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Lady Frankenstein (1971)

Eine Kritik von buxtebrawler (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 18.02.2011, seitdem 601 Mal gelesen


„Lady Frankenstein“, diese 1971er Italo-Gothic-Exploitation (Regie: Mel Welles und Aureliano Luppi) mit interessanter Besetzung, nämlich Joseph Cotton als Baron Frankenstein, Herbert Fux als schmierigem Leichendieb und Rosalba Neri als Frankensteins Töchterchen, beginnt reichlich unspektakulär. In zugegebenermaßen für diese Billigproduktion überraschend gelungenen Kulissen wird die altbekannte Frankensteinleier zum x-ten Male runtergespult und fällt lediglich durch die etwas, ähem… rustikaleren Dialoge auf. Doch mit Erweckung der Kreatur in ihrer gleichzeitig fiesen und belustigenden Maske und dem Ableben des Barons ändert sich das alles schlagartig, denn der Film gewinnt an Tempo und Frankensteins vorher eher unscheinbare Tochter nimmt das Zepter in die Hand, um das Werk ihres Vaters fortzuführen – skrupelloser als zuvor. Von nun an wird der Zuschauer mit allerlei kruden Ideen und einer kranken „Romanze“ konfrontiert sowie einigen erotischen Momenten. Unvergessen, als unsere Lady F. beim Geschlechtsakt mit ihrem geistig zurückgebliebenen Diener, der gerade ermordet wird (!), offensichtlich einen Orgasmus erlebt – die vielleicht stärkste Szene des Films. Nebenbei gibt es auch noch einen klasse Subplot um den lüsternen Unterwelt-Geschäftsmacher, der grandios von Herbert Fux verkörpert wird und leider viel zu früh abtreten muss. Außerhalb des Frankenstein-Schlosses wütet natürlich die entstellte Kreatur bzw. stapft plump durch die Gegend, schafft es aber trotzdem, sich das eine oder andere Opfer zu krallen. Kleine Kinder hingegen werden verschont, selbst in dieser Variation. Ein herrlich unterhaltsames Potpourri des abseitigen Geschmacks! Leider wirkt das Ende dann aber ziemlich abrupt und etwas unbefriedigend und ist nicht der zumindest von mir erwartete Paukenschlag. Dennoch, dieser quirlige Frankenstein-Billig-Rip-Off hat mich trotz seiner Blutarmut wegen seiner vielen Ideen, sorgfältigen Inszenierung (als Kontrast zur sehr offensichtlichen Maske des Monsters…), seines Detailreichtums und nicht zuletzt des illustren Darstellerensembles angenehm überrascht. Emanzenterror mal anders - ein sympathischer Film.


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