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Fear and Loathing in Las Vegas (1998)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 22.02.2004, seitdem 1528 Mal gelesen


Es gibt so ziemlich nichts, was Journalist Raoul Duke und Anwalt Dr. Gonzo an Drogen auf ihrem Trip nach Las Vegas nicht dabei haben: Gras, Kokain, Meskalin, LSD und diverse Uppers und Downers; um nur einen winzigen Bruchteil der sich in ihrem Gepäck befindenden, bewusstseinserweiternden Substanzen aufzuzählen. Bereits bei ihrer Vorstellung sind sie beide rundum zugedröhnt und faseln wirres Zeug. Sich auf einem seltsamen Flash befindend fuchtelt Duke mit einer Fliegenklatsche in der Luft umher, um imaginäre Fledermäuse zu verscheuchen. An diesem Zustand, beide Protagonisten im Rausch anzutreffen, wird sich bis zum Schluss auch fast nichts ändern, denn "Fear and Loathing in Las Vegas" ist eine einzige Dokumentation der exzessiven Achterbahnfahrt von Duke und Dr. Gonzo.

Dementsprechend gibt es keine klare Linie, keine einem ersichtlichen Ziel folgende Handlung. Dies wird sich bis zum Ende nicht ändern, sodass der Sinn von Terry Gilliams Werk durchaus hinterfragt werden darf. Nach Kritik an dem Handeln der beiden Charaktere muss man schon sehr pingelig suchen, ja wenn man denn überhaupt fündig wird. Zumindest wird der beinahe komplette Realitätsverlust auf einem Drogentrip und das chaotische Hausen adäquat portraitiert. Es ist schon erstaunlich, wie Duke und Dr. Gonzo ein strahlend sauberes Hotelzimmer binnen weniger Tage in eine stinkende Müllhalde umfunktionieren. Die Exzesse selber werden überwiegend mit bunten Farben überfrachtet und durch Verzerrungen, Halluzinationen, sowie andersartige Tricks visualisiert.

Während man sich von Situation zu Situation hangelt, liefert Duke im Off narrative Monologe und Berichterstattung des Geschehens. Dabei ist er absolut nüchtern und tritt durchaus intelligent auf. Dieser Unterschied zwischen dem zu sehenden und dem zu hörenden Duke ist jedoch so gravierend, dass eine Identifizierung der beiden als ein und die selbe Person utopisch wirkt. Dass man trotz solch exorbitanten Drogenkonsums später noch so klar bei Verstand sein kann, wie der scheinbar älter und reifer gewordene, intellektuell im Off kommentierende Duke, also ohne eine beträchtliche Anzahl von Gehirnzellen eingebüßt zu haben, bleibt sicherlich fragwürdig und mehr eine Wunschvorstellung. Unglaubwürdig erscheint aber definitiv, dass Duke hier dem Beruf des Journalisten und Dr. Gonzo dem des Anwalts im richtigen Leben nachgehen sollen. Duke ist vielmehr ein Junkie auf einem Dauertrip, als ein nur bei Gelegenheiten Drogen konsumierender Journalist. Dazu reicht es bereits, Duke zu zitieren, wie er sich zur damaligen Zeit selber einschätzt.

"Ich war eindeutig ein Opfer der Drogenexplosion, ein geborener Straßenfreak, der sich einpfiff, was immer er kriegen konnte."

Trotzdem, der auf einer Buchvorlage basierende "Fear and Loathing in Las Vegas" ist mit seinen beiden ausgezeichnet dionysisch spielenden Hauptakteuren Johnny Depp und Benicio Del Toro, sowie seinem allgemein unkonventionellen Stil, irgendwo zwischen Drogenfilm, Komödie, Roadmovie und Dramatik liegend, eine in jedem Fall interessante Filmerfahrung. Inhaltlich wenig nahrhaft bleibt er insgesamt aber dennoch.


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