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Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch (1977)

Eine Kritik von D-EVIL (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 23.04.2002, seitdem 1009 Mal gelesen


Nach Umberto Lenzis IL PAESE DEL SESSO SELVAGGIO war es erstmal ein Weilchen ruhig um menschenfressende Kannibalen, doch 1978 nahm sich Ruggero Deodato dieses umstrittenen Themas an.
Das Ergebnis läßt dann auch so manchen Filmfreund beherzt zur Kotztüte greifen, denn ULTIMO MONDO CANNIBALE (den man in Deutschland frech als Fortsetzung zu Lenzis grenzwertigem Abenteuerfilmchen vermarktete) ist stellenweise wirklich widerwärtig. Neben den obligatorischen Tierquälereien werden nämlich auch etliche Menschen grausam verstümmelt und/oder ausgeweidet. Trotz der besagten Ekeleien ist ULTIMO MONDO CANNIBALE aber bei weitem kein schlechter Film.

Erzählt wird die (erfundene) wahre Geschichte eines Mannes, dessen Flugzeug im Urwald abstürzt und der daraufhin von den Kannibalen als "Vogelmensch" gefangen gehalten wird. Natürlich flüchtet der Gute bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder und nimmt die meist nackte Me Me Lai als Geisel mit...

Diese ebenfalls eher durchschnittliche Story präsentiert Deodato mit erheblichem formalen Geschick. Der Film ist nahezu von Anfang an recht spannend und wird in regelrecht antiästhetischen, rauhen und brutalen Bildern präsentiert. Die Widerwärtigkeit des Fressens und der Tötungsrituale, die dazugehören, die der zivilisierte McDonalds-Kunde so gut verdrängt hat, werden schonungslos ausgebreitet. Der aus dem Flugzeug so verlockend und anmutig scheinende Dschungel ist eine grüne Hölle, in der nur das Gesetz des Stärkeren zählt, und in dem auch für emanzipierte Frauen kein Platz ist: die hübsche Eingeborene wird erst nach ihrer Vergewaltigung, also ihrer "Zähmung" zur fürsorglichen Hausfrau. Die Welt ist schmutzig und gemein, und sie war es auch schon in der Steinzeit, mit der der westlich-zivilisierte Protagonist ruppig konfrontiert wird.

Kannibalenfilm-mäßig, ist ULTIMO MONDO CANNIBALE also ein roher, gewalttätiger Höhepunkt des Genres, den nur noch Deodatos CANNIBAL HOLOCAUST an Härte und auch formaler Brillanz übertrifft. Seltsamerweise ist der Film in Deutschland nicht beschlagnahmt, sehen die beiden Lenzis MANGIATI VIVI und CANNIBAL FEROX daneben doch ziemlich ärmlich aus...

Wie bei allen Kannibalenfilmen kann man abschließend sagen, daß konservative Bildungsbürger entsetzt die Hände vor den Kopf schlagen werden über so viel niederträchtige und menschenverachtende Grausamkeit. Man kann sich ärgern über soviel Rassismus und Frauenfeindlichkeit und auch die große Anzahl getöteter Tiere. Wer jedoch vor "politisch unkorrekten" Tendenzen nicht zurückschreckt, seine anerzogenen ethisch-moralischen Grundsätze ab und zu einmal kritisch reflektiert, kann wie Harper eine provokative Reise zu unseren Wurzeln erleben.

Guten Appetit!


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