller, aber am Anfang im Club nervt es einfach nur und bringt keinen zusätzlichen Schockeffekt.
Ebenso ist die Spannungskurve nicht ganz glücklich gelungen, ab der Mitte passiert dramatisch gesehen nichts Berauschendes mehr, nur der schale Beigeschmack bleibt, denn man weiß ja schon, was im Folgenden passieren wird und so sind die freundlichen, harmonischen und friedlichen Bilder umso fieser.


FAZIT: Ob man diesen Film gesehen haben muss?
Das schreckliche ist ja... die Realität ist NOCH grausamer.


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