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Citizen Kane (1941)

Eine Kritik von manhunter (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 17.05.2006, seitdem 565 Mal gelesen


Der Medientycoon Charles Foster Kane stirbt, sein letztes Wort „Rosebud“ auf den Lippen. Ein Reporter wird losgeschickt herauszufinden, was sich dahinter verbirgt, und spricht mit all den Menschen, die lange Jahre an der Seite des mächtigen Mannes verbracht haben. So findet er nach und nach immer mehr über dessen ereignisreiches und auch tragisches Leben heraus, aber wird es ihm gelingen, auch das letzte Puzzleteilchen einzufügen?
CITIZEN KANE legt über weite Strecken ein Tempo zu Tage, das man einem Film dieses Alters kaum zutrauen würde, da werden beispielsweise Kanes erste Ehe oder der Werdegang seiner Zeitung, die sich jeweils über Monate oder Jahre hinziehen, in kurzen Montagesequenzen auf prägnante Art und Weise zusammengefasst, ausserdem bringt es die verschachtelte Erzählweise mit sich, dass wir immer wieder von einer Erzählung eines Weggefährten zur nächsten wechseln. Überhaupt wirkt diese Art des Erzählens sehr lebendig, wird doch der Zuschauer dazu veranlasst, bekannte Infos immer wieder mit neu hinzukommenden zu ergänzen, wobei sich erst allmählich, wie bei einem Puzzle (ein sehr treffender Vergleich, den auch der Film selbst macht), das Gesamtbild herausarbeitet. Und immer wieder mal kippt der Film ins Überdrehte, zum Beispiel bei der Pseudo-Wochenschau oder bei einer ausschweifenden Geburtstagsfeier mit Gesangs- und Tanzeinlage. Ein grosser Spass!
Mit zunehmender Laufzeit verlagert sich der Ton des Filmes aber ins Ernste, gar ins Tragische, denn Kane, zu Anfang noch ein frecher und vor Kraft strotzender Unternehmer, verliert nach und nach das Wirtschaftsimperium, das er aufgebaut hat, setzt mit einer platonischen „Affäre“ seine viel versprechende politische Karriere in den Sand und schafft es auch nicht, in der Liebe sein Glück zu finden. Mithilfe seiner Reichtümer versucht er, sich eben diese zu kaufen, vertreibt aber durch seine emotionale Verschlossenheit und Egomanie alle um ihn herum, zieht sich von den Menschen zurück in sein Schloss Xanadu und stirbt einsam und alleine. „Rosebud“ steht für eine vermeintlich glückliche Zeit, die Kane wohl eher in seinen Erinnerungen herbeiidealisiert, als dass er sie je erlebt hat. Ich musste durchaus ein paar Tränen verdrücken, was nicht zuletzt Orson Welles überragender Darstellung zu verdanken ist. Erwähnt sei an der Stelle auch das sehr gut gelungene Make Up, das aus dem Mittzwanziger überzeugend einen alten Mann macht. Natürlich sind auch die Leistungen der anderen Schauspieler über alle Zweifel erhaben.
Als Regisseur ist Welles mindestens so genial wie als Schauspieler: Abgesehen von den oben erwähnten Aspekten der Erzählweise, schafft er zutiefst beeindruckende Bilder durch die imposante Architektur (die zum grössten Teil im Studio entstanden ist) und die überragende Lichtführung. Ansonsten sitzt jedes Detail perfekt, die Bildkompositionen sind bis ins Letzte sorgfältig überlegt (man denke nur an die Grossaufnahme des Splitters der Schneekugel am Anfang), ebenso Kamerafahrten und gar Bildübergänge. Eine Frage stellt sich der aufmerksame Zuschauer jedoch: Wer hat Kanes letztes Wort überliefert, wenn doch niemand im Raum war, als er entschlief?
Alles in allem gilt CITIZEN KANE zu Recht als eines der ganz grossen Werke der Filmgeschichte, sei es bezüglich der tragischen, fast epischen Geschichte, der tollen Schauspieler oder Welles enormer Regieleistung. Ein Film, den man gesehen haben muss.


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