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Salamis 480 v.Chr. Den etwa 300 Trieren der von Athen angeführten griechischen Flotte steht eine Übermacht von 1500 persischen Schiffen gegenüber. Nichts weniger als die Freiheit Griechenlands steht auf dem Spiel. Sieg, oder totale Unterwerfung. Dazwischen gibt es nichts.

Trotz der vom Historiker Herodot maßlos übertrieben dargestellten Zahlenverhältnisse handelt es sich dabei anerkanntermaßen um die bis dato größte Seeschlacht der Antike. Ein Szenario wie gemalt für die Fortsetzung der stilisierten Heldenschlachtplatte „300".
Und so gibt es wieder muskelbepackte Männeroberkörper zu bestaunen, die sich auf äußerst ästhetische Art und Weise in Stücke hacken. Erneut liefert Zack Snyder - der diesmal nur als Produzent und Coautor fungiert - eine optisch berauschende Style-over-substance-Schlachtplatte, die kaum etwas Relevantes zu erzählen hat und dennoch meisterlich unterhält. Allzu zart besaitet sollte man allerdings nicht sein, denn Regisseur Noam Murro zieht die Gewaltschraube nochmals ordentlich an und toppt zumindest in dieser Hinsicht das auch nicht gerade zimperliche Original. Durch die zur Abwechslung einmal gelungenen 3D-Effekte wirkt die Brutalität noch plastischer und unmittelbarer. Da wird der Zuschauer beinahe pausenlos mit Pfeilen, Schwertern, Speeren und Blutfontänen eingedeckt, so dass er sich bald selbst als Teil der brachialen Metzeleien wähnt.

Die im Vorgänger thematisierte Thermopylenschlacht dient aber nicht nur als Blaupause für das Sequel, sondern ist auch filmimmanent ein zentrales Motiv. So liefert erst das Opfer der 300 Spartaner unter König Leonidas den entscheidenden Motivationsschub zum Zusammenschluss aller Griechen gegen den persischen Aggressor. Der athenische Stratege Themistoklas (Sullivan Stapleton) hatte zeitgleich bei der Seeschlacht von Artemision dank seiner taktischen Raffinesse immerhin ein Unentschieden gegen die übermächtigen Perser erkämpft, aber für die Entscheidungsschlacht bei Salamis braucht er dringend frisches Blut und neue Schiffe ...

Wie schon in „300" dienen die historischen Hintergründe lediglich als Kulisse für die martialischen Kämpfe und haben nur wenig mit den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft gemein. So wird die Rolle Leonidas für den Zusammenhalt maßlos übertrieben und auch die entscheidende Wende bei Salamis durch die doch noch entsandte spartanische Flotte ist pure Fantasie. So bestand die Flotte der Eidgenossen zu zwei Dritteln aus athenischen Schiffen und der letztendliche Sieg war zuvorderst Themistokles geschickter Taktik geschuldet.

Frei noch Motiven der griechischen Geschichte könnte man also sagen. Das gilt auch für den Widersacher der griechischen Heroen, die persische Flottenkommandantin Artemisia (Eva Green). So war die gebürtige Griechin tatsächlich die einzig weibliche Befehlshaberin  in den Reihen der Perser und kämpfte durchaus geschickt in den Schlachten von Artemison und Salamis. Allerdings war sie zu keinem Zeitpunkt die Oberkommandierende, geschweige denn eine politische Strippenzieherin im Perserreich, die den Großkönig Xerxes quasi als Marionette dirigierte.

Diese - historisch falsche - Überhöhung funktioniert im FIlm allerdings prächtig. Während Xerxes als gottgleicher Riese wie aus einem Fantasyfilm entsprungen scheint und dementsprechend surreal durch die Gegend stapft, ist die von Hass auf Griechenland zerfressene Artemisia ein ganz anderes Bedrohlichkeitskaliber. Cool wie ein Gefrierschrank, brutal wie ein Profikiller und dominant wie ein Alleinherrscher führt sie ein eisernes Schreckensregiment. Versager versenkt sie kurzerhand im Meer, oder schneidet ihnen gleich vor versammelter Mannschaft den Kopf ab.
Die Französin Eva Green hatte offenbar mächtig Spaß an der gleichermaßen knallharten wie manipulativen Intrigantin und reisst jede ihrer Szenen mühelos an sich. Höhepunkt ist dabei zweifellos ihre erste direkte Begegnung mit Themistokles, gewissermaßen die deutlich derbere Variante ihrer ähnlich denkwürdigen Einführung im Bond-Film "Casino Royale": In einer der wenigen Kampfpausen verhandelt sie mit Themistokles unter vollem Körpereinsatz, was den kampferprobten Recken in arge Bedrängnis bringt.
Der arme Sullivan Stappleton wirkt nicht nur aufgrund dieser Szene dagegen geradezu brav und bieder, obwohl er im Verlauf der Kämpfe gefühlt 100 Gegner recht unsanft ins Jenseits befördert. Trotzdem ist auch er absolut überzeugend als athenischer Held Themistokles, der ja ganz nebenbei auch noch als umsichtiger Staatsmann fungierte. Zwar fehlt ihm die Virilität und Testosteron-triefende Männlichkeit Gerard Butlers, aber in diese Lücke stößt ja auf gewisse Art die fulminante Eva Green. Ihr weiblicher Gegenpart Lena Headey (als Spartanerkönigin Gorgo) bleibt dagegen im direkten Vergleich vollkommen blass, erhält aber aufgrund ihrer spärlichen Auftritte auch kaum Raum zur Entfaltung.

Den bekommen dafür die zahlreichen Kampfszenen. Noch mehr als das Original zündet "300 - Rise of an Empire" ein Dauerfeuerwerk an bildgewaltigen Actionsequenzen. Erneut trifft man dabei exakt den Nerv von Frank Millers Comic-Vorlage und bringt dessen düster-stilisierte Gewaltoptik kongenial auf die Leinwand. Vor allem die Slow-Motion Aufnahmen der Nahkämpfe, die unvermittelt in Normalgeschwindigkeit wechseln, sind von ungeheurer Wucht und trotz ihrer Brutalität ungemein ästhetisch. Natürlich wird dabei wieder der Vorwurf der Gewaltverherrlichung durch die Feuilletons dröhnen, aber gerade durch den stilisierten Comic-Look kommt auch das letztlich entschärfende Element der Entfremdung mit ins Spiel.
Neben den ebenso gekonnt photographierten wie choreographierten Schwertkämpfen bietet Murro eine Reihe beeindruckender Massenszenen, die den Film epischer aussehen lassen als den Erstling. Vor allem die Verlagerung des Geschehens auf das Meer sowie in die persischen Kernlande bietet dazu zahlreiche Gelegenheiten. Wenn die beiden ungleichen Flotten in sturmgepeitscher See aufeinanderprallen, oder Xerxes in Babylon vor seine Untertanen tritt, dann befeuert das nicht zuletzt auch die Erinnerung an die Monumentalepen der 50er und 60er Jahre.

„300 - Rise of an Empire" ist somit eine mehr als würdige Fortsetzung der Sandalen-Schlachtplatte von Zack Snyder. Stylische Optik, superb choreographierte Kampfszenen und ein enormer Gewaltlevel sorgen erneut für ein wuchtiges Actionepos mit hohem Unterhaltungswert (dass dies keineswegs ein Kinderspiel ist, hat unlängst der peinliche Megaflop „Krieg der Götter" bewiesen).
Der gelungene Einsatz der 3D-Technik sorgt für ein noch plastischeres Erlebnis als beim Vorgänger. Insgesamt wird zwar deutlich weniger geschrien, aber auch hier beschränkt sich der Dialog auf das Wesentliche und ist durchtränkt von allerlei Kampfmetaphern. Das größte Plus ist allerdings Eva Green als Befehlshaberin der persischen Flotte und Antagonistin des Helden Themistokles. An ihre brachiale Vorstellung wird man sich noch lange erinnern. Und um Legendenbildung geht es hier ja vor allem.  

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