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Lost Highway (1997)

Eine Kritik von SquallX (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 24.10.2011, seitdem 266 Mal gelesen


"Bist du das? Bist du alle beide?"

Die Ehe zwischen Fred Madison (Bill Pullman) und seiner Frau Renée (Patricia Arquette) steht nicht zum Besten. Während sie ihn belügt, hält er eine misstrauische Haltung ihr gegenüber. Als sie an den folgenden Tagen anonyme Videobänder von ihrem Haus und auch von innerhalb ihrer Wohnung erhalten, schaltet Fred die Polizei ein. Die Ermittlungen ergeben allerdings kein Ergebnis.
Auf einer Party trifft Fred auf einen mysteriösen Mann (Robert Blake) der ihm sagt, er sei gerade in seinem Haus. Auf einen Anruf hin antwortet er tatsächlich von seinem Telefonanschluss aus, obwohl er gerade vor Fred steht. Kurz darauf zurück in seiner Wohnung entdeckt Fred allerdings keine Spuren zu einem Einbruch.
Plötzlich verschwindet Renée und ein weiteres Videoband zeigt, wie sie von Fred ermordet wird. Die Polizei nimmt ihn fest und steckt ihn in eine Zelle. Dort leidet er unter schweren Kopfschmerzen und quälenden Träumen. Am nächsten Morgen finden die Wärter Fred nicht mehr an, sondern den nicht vorbestraften, jungen Pete Raymond Dayton (Balthazar Getty).

Regisseur David Lynch ("Dune - Der Wüstenplanet", "Twin Peaks") ist bekannt für seine surrealen Filme, die sich häufig mit den Abgründen der menschlichen Psyche beschäftigen. "Lost Highway" bildet da keine Ausnahme und bietet einen Psychothriller mit Elementen aus Mystery, Film Noir, Horror und Erotik, sowie gleichzeitig eine Grenzerfahrung, die beliebig viele Interpretationen zulässt.

Zwei aufeinanderfolgende narrative Ebenen ergeben die Handlungsstruktur. Zunächst die scheinbar als real wahrgenommene Ebene um das Zusammenleben von Fred und Renée, sowie deren brüchige Ehe. Ab der Hälfte beginnt der Psychothriller ein Verwirrspiel, dass sich bis zum Ende hin zieht und von dem nur einzelne Teile aufgelöst werden.
"Lost Highway" verschachtelt beide Hälften ineinander. Immer wieder finden sich bereits gehörte Dialoge, verschiedene Charaktere, die durch gleiche Darsteller ähnlich aussehen und eine ähnliche Rolle spielen, sowie kleine Details, die auf einen bereits betrachteten Handlungsblock verweisen. Der große Reiz des Films liegt in diesen ständigen Hinweisen, die zusammengesetzt eine sinnvolle Lösung für die extremst mysteriöse Handlung geben müssen. Am Ende wird der Zuschauer aber enttäuscht, denn "Lost Highway" bietet selbst am Ende nur weitere Fragmente, die bestenfalls in eigener Interpretation einen sinnvollen Rahmen bilden.

Durch die gewaltige audiovisuelle Sprache wirkt "Lost Highway" schon beinahe überladen. Die daraus zusätzlich entstehenden Symboliken und Assoziationsmöglichkeiten wiedersprechen konventionellen Sehgewohnheiten und erfordern zusätzliche Aufmerksamkeit. Der Psychothriller ist dadurch nicht nur anstrengend, sondern auch sperrig anzusehen und schließt ein konventionelles Publikum aus.
Trotz der Faszination die der Film enthält, ist die Erkenntnis am Ende, mangels einer treffenden Aussage und sich offenbarender Logik, zu keinem sinnvollen Ergebnis zu kommen, ernüchternd.

Die Besetzung präsentiert sich ansprechend und vielschichtig in ihren facettenreichen Rollen. Besonders heraus stechen Bill Pullman ("Spaceballs", "Independence Day") und Patricia Arquette ("Freeze - Alptraum Nachtwache"), die ihre Figuren stets glaubwürdig vertreten. Unaufdringlich präsentiert sich der restliche Cast als ähnlich souverän. Neben visuell sichtbareren Darstellern, wie Robert Loggia ("Scarface"), gibt es sogar bekannte Gastauftritte. Beispielsweise von Schockrocker Brian Warner von der Gruppe Marilyn Manson.

"Lost Highway" ist bemerkenswert wie gleichzeitig auch sperrig. Der Psychothriller beeindruckt mit virtuos gestalteten Bildern, die in eine dunkle Atmosphäre getaucht und mit enervierenden Klangelementen oder unterschwelligen, dumpfen Tönen unterlegt sind. Die enorme Interpretationsvielfalt ist Segen und Fluch zugleich. Zu lange dauert es bis sich zu mysteriösen Ereignissen Hinweise zu dessen Aufklärung ergeben, falls dies denn überhaupt geschieht. Denn am Ende bleibt der Film weitgehendst offen, völligst ohne eine Aussage getroffen zu haben.

6 / 10


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