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Pate - Teil 2, Der (1974)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 06.05.2005, seitdem 1130 Mal gelesen


Die Corleone-Saga geht in die zweite Runde, kann aber dem Vorgänger in meinen Augen nicht ganz das Wasser reichen.
Michael Corleone (Al Pacino), das Oberhaupt der Corleone-Familie, hat seinen Sitz nach Nevada verlagert, wo er mit seiner Frau Kay (Diane Keaton) und dem Rest der Familie lebt. Die Geschäfte laufen nicht schlecht, auch wenn einige seiner Untergebenen nicht ganz zufrieden mit Michaels Geschäftspolitik sind. Nur Kay leidet unter den illegalen Geschäften ihres Mannes, der ihr versprochen hatte, in absehbarer Zeit wieder ein ehrbares Leben zu führen. Das alles erfährt man wieder bei einem Familienfest, das den einleitet, analog zu der Hochzeitsszene aus dem Vorgänger.
Doch es gibt einen Verräter innerhalb der Familie, der weniger mit Michaels Führung zufrieden ist als er vorgibt: Man verübt einen Anschlag auf Michael in seinem eigenen Schlafzimmer, die Attentäter werden nur noch tot gefunden – also muss ihr Auftraggeber aus den Reihen der Familie stammen. Michael tritt eine Reise an und lässt seinem Adoptivbruder und engstem Vertrauten Tom Hagen (Robert Duvall) die Leitung der Familie. Auf seiner Reise will er herausfinden, wer ihn verraten hat…

Parallel dazu springt „Der Pate 2“ dann auch noch in die Vergangenheit und erzählt die Geschichte von Vito Corleone (Robert De Niro), Michaels Vater, der sich vom einfachen Angestellten zum Paten in New York hocharbeitet. Geschickt wechselt Francis Ford Coppola zwischen den beiden Erzählsträngen, wobei die Rückblenden jedoch Nebenhandlung bleiben und der größte Teil des Films Michael Corleone gehört.
„Der Pate 2“ kommt dabei fast genauso fesselnd und spannend wie der Vorgänger daher, obwohl er noch länger als der erste Teil ist. Allerdings nur fast so fesselnd, denn im letzten Drittel kann er die Intensität nicht ganz halten und so fällt z.B. die „Pate“-typische Exekutionswelle am Ende weniger packend als in den anderen Teilen der Saga aus. Doch das ist wirklich nur ein kleiner Mangel bei einem Film, der mehr als drei Stunden Laufzeit ins Rennen bringt.
Ansonsten ist „Der Pate 2“ erneut sehr packend und erzählt wieder, wie Michael geschickt die Fäden zieht, taktiert und Leute gegeneinander ausspielt, um seine Familie und seine Organisation zu schützen. Wieder mal beeindruckt die Figur des Michael mit seiner Undurchsichtigkeit: Fast nie ist klar, wen er anlügt und wem er die Wahrheit sagt, wen er benutzt und wem er vertraut. So bleibt es auch lange spannend, wer für den Anschlag auf Michaels Leben verübt hat, denn Michael erzählt jeder Partei, dass er jemand anderen verdächtige.

Natürlich dürfen auch die großen Gefühle in „Der Pate 2“ nicht fehlen, welche die Unterwelthandlung erst so richtig episch machen: Michael als stressgeplagter Pate mit eisernem Willen, Kay als überforderte Ehefrau, die das Leben in der Gangsterfamilie nicht mehr aushält, Michaels Bruder Fredo (John Cazale), der immer noch nicht so recht damit klarkommt, dass er nicht zum großen Gangster geboren ist und daher nur niedere Jobs bekommt sowie Michaels Schwester Connie (Talia Shire), die sich immer noch mit unnützen Männern abgibt und das Geld der Familie verschwindet. Wieder mal werden die Schicksale der einzelnen Familienmitglieder packend erzählt und gezeigt, dass auch die Gangster Menschen sind.
Wie schon der Vorgänger funktioniert Francis Ford Coppolas epische Mafiachronik aber nur dank der exzellenten Schauspielertruppe, allen voran Al Pacino als unterkühlter und berechnender Michael, der nur selten seine Gefühle offen zeigt. Da kommt selbst De Niro als junger Vito nicht gegen an, macht aber einen gewohnt guten Job. Auch Robert Duvall, Diane Keaton, Talia Shire und John Cazale können an ihre tollen Leistungen aus dem ersten Teil anknüpfen und voll und ganz überzeugen. Zudem gibt es ein paar weitere bekannte Gesichter innerhalb des Ensembles zu sehen, z.B. Schauspielurgestein Lee Strasberg als Michaels jüdischer Geschäftspartner Hyman Roth.

Alles in allem ist auch „Der Pate 2“ eine packende Mafiachronik mit plastischen Charakteren und tollen Darstellern. Im letzten Drittel zwar nicht mehr ganz so fesselnd, aber trotzdem hervorragendes, episches Kino.


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