Review

„Lasst Vegas!"

Vor 20 Jahren wäre das eine Besetzung zum Zunge schnalzen gewesen. Das Oscarpreisträger-Quartett Robert De Niro, Michael Douglas, Morgan Freeman und Kevin Kline hat anno 2014 allerdings gehörig an Glanz und Gloria eingebüßt. Während De Niro seit Jahren seinen Ruf durch Dutzendware-Auftritte und v.a. -Leistungen konsequent Stück für Stück demontiert, Freeman lediglich noch als kaum auffallender Edelsupport durch allerlei Blockbuster turnt und Kline uninspiriert zwischen Arthouse-Engagements und Mainstream-Cameos hin und her hüpft, liefert lediglich Douglas wenigstens noch hin und wieder erinnerungs- bzw. erwähnenswerte Auftritte ab.

Zu spät kommt aber nicht nur der erste gemeinsame Leinwandauftritt der vier (ehemaligen) Stars, zu spät kommt auch die Idee einer Senioren-Variante erfolgreicher Genre-Strickmuster. So hatten wir in der letzten Dekade nicht nur zahllose betagte RomCom-Paare (u.a. „Was das Herz begehrt", „Wenn Liebe so einfach wäre"), sondern auch im jung-dynamischen Action-Fach durften rüstige Jungs um die sechzig - mal eher humorig („RED" 1 und 2), mal eher krachig („The Expendables" 1 und 2) - die sprichwörtliche Mär vom alten Eisen ins Reich der Legenden ballern.
Fehlt also nur noch die Paradedisziplin der Jugend, mal so richtig einen drauf machen. In fast schon sympathisch unverblümter Anlehnung an den Kater-Hit „Hangover" macht daher nun unsere oben vorgestellte Rentner-Combo das Feier-Mekka Las Vegas unsicher.

Der Titel „Last Vegas" ist dann leider auch schon der originellste Einfall einer völlig belanglosen Komödie, deren Altherren-Witze, gemächliches Tempo und holpriges Timing (un-)sinnigerweise sämtlichen Klischees die man mit älteren Semestern verbindet vehement bestätigt.
Am lustigsten ist noch die Exposition, denn da werden die vier Herren von Kindern verkörpert, die Manierismen und Körpersprache ihrer Alter Egos gekonnt auf den Punkt bringen. Mit der bräsigen Vorstellung der sich inzwischen  im sechsten Lebensjahrzehnt befindenden Clique ist der Spaß dann aber auch schnell wieder vorbei.

Sinnigerweise gibt Douglas den einzig noch ernst zu nehmend vitalen Part (Billy) und lädt die drei alten Kumpels ins Sünden-Babel Nevadas ein, um stilgerecht seinen Junggesellenabschied zu begehen. Das ist gar nicht so einfach, da Archie (Morgan Freeman) von seinem militant-bemutternden Sohn als Rentner-Haustier gehalten wird, Paddy (Robert De Niro) nach dem Tod seiner Frau zum mürrischen Einsiedler mutiert ist und Sams (Kevin Kline) Alltag von der Ödnis seines Ehelebens und Greisenkursen im Aqua-Jogging geprägt ist.
Angekommen in Vegas dauert es auch eine Weile bis die Patina bröckelt, zumal die hoffnungslos zerstrittenen Billy und Paddy zunächst kein Wort wechseln. Schließlich hat Paddy die gemeinsame Jugendliebe geheiratet und Billy war nicht zu deren Beerdigung erschienen. Dass beide sich gleich am ersten Tag auch noch in die Barsängerin Diana (Mary Steenburgen) verlieben, gibt dem Zwist noch zusätzlich Feuer ...

„Last Vegas" ist - anders als der irreführende Trailer suggerierte - somit weniger ein auf derben Humor, irrwitzige Einfälle und absurde Situationen setzender „Hangover"-Epigone, sondern eine zwischen heiter und besinnlich dahinplätschernde Konfektions-Komödie. Der auf diesem Gebiet erfahrene Jon Turteltaub („Während du schliefst ...", „Kid - Image ist alles") spielt brav und bieder auf der bewährten Mainstream-Klaviatur. Leider sieht das unrunde Skript auch den ein oder anderen Humor-Tiefschlag vor, was entweder nicht zündet, oder in Fremdschäm-Regionen abdriftet. Mit dem rührseligen Grundton des Films will das so gar nicht harmonieren, zumal hier auch keine Entwicklung stattfindet, sondern ein permanentes narratives Pingpong herrscht.  

Selbstredend lösen sich am Ende sämtliche Konflikte in Wohlgefallen auf, was insbesondere beim Billy-Paddy-Plot arg konstruiert und vorhersehbar wirkt. In seinen besten Momenten lebt der Film vom charmanten Miteinander der vier namhaften Mimen und lässt zumindest erahnen, was mit einem halbwegs einfallsreichen und vor allem etwas mutigerem Drehbuch möglich gewesen wäre. So bleibt nur ein über weite Strecken laues Lustspiel, das ob der ungleich ruhmreicheren Vergangenheit der vier Ausnahmedarsteller in erster Linie Wehmut verströmt.

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