Es wäre ja nichts Neues, daß sich ein entstandener Kult um kaum mehr verfügbare Werke als Luftschloß von profitgierigen Händlern oder als aufgebauschtes Entdeckergebaren, dem Sammler oftmals eigene Form des Schwanzvergleichs, entpuppt. Von Karate, Küsse, blonde Katzen findet man nun aber durchaus einen vielversprechenden Trailer im Internet, der so viel geballtes Potential aufweist, daß ihm der Film kaum gerecht werden kann. Dennoch bietet diese kuriose Zusammenarbeit der münchener Rapid-Film mit den Shaw Brothers so manches, um den gemütlichen Herrenabend zu versüßen.
Ging Sex and Fury mit Christina Lindberg noch eine andere Gangart, so importiert Karate, Küsse, blonde Katzen quasi mit seinen westlichen Darstellerinnen gleich die olle Sexklamotte mit. Es wäre in diesem Zusammenhang interessant zu wissen, wie der Film denn in anderen Sprachen ausfällt, da die deutsche Fassung über kühnste Erwartungen erhaben ist. Von "Das schmeckt ja wie alter Opa unterm linken Ei!" bis "Jetzt dreh ich dirs Gas ab und häng dich an die Chinesische Mauer!" ist alles dabei, was man sich kaum zu träumen wagte.
Direkt von einem Schiff, welches die Mädels ins frauenbedürftige Australien liefern sollte, werden die Protagonistinnen entführt, um meistbietend versteigert zu werden. Nicht so wirklich einverstanden müssen sie sich doch in ihr Schicksal fügen, sich den gierigen Avancen ihrer Häscher erwehren und die verdächtig Aerobic-Übungen ähnlichen Liebespraktiken der Chinesen erlernen. Tittenpräsentation geht in Karate, Küsse, blonde Katzen eindeutig vor kunstvoll ausgeführten Kampftechniken, obgleich sich die wohl eher ungeübten Mädchen als Hauptfiguren doch recht wacker schlagen.
Ganz im Geheimen erwerben sie nun Grundkenntnisse des Tötens, wobei sich ein synchron ausgeführter Schwertstich aus der Drehung nach Hinten in der Realität vermutlich ähnlich praktisch erweisen dürfte, wie das lebensgefährliche Olivenkern-Weitspucken.
Die plätschernde Handlung eignet sich perfekt für ein Gruppenerlebnis, bleibt doch die Gefahr aus, dem roten Faden nicht mehr folgen zu können. Dieser gestaltet sich simpel. Die Mädels dehnen ihren Aufenthalt in diesem Wonnepalast einfach so lange aus, bis sie kurz nach der Auktion auf ihrem Rachefeldzug zurückschlagen.
Karate, Küsse, blonde Katzen ist in voller Inbrunst Alles und Nichts, was nicht nur die verwendeten Genrecharakteristika betrifft, sondern auch den Grad von Gewalt und Sexualität. Ist diese Mischung ohnehin schwierig in Deutschland anzubringen, so wird die Indizierung per Beschluß von 2007 weiter aufrecht erhalten. Tatsächlich legt der Film nicht unbedingt den Gedanken nahe, daß sich jemand von den gezeigten Szenen jemals angestoßen gefühlt haben könnte. In einer Mischung aus freiwilliger und unfreiwilliger Komik könnte man sicher zu dem Schluß kommen, daß ein moralisches Prinzip in der Umsetzung fehlt (wobei man sich genauso fragen könnte, auf welche moralisch richtige Hilfe sich in der vollkommenen Fremde sexuell versklavte Frauen eigentlich berufen sollten).
Karate, Küsse, blonde Katzen verschmilzt zum Teil parodistisch Elemente aus Kung Fu und Sexfilm. Damit richtet er sich eher an die Herren, die sich zu diesem ausgesprochenen Quatsch bei durchaus übermässig ungebremst unbeschwerten 70er Jahre Dialogen ins Fäustchen lachen wollen. Da trifft er auch voll ins Schwarze. Wer was anderes erwartet ist selber schuld.