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Extrem (1996)

Eine Kritik von barryconvex (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 07.03.2004, seitdem 550 Mal gelesen


"Extreme Measures" ist ein routinierter Thriller, der trotz seiner beiden blassen Hauptdarsteller gut unterhält und einige Fragen aufwirft, die den Zuschauer hoffentlich noch länger beschäftigen werden.

Die Konstellation erinnert dabei sehr an den Großmeister des Genres Alfred Hitchcock: ein unschuldiger Arzt wird Zeuge eines Verbrechens und gerät deshalb in immer tiefere Schwierigkeiten, die ihn schließlich zur Flucht treiben und ihn allem und jedem misstrauisch gegenüberstehen lassen. Auch die mysteriöse Frau (Sarah Jessica Parker), die eigentlich dem Helden zugeneigt ist, aber gegen ihn gerichtete Ziele verfolgt, darf natürlich nicht fehlen.

Der smarte Arzt "Guy" im Strudel der Geschehnisse ist mit dem Sonnyboy Grant noch passabel ausgewählt, weil die Figur dadurch eine größere Fallhöhe durchlebt, Gene Hackmans 'Schauspielerei' kann man dagegen komplett vergessen. Wie in "Absolute Power" beschränkt sich sein Agieren auf wenige verkrampfte Gesichtsausdrücke. Was man bei seinem amerikanischen Präsidenten noch als 'Medienstarre' entschuldigen kann, geht bei seiner Rolle als Arzt, der sich am Rande des Wahnsinns bewegt - er vermeint Gott spielen zu können und frei über das Leben anderer zu verfügen - gründlichst daneben. David Cronenbergs Cameo mit wenigen Sätzen als Krankenhausdirektor hinterlässt eine größere Wirkung.

Spannend ist das ganze dennoch, auch wenn manchmal der Handlung künstlich ein wenig auf die Sprünge verholfen werden muss: etwa wenn Grant sich auf Anhieb von einigen Obdachlosen davon überzeugen läßt, dass unterhalb der Stadt eine "Geheimorganisation" ihr Dasein fristet.

Auch wenn der Film vorrangig unterhalten will, behandelt er sein Thema Medizinethik vs. Menschenversuche / Euthanasie zum Glück mit soviel Respekt, dass er zwar auf das obligatorische Happyend nicht ganz verzichten mag, dabei aber nicht vorgibt, alle Probleme zu lösen. Die Akten des großen Arztes über die Ergebnisse seiner Menschenversuche mit Obdachlosen gehen so an sein jüngeres "gutes" Pendant über. Die illusorische Lösung, die man aus so viele mad scientist Filmen à la Frankenstein kennt, das alle Tabubrüche wieder vom Erdball verschwinden, wird hier nicht praktiziert.

Auch führt der Film gekonnt die Schwere der Entscheidungsfindung zwischen Verstand und Zuneigung zu nah Stehenden vor, wenn er die meisten der Widersacher Guys mit persönlichen Motiven ausstattet. Dabei kommt er fast durchgehend ohne laute Töne aus, und braucht als Akteur in seiner stärksten Szene buchstäblich nur eine Schmeißfliege, die sich auf Grants Hand niederlässt.


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