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Lost Highway (1997)
Eine Kritik von Red Shadow ® (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 07.10.2004, seitdem 1106 Mal gelesen
Ist es eine Grundvoraussetzung einen Film zu verstehen?
Das ist eine wesentliche Frage, mit der jeder Betrachter bei einer Vielzahl von David Lynch Werken, wie beispielsweise „Mulholland Drive“ oder eben „Lost Highway“ konfrontiert wird. Den Inhalt dieser Filme wiederzugeben hat wenig Sinn, Lynch visualisiert kryptisch, in Form von Bildern, die im Gesamten keine Logik im klassischen Sinn ergeben. Genau genommen liefert der Regisseur selbst keine Interpretation. Insofern ist es merkwürdig, wenn große Entwirrungen und finale Antworten geschrieben werden, obwohl der kreative Schöpfer selbst keine konkreten Lösungen hinter seinen Visualisierungen sieht.
Das Verstehen steht aber eigentlich nicht im Vordergrund. Es läuft vielmehr darauf hinaus, dass man sich auf die Filme emotional einlassen muss und seine Empfindungen bei der Betrachtung wiedergibt - ich spüre bei „Lost Highway“, mit Ausnahme der oberflächlich atmosphärischen Finessen, meistens nichts. Es fehlt der Zugang, sich in positiver und negativer Weise wohl zu fühlen. Die emotionale Bindung ist die Vorraussetzung, um den Bilderrausch als Kunst wahrzunehmen. Logische Zusammenhänge sind Nebensache, vordergründig ist es wichtig, einen Film innerhalb der eigenen Gedankenwelt verstehen und ergründen zu können.
Es sind oftmals abstruse Konstrukte, die Lynch kreiert, so auch in „Lost Highway“. Einige finden daran Gefallen und deshalb hat sich über Jahre hinweg eine große Fangemeinde gebildet, die förmlich besessen von dieser bildgewaltig, surrealistischen „Genialität“ ist. Doch was nun letztendlich Kunst ist entscheidet jeder für sich selbst. Darüber kann man ewig sinnieren, jeder hat zu Recht seine eigene Antwort parat und niemand kann in eine Perspektive, wie er sich dem Film nähern muss, reingepresst werden.
Für meinen Geschmack ist „Lost Highway“ jedenfalls keine Kunst. Zweifelsohne kann man gewisse Qualitäten nicht negieren. Lynch versteht es beispielsweise sehr gut Spannung aufzubauen, die wirklich fesselnd ist und sogar einen dramatischen Touch hat. Das gelingt vor allem durch skurrile, beängstigende Charaktere, wie den so genannten „Mystery Man“ (Robert Blake). Bei dessen Auftritte manifestiert sich ein Gefühl von Unbehagen. Verstärkt wird diese mysteriöse Atmosphäre durch unkonventionelle Bilder und Situationen, die ihre Wirkung durch die Harmonie zwischen Kameraführung, Schnitt, Ton und Optik entfalten. Es liegt sicherlich nicht am handwerklichen Können.
Das Problem bei Lynch ist allerdings die Tatsache, dass man ihn nicht verstehen darf bzw. auch nicht kann. Jeder Denkansatz zerplatzt wie eine Luftblase und dadurch fällt es schwer das Gesehene zu greifen.Dabei ist es keinesfalls so, dass eine ausgeprägte Antipathie gegenüber abstrakte, expressionistische Filme Auslöser für die ablehnende Haltung sein muss, aber in diesem Fall sind die Gebilde zu kryptisch, um Emotionen, die als Verbindung zum Film dienen, hervorzurufen. Wer sich nicht an den Bildern ergötzt, hat auch keinen weiteren Grund, „Lost Highway“ als Meisterwerk des Independent-Kinos zu verehren.
Das Ergebnis ist für alle, denen aufgrund eines fehlenden Zugangs nur eine oberflächliche Betrachtung bleibt. schlichtweg ernüchternd – man dringt zu keiner Zeit an den Kern vor. Ob Magie oder Schwindel – unter diesen Umständen kann man Lynch weder vergöttern noch verteufeln, es bleibt eine neutrale Beobachtung, weil man nur die Oberfläche wahrnimmt und lediglich feststellen kann, dass „Lost Highway“ kalt lässt. Langeweile ist die logische Konsequenz, wenn man nicht dem Bilderrausch verfällt.
„Lost Highway“ ist Geschmackssache, die „Lynsche“ Handschrift ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Die Allmacht der Träume ist ein schönes Motto, solange nicht alles im inszenatorischen Rausch verloren geht. (5/10)
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