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Ansicht eines Reviews
Lost Highway (1997)
Eine Kritik von bigtrouble (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 24.11.2007, seitdem 625 Mal gelesen
Wieso für einen Film wie Lost Highway überhaupt ein Review schreiben? Versucht man hier eine Interpretation von Geschichte und Figuren kann man nur scheitern. Man muss den Film als ein ganzes wirken lassen. Kombination von Bilder, Musik, Schauspielleistung und eine absolut verwirrende Story die doch glasklar erzählt wird. Lynch wird nun mal vor allem von der Kritik hochgelobt und jeder seiner Ergüsse vehement gefeiert. Der Film beginnt so unheimlich wie er nur sein kann. Ein einsames Haus, jemand klingelt an der Haustür von Fred Madison und eine Stimme sagt zu ihm „Dick Laurent ist tot“. Vor der Tür ist aber niemand und es auch keine Person weit und breit zu sehen. Wer Dick Laurent ist und was das alles soll wird erst in Laufe des Filmes klar (oder unklar).
Jedoch der Film beginnt schon einige Minuten vorher, beim Vorspann. Man sieht eine Straße, einen Highway, in der Nacht, gelbe Mittelspurstreifen dazu der Titelsong I’m deranged. Neben der Musik sind auch wiedermal die Schauspieler großartig. Allen voran Patricia Arquette . Die spielt ausgezeichnet eine (oder zwei Rollen), die aus einem Film Noir der 40er Jahre entsprungen sein könnte. Auf die Akteure kann sich der Kinogänger nicht allzu sehr konzentrieren, denn David Lynch lässt eine wahre Bilderflut über den Zuseher herein. Düster, dunkel aber auch hell erleichtet. Gewalt wird schockierend eingesetzt und beim erstmaligen (oder x-maligen) Zuschauen wird man laufend überrascht und gekonnt verwirrt. Lynch schafft es ohne dass man ihm böse ist dafür. Zu fantastisch war das gesamte Sammelsurium und viel zu gefangen war man in dieser seltsamen Welt, diesem Labyrinth. Beim ersten Mal ist man gebannt wie alles über einen hereinbricht und hofft doch noch auf eine etwas logische Auflösung der Ereignisse. Eine perfekte Mischung aus Film Noir, Krimi, Psycho Drama, Horror, Mysterie und einfach David Lynch.
Wem dieser Film unklar ist hat vermutlich die Quintessenz richtig verstanden. Natürlich kann man sich das Leben schwer machen und realen Handlungsstränge, Mephisto, Hölle u.ä. hinein interpretieren. Doch jedesmal wird man auf ein Aber stoßen. Ja der Mystery Man wirkt in unserem Kulturkreis wie Mephisto, doch muss das auch für andere Kulturkreise gelten. Vielleicht ist es nicht Mephisto, sondern nur das böse Ich von Fred Madison (Bill Pullmann). Fred Madison ist übrigens die Person um die es hier zu drehen scheint oder nicht. Vielleicht befindet sich auch Renee in der Gedankenwelt von Fred und sieht alles aus seiner Perspektive. Vielleicht ist auch nur Fred nicht real. Man sieht eine Interpretation ist schwer möglich. Ein Mensch mit etwas Phantasie wird sowieso beim nächsten Mal eine ganz andere Vorstellung von den Geschehen haben, wie beim ersten Mal. Und genau darin liegt das Geniale an David Lynch Meisterwerk. Auch dieser Film von Lynch hätte das Zeug zum Flop gehabt, fast ein Wunder aber er wurde wiedermal keines. In zig anderen folgenden Produktionen weltweit wurden Stimmungen, Atmosphäre und Bilder übernommen. Wobei sich natürlich auch Lynch kräftig an diversen Vorgängern bediente. Die Videosequenz erinnert auch ein wenig an John Carpenters „The Prince of Darkness“.
Lost Highway ist nicht für Leute mit begrenzten Vorstellungsvermögen gedacht. Man muss nicht jedes Detail bis ins Kleinste analysieren um diesen Film zu mögen. Es geht um die eigene Phantasie und was der Film in einem bewirkt. Prinzipiell wird mal Unruhe im Inneren herrschen. Wer trotzdem eine Interpretation des Gesehenen versucht und dabei stur festhält, dem kann man nur viel Glück zurufen! Wer auf ein faszinierendes Filmvergnügen der eher unbehaglichen Art Wert legt, dem ist gute verwirrende Unterhaltung garantiert.
„ As a matter of fact, I’m there right now“
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