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Fear and Loathing in Las Vegas (1998)

Eine Kritik von Thurgod (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 18.01.2006, seitdem 443 Mal gelesen


Fear and Loathing in Las Vegas... im Grunde genommen DER Inbegriff für Film gewordene Drogentrips. In den Hauptrollen glänzen zweierlei Topstars und Frauenschwärme, die so von ihrer weiblichen Fangemeinde besser nicht erwischt werden sollten! Johnny Depp gibt den zuckenden Dauerraucher Raoul Duke mit Halbglatze, stets versteckt hinter einer gigantischen gelben Brille, während Benicio Del Toro als Dr. Gonzo mit seinem Bierbauch und dem restlichen Look frappierend an Filmmörder Frank Zito alias Joe Spinell aus Maniac erinnert. Allein das Auftreten der beiden sowie das Erleben der Resultate des Dauerkonsums an allen möglichen Drogen könnten schon 10 Punkte wert sein. Dabei dient die Handlung nur als Startschuß für eine verrauschte, surreale Odyssee im Las Vegas der frühen Siebziger Jahre. Beide sind mit dem Auto und einem Koffer voller Drogen unterwegs nach Vegas, um dort in der Wüste journalistisch von einem Motorradrennen zu berichten. Doch damit hat es sich dank deren Dauerverpeiltheit auch schon bald und man ist schließlich nur noch in Kasinos und Hotelzimmern unterwegs, um die abgefahrensten Dinge zu erleben. Im Grunde genommen passiert den beiden eigentlich rein gar nichts Besonderes, doch durch ihre Sicht erzählt ergibt sich ein irrer, humorvoller Bildersturm, der nicht nur von Fantasievollen Visionen gespickt ist, sondern von allerlei Gaststars, die sich ebenfalls in ziemlich seltsame Rollen hineinbegeben. Da wären beispielsweise Tobey „Spiderman“ McGuire, der gleich zwei Auftritte als komischer Anhalter hat (es wird ihm mit den beiden Freaks allerdings schnell wieder zu bunt), oder Gary Busey als fetten Straßenpolizisten, der von Johnny Depp noch gerne einen Abschiedskuss hätte. Nicht zu vergessen Christina Ricci als durch die Gegend geschubste Pseudokünstlerin und Verehrerin von Barbara Streisand und nicht zuletzt Ellen Barkin als Thekendame mit einer Allergie gegen gezückte Messer sowie Cameron Diaz, die angeblich scharf auf Benicio Del Toro war... Hinzu kommt ein exzellent zusammengestellter Soundtrack, der seinen Beitrag zum Thema Zeitgeist leistet.

Hier sollte man sich auf alles gefasst machen, nur nicht auf einen normalen, gewöhnlichen Film der Marke Hollywood mit geradliniger Handlung und nachvollziehbarem Verlauf. Warum Dinge hier passieren ist fast egal und wird auch nur wenig erklärt – die Dinge passieren einfach. Dabei merkt man dem Film zudem eindeutig Gilliams Stil an und gewisse Dinge erinnern durchaus an seine utopische Vision „Brazil“: viele Trausequenzen, die sich mit der Realität vermischen, irre Kamerapositionen und eine fantastische Schnitttechnik. Gewisse Querschläger auf die damalige politische Situation bleiben ebenfalls nicht aus, auch wenn hier aberwitziger Humor und irre Charaktere definitiv im Vordergrund stehen. Dementsprechend erhebt der Film keineswegs irgendeinen moralischen Anspruch, er wirkt weder kritisierend noch verherrlichend, auch wenn Johnny Depps Off-Erzählstimme kontrastreich nüchtern daherkommt.

Auf jeden Fall ein Mustsee für alle Fans von schrillen Komödien, humorvollen Roadmovies und Terry Gilliam, aber mit Sicherheit nichts für Normalos und die Fangemeinde, die Johnny Depp am liebsten nur als Don Juan oder in Filmen wie „Chocolat“ sieht...!


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