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Citizen Kane (1941)

Eine Kritik von Philipp_Marlowe (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 22.01.2006, seitdem 542 Mal gelesen


Der am meisten diskutierte und am höchsten gelobte Film der Filmgeschichte: Wurde 1998 zur #1 der AFI (American Film Institute) TOP 100 gewählt; hat einen Platz in den ersten 10 der Rangliste jedes namhaften Kritikers; Orson Welles war - 24jährig - der bisher einzige mit vier OSCAR-Nominierungen für einen Film (Award für Bestes Drehbuch, Nominees für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller). Ein Film, der auch häufig Pate für Parodien stand (z.B. in THE SIMPSONS). Schon vor seiner Premiere löste der CITIZEN KANE viel Wirbel aus. Der Medienmogul William Randolph Hearst, dem der titelgebende Charakter Charles Foster Kane nachempfunden war, setzte die Kinos unter Druck, den Film zu boykottieren und wies seine Zeitungen an, CITIZEN KANE sowie alle weiteren RKO-Produktionen zu ignorieren.

Der Film beginnt - untermalt von der sehr atmösphärischen Musik Bernard Herrmans - mit einer düsteren Aufnahme von Kanes Anwesen Xanadu. Im Anschluss sehen wir den Protagonisten Charles Foster Kane auf seinem Sterbebett, eine Glaskugel, die ein Haus in einer Winterlandschaft abbildet, fällt aus seiner Hand und zerbricht. Seine Lippen bewegen sich und er haucht sein letztes Wort: ROSEBUD. Ein Mysterium ist geschaffen.

Der Journalist Jerry Thompson wird mit dem Nachruf Kanes beauftragt. Kein konventioneller Nachruf. Er soll das Rätsel um Kanes letztes Wort lösen.

Ein Aspekt, der die herausragende Stellung des Films begründet, ist seine Erzählstruktur. Kanes Leben wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und setzt sich wie ein Puzzle zusammen (metaphorisch unterstützt durch das Puzzle, mit welchem Susan Alexander, Kanes 2. Frau, spielt). Bei seiner Recherche begibt sich Thompson zunächst auf die Spuren des bereits verstobenen Walter Parks Thatcher, Kanes ehemaligem Vormund. Dieser wurde von Kanes Mutter, die in einem abgelegenen Grenzhaus lebend, unerwartet zu Reichtum gekommen ist, beauftragt, die Erziehung ihres 10-jährigen Sohnes zu übernehmen (Unterschied zu Hearst, der im Wohlstand aufwuchs). Kane hatte zeitlebens ein - euphemistisch formuliert - angespanntes Verhältnis zu Thatcher (Thatcher: "Was wärst du denn gerne geworden?" - Kane: "Alles, was Sie hassen!") und machte diesen auch für seinen menschlichen Untergang verantwortlich.

Einen Namen macht sich der junge Kane, als er zusammen mit seinem Weggefährten Jedediah Leland die strauchelnde Zeitung NEW YORK INQUIRER übernimmt, und hier die Möglichkeit sieht, motiviert von sozialistischen Idealen etwas zu bewegen. Daher auch der Titel: Kane wollte ein Bürger (Citizen) sein wie jeder andere. Schon hier entsteht ein Zwiespalt zwischen dem Kapitalisten und dem Moralisten, den Erstgenannter im Laufe der Zeit gewinnt. So kommt es auch, dass sich Kane getrieben von Geltungssucht, so strebte er unter anderem eine politische Karriere als Gouverneur an und baute sein Imperium skrupellos aus, seine Ideale verrät und sich von seinen Freunden entfremdet. Kane war jemand, der Liebe brauchte, aber seinerseits keine Liebe geben konnte und meinte diesen "Mangel" durch finanzielle Zuwendungen kompensieren zu können, so ließ er seiner 2. Frau Susan Alexander, einer leidlich begabten Sängerin, eine Oper bauen.

Die Bedeutung von Kanes letzem Wort wird am Ende nur für den Zuschauer offenbar, nur soviel: es ist eine Reminiszenz an seine verlorene Kindheit, an Unschuld und Freiheit. Der Journalist Thompson charakterisiert ROSEBUD als etwas, das Kane entweder "nie besessen oder verloren hat" und er relativiert die Bedeutung des Wortes, zum Einen um seine persönliche Niederlage zu schmälern und zum Anderen, weil [ich nicht glaube] "dass ein Wort ein ganzes Leben erklären kann".

Der Film weist Parallen zu Hitchcocks REBECCA (1940) auf, nicht nur, was die mystische Handlung angeht, sondern auch in Bezug darauf, wie beide Filme beginnen und enden, jeweils mit einer Aufnahme von Manderley bzw. Xanadu.

Eine revolutionäre Kameraarbeit (die berühmte Kranfahrt am Ende, das Gruppenfoto der Journalisten, das sich in bewegte Bilder auflöst, lange ununterbrochene Szenen, Überblendungen usw.), Charaktere, die im Verlauf der erzählten Handlung sichtbar altern und eine innovativ erzählte und tadellos gespielte Geschichte um die subversive Wirkung von Geltungssucht und Machtgier auf Freundschaft und romantische Vorstellungen.


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