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Thelma & Louise (1991)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 22.10.2004, seitdem 340 Mal gelesen


Zwei Frauen wollen einen spontanen Wochenendtrip ohne ihre Männer starten, was letztendlich zu einer Reise ohne Wiederkehr für die beiden wird, nachdem eine von ihnen einen Betrunkenen erschossen hat, der die andere vergewaltigen wollte. Ridley Scott begleitet die Beiden auf ihrem Weg zur Selbstfindung, der die immer emanzipierter werdenden Frauen schließlich alle Gesellschaftsnormen vergessen lässt und schnurstracks in den Grand Canyon führt...

„Thelma & Louise“ heißt der Streifen dazu und hat filmhistorisch mittlerweile einen beachtenswerten Platz eingenommen, was wohl vor allem daran liegt, dass Scott sämtliche Vorstellungen, dass man als Zuschauer von einem Road-Movie bis dato hatte, entkräftet, indem er darin zwei Frauen die Hauptrollen spielen lässt. Und das in einer Gegend, wo man unter der sengenden Wüstensonne bis heute raue Cowboy-Sitten und ganz klare Männerdominanz erwartet. So sind Thelma und Louise dann auch fast ausschließlich vom maskulinen Geschlecht umgeben, was sie dazu nötigt, selber deren Verhaltensweisen anzunehmen, spätestens von dem Zeitpunkt an, wo sie sich auf der Flucht befinden. Fluchen, saufen, schießen und zügelloses Benehmen gehören von nun an dazu und helfen ihnen beim Überleben, zumindest solange, bis sie sich freiwillig für einen anderen Weg entscheiden.

Bis dahin hält der Film leider nicht ganz, was sein Ruf verspricht. Die Emanzipation von der Männerwelt geht recht eintönig vonstatten, Szenen scheinen sich zu wiederholen oder sind zu lang gestreckt. Zum Beispiel ist es immer wieder Thelma, welche die Beiden in Schwierigkeiten bringt und auf der Flucht ihren klaren Kopf verliert, worauf jedes Mal eine Aussprache mit Louise folgt. Noch einschläfernder wird das Ganze, wenn die Szenerie auf die Jäger schwenkt, denn die Figuren von Hal (Harvey Keitel), Jimmy (Michael Madsen) und Darryl (Christopher McDonald) werden gleich am Anfang in ein bestimmtes Verhaltensschema gezwängt, welches sie dann schön vorhersehbar einhalten.

Freilich täuscht das inzwischen schon legendäre Finale über so manche Länge hinweg. Zuerst halsbrecherisch, anschließend resignierend und am Ende voller Hoffnung gibt es für Thelma und Louise nur eine Devise: Volle Kraft voraus! Wenn es sein muss, auch in den Grand Canyon, der gleichzeitig Sinnbild für die grandiosen Landschaftsaufnahmen ist. Der Oscar für die beste Kamera wäre hier der einzig wirklich verdiente gewesen, denn die Shots von endlos langen Highways und einzigartigen Felsformationen vor untergehender Sonne sind eine Augenweide und werden von Hans Zimmers bleischwerem Soundtrack passend untermalt.

Bleibt unterm Strich ein grandios fotografierter Film, der den Mut besitzt, zwei Frauen als Heldinnen in eine Gegend zu schicken, die auf der Leinwand bis dato ganz den Männern gehörte. Das hebt „Thelma & Louise“ geradeso über den Durchschnitt, denn alles andere ist hier nicht sonderlich originell, sondern vielmehr voller Stereotypen. Seinen guten Ruf verdient der Film daher nicht ganz, trotzdem sollte man ihn mindestens einmal gesehen haben.


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