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Pate - Teil 2, Der (1974)
Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 03.03.2003, seitdem 1665 Mal gelesen
Nach dem Oscar-prämierten Erfolg von Francis Ford Coppolas "Der Pate" war die Frage nach einer Fortsetzung finanziell geklärt. Zum Glück hielt man Regisseur Coppola auch künstlerisch den Rücken frei. Denn es entstand das beste Sequel der Filmgeschichte. Coppola kochte die Geschichte aus dem Erstling nicht tumb auf, oder versuchte ihre Erfolgsmerkmale zu imitieren, sondern schuf ein unikes Werk der Filmkunst: "Der Pate II".
Die Geschichte wird in dem überlangen, 192 Minuten fassenden, zweiten Teil in zwei Richtungen fortgeführt. Coppola kombiniert dementsprechend zwei verschiedene Zeitebenen zu einem gigantischen Film wie folgt: Da wäre die eine Geschichte des Mannes, der am Ende von "Der Pate" zu der Titelfigur wurde - zu dem Don, zu dem Familienoberhaupt: Al Pacino alias Don Michael Corleone. Sein Leben als Mafiaboss und Familienvater wird hier beleuchtet. Seine Erfolge und Misserfolge werden aufs schmerzlichste zu Tage gefördert. In der zweiten Storyebene befinden wir uns plötzlich in dem New York um die Jahrhundertwende herum. Der junge Vito Corleone kommt nach New York, wächst dort auf, gründet Familie und wird schließlich zum geachteten Gangster.
So werden wir Zeuge der Vorgeschichte des Mannes, der im ersten Teil so berauschend von Marlon Brando verkörpert wurde - Vito Corleone. Und es ist eine Jahrhundertsleistung, die hier von dem jungen Robert De Niro abverlangt wurde: Er sollte den jungen Vito spielen. Das heisst, er musste eine Figur, die bereits von einem der brillantesten Schauspieler unserer Zeit angelegt und schier perfektioniert wurde, adaptieren und auf ihre frühen Grundzüge reduzieren. Da wo Brando charakterisierte Gesten gebrauchte musste De Niro an den Anfang gehen, dorthin, wo all die Eigenarten der Brando-Figur began. De Niro spricht größtenteils nur italienisch und um sich maßstabsgerecht für die Rolle vorzubereiten, lebte er mehrere Monate in Sizillien. Allein seine edle Ausstrahlung scheint uns sofort an die Tage aus "Der Pate" zu erinnern. Es ist nur gerecht, dass diese beispiellose Leistung auf dem schauspielerischen Gebiet mit einem Oscar belohnt wurde. De Niro qualifizierte sich hiermit zu einem der besten Schauspieler aller Zeiten.
Aber auch Al Pacinos intensive, nachdenkliche Version des Michael Corleone ist fantastisch. Die Geschichte um seine Figur wird immer tragischer im Verlaufe des Filmes. Große Konkurrenten wie Hyman Roth, dargestellt von Method-Acting-Urgestein Lee Strassberg, scheinen sich gegen ihn verschworen zu haben, wollen sogar seinen Tod. Im Laufe der komplizierten Handlung, die beim ersten Anschauen keinesfalls komplett aufgenommen werden kann, verliert Michael vieles, für das er gekämpft hat - am Ende von "Der Pate 2" ist er ein gebrochener Mann - ohne Brüder und ohne Frau. Ohne Liebe.
Und das führt uns zu den nächsten atemberaubenden Darstellern: Da wäre John Cazale, der hier einer der tragischsten Figuren der Filmgeschichte Leben einhaucht, oder die verzweifelte Diane Keaton, die eine extreme Wandlung im Laufe des Films durchmacht. Michael V. Gazzo bekam für seine wunderschöne Darstellung des Frank Pentangeli eine Oscarnominierung. Bruno Kirby spielt in den italienischen Rückblenden die junge Version des Peter Clemenza, und in einer finalen Erinnerungssequenz treten sogar wieder James Caan als Sonny und Abe Vigoda als Tessio in dem Film auf. In weiteren Rollen kann man Roger Corman, Danny Aiello und Joe Spinell bewundern.
Eingefangen wird diese prächtige Familienchronik wieder einmal von Gordon Willis, der die italienischen Szenen in Pastellfarben haucht, die wie längst verblichene Bilder aus schöneren Zeiten aussehen, während er in den Pacino-Szenen mit hart kontrastiertem Licht arbeitet. Darüber ist die schwelgerisch-hübsche Musik von Nino Rota und Regisseurvater Carmine Coppola gelegt, die sicherlich zu den schönsten, zeitlosesten Kompositionen der Filmgeschichte gehört. Auch Erwähnung gebürt Dean Tavoularis, der ein unfassbar prächtiges und zeitgenössisches Setbild für die Rückblendszenen schuf. In seinen Dekors wird das New York kurz nach der Jahrhundertwende wieder lebendig.
Was bleibt zu sagen? "Der Pate II" ist und bleibt Filmgeschichte. Das allgemeingültige Muster, wie man ein Sequel - oder ein Prequel, dies sei dahingestellt - gestaltet. Nicht selbstkopierend oder mythos-zerstörend, sondern elegant erweiternd, intelligent und wunderschön. "Der Pate II" ist ohne Frage, ohne Diskussion die beste Fortsetzung aller, aller Zeiten.
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