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Nicht auflegen! (2002)

Eine Kritik von holgocop (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 16.03.2007, seitdem 241 Mal gelesen


Man was war ich enttäuscht !  

Ich hatte den Film vor ein paar Jahren mal gesehen und eigentlich in ganz guter Erinnerung, dann vor ein paar Tagen bei irgendeiner dieser unsäglichen 4 zum Preis von 3 - Aktionen wiederentdeckt und eingesackt, in großer Erwartung in den Player gelegt - und dann das!   Dachte ich, dass Mr. Farrell in S.W.A.T. den Tiefpunkt seiner Karriere hingelegt hatte, muss ich nun einsehen, dass Phone Booth ganz gut an diesen rankommt. Ist echt seltsam, ein Phänomen von Joel Schumacher - Filmen, man sieht sie sich einmal an, findet sie ziemlich gut, wird älter, schaut sie sich nochmal an und findet sie grottig. Bei 8mm gings mir  kürzlich ähnlich.

Also, angeblich war es wohl Alfred Hitchcock´s Wunsch, mal einen Film zu drehen der  nur eine Location hat, in diesem Falle eine Telefonzelle - und ich finde, das Konzept klingt doch ganz vernünftig.

Weiberheld Collin Farrell spielt also einen abgefuckten PR-Juppie, der jeden Tag seine Geliebte von einem Münzfernsprecher anruft - damit seine Frau, gespielt von Radha Mitchell (Silent Hill, Pitch Black ), nichts davon bei der Sichtung seiner Handy-Rechnung mitkriegt. 

Auf artechock habe ich eine ziemlich treffende Kritik des Films gelesen, der ich mich in vielerlei Punkten anschließen möchte. Anscheinend hatte Schumacher Angst vor der eigenen Courage, nämlich das Setting einer Telefonzelle zu benutzen, und bombardiert uns ständig mit irgendwelchen, seiner Meinung nach, abgefahrenen Zooms und Bildeffekten, die allerdings - zumindest mittlerweile - mit handelsüblichen Digi-Cams ebenso auf den Bildschirm zu zaubern sind. Das nervt ungemein. Anstatt ein spannendes Kammerspiel zu inszenieren, versucht man mit schnellen Schnitten und befremdlicher Hip-Hop Musik den Film aufzupeppen, und das bekommt ihm einfach nicht.  Wirklich schade, denn ein klein wenig von der Behäbigkeit eines 8mm wäre nicht fehl am Platze gewesen.

Aber anstatt sich auf die Leistung der Schauspieler zu verlassen muss man ja einen auf MTV-Video-Clip machen. 
Die Story wäre an sich nicht schlecht (für einen B-Movie, und als solchen sehe ich Phone Booth, trotz Kino-Release), hat allerdings einen völlig bescheuerten Grundegedanken, ohne den die Story zwar nicht funktionieren würde, der aber derart einen auf Deus- ex-machina macht dass es schmerzt:
Touristen mit Videokameras hin oder her, kein Polizist der Welt würde sich vor einen mutmaßlichen Mörder stellen, ihn aber nicht auf Anhieb festnehmen, bloß weil er grade telefoniert. HÄ !?! Das kann mir Mr. Schumacher einfach nicht weiß machen. Also da postieren sich zig Bullen und Scharfschützen, SWAT´s, etc. vor einer Telefonzelle, in der  ein scheinbar unbewaffneter Mann steht der einen Telefonhörer in der Hand hält .. es ist ja nicht so dass irgendeiner was von ´ner Bombe oder so gesagt hätte, die losgeht wenn man ihn aus der Zelle holt, oder dass irgendjemand von dem Scharfschützen Bescheid wüßte. Anstatt sich also einen - vermeintlich - ausgerasteten Psycho, der gerade einen Zuhälter auf offener Straße erschossen hat, zu schnappen, wartet man erstmal ab. Es wird sogar verhandelt!!! Wie blöd ist das denn !?!?!
Jetzt weiß ich auch warum Forest Whitacker immer so traurig guckt, würde ich auch bei bei solch miesen Drehbüchern.  

Der Film wäre also nach etwa 20 Minuten rum, wenn nicht dieser total unrealistische und bescheuerte Gedanke ins Spiel gekommen wäre. Das stößt schon SEHR sauer auf !  

Dass die Motivation des "Killers" ebenso völliger Humbug ist, darauf will ich gar nicht mehr eingehen. 

Farrell kämpft sich so mittelmäßig durch die ganze Geschichte und ich bin mir nicht sicher ob er für die Rolle wirklich so gut geeignet ist, aber er hat ja mit "intermission" bewiesen dass er auch kann wenn er will. 

Einzig Kiefer Sutherlands bedrohliche Stimme und einige seiner Dialog/Monolog-Zeilen sind gelungen und passend. 

Ich will nicht unbedingt sagen dass Hitchcock all das besser hinbekommen hätte (zB. finde ich nach wie vor North by Northwest, oder Der unsichtbare Dritte, wie er hierzulande heißt, saumies), aber er hätte wenigstens geradliniger gearbeitet und auf den ganzen dämlichen Pseudo-stylischen Hick Hack verzichtet. Und vielleicht hätte er Farrell auch zu einer gewissen Höchstleistung angetrieben. Schumacher hat das nicht geschafft, weshalb mir dieser Film als Werk der vergeudeten Chancen in Erinnerung bleiben wird. Schade eigentlich ! 

PS: Das Tom Cruise´s Herzensdame in dem Film mitspielt sorgt gleich nochmal für einen dicken Minus-Punkt. Die Alte geht mir dermaßen sowas von auf die Nerven !!!

Also nur 4 statt 5 Punkte


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