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Natürlich ist die Retro-Exploitation-Welle längst wieder abgeebbt. Ein Brecher war sie ohnehin nie. Mehr ein fröhliches Plantschen der beiden Kumpel Quentin Tarantino und Robert Rodriguez. Der Erfolg ihres „Grindhouse"-Doppels („Planet Terror", „Death Proof") war mäßig, trotzdem gab es viele Trittbrett-Wellenreiter die den Videothekenmarkt überschwemmten.
Einigermaßen lukrativ war ironischerweise lediglich der aus einem „Grindhouse"-Fake-Trailer entstandene „Machete". Dort stapfte Kultbösewicht Danny Trejo durch ein irrwitziges Exploitation-Szenario. Als Machete-schwingendes Ein-Mann-Killerkommando hinterließ er entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze eine blutige Schneise der Verwüstung. Robert Rodriguez übertraf mit dieser Fingerübung sein eigentlich ambitionierteres Trash-Projekt „Planet Terror" auch qualitativ mühelos, da „Machete" wesentlich unverkrampfter und weniger bemüht auf Retro-Kult getrimmt daherkam.

Ob ähnliches mit der doch recht spät nachgeschossenen Fortsetzung gelingt, scheint allerdings fraglich. In den USA gab es schonmal einen lupenreinen Bauchklatscher. Acht Millionen Dollar Einspiel ist auch für einen Trash-Spaß unterirdisch. Dabei besitzt „Machete Kills" im Prinzip dieselben Stärken wie der Vorgänger.
Rodriguez zündet erneut ein absurdes Actionspektakel, das sich zu keiner Sekunde ernst nimmt. Der Plot ist so hanebüchen wie nebensächlich und dient lediglich als Grundgerüst für eine Orgie an coolen Sprüchen und Splatter-Einlagen sowie für ein Sammelsurium abgedrehter Gestalten. Der Titelheld ist von all dem Wahnsinn und Irrwitz und um ihn herum mal wieder völlig ungerührt und pflügt sich mit diversen Macheten durch einen Sumpf an korrupten Gesetzeshütern, durchgeknallten Drogenbaronen und schießwütigen Huren.

Da wird - aber auch das kennt man aus dem Erstling - ein ums andere Mal übers Ziel hinausgeschossen, nicht jeder Gag oder Oneliner sitzt und manchmal rutscht die ganze Chose in beinahe kindische Albernheiten ab. Trotzdem gelingt es Rodriguez, Liebhaber solcher Blödeleien - und nur für die ist der Film gedacht - durchgängig bei Laune zu halten und das „Niveau" von „Machete" nicht wesentlich zu unterbieten.
Das hat er zunächst wieder einmal seinem Cousin Trejo zu verdanken. Ansonsten lediglich in zwielichtigen Nebenrollen eingesetzt, hat Trejo sichtlich Spaß daran als cooler Antiheld die bösen Jungs zu zerlegen. Dass er zudem, obgleich nicht gerade mit natürlicher Schönheit gesegnet und obendrein auch fast schon auf die 70 zugehend, die schönsten und rassigsten Frauen flachlegt ist ein  ironischer Volltreffer, der auch in der Wiederholung noch bestens funktioniert.
Dazu hat Rodriguez einfach ein Händchen für absurde Situationen, schräge Typen und witzige Seitenhiebe auf von ihm geliebte Filme. Auch das Ausgraben abgehalfterter Ex-Stars, oder in der Versenkung verschwundener Darsteller aus der zweiten Reihe ist eine Kunst, die nur sein Kumpel Tarantino noch etwas besser beherrscht.

Diesmal darf sich Mel Gibson als Hugo Drax-Verschnitt den Allmachtsphantasien eines Bond-typischen Superschurken hingeben. Dass er obendrein mit Luke Skywalkers Land Speeder durch die Kulissen seines Unterschlupfs brettert, erhöht den Pulp-Charme dieser Episode noch zusätzlich. Richtig spaßig ist auch der Einfall, einen auf Machete angesetzten Auftragskiller von vier Personen (Walton Goggins, Cuba Gooding Jr., Lady Gaga und Antonio Banderas) spielen zu lassen, die sich via „Mission Impossible"-Gesichtsmaske verwandeln. Schade nur (mit Ausnahme des mimisch völlig talentfreien Popsternchens), dass die jeweiligen Auftritte dann zwangsläufig recht kurz sind. Die Peinlichkeitsikone Charlie Sheen (unter seinem Geburtsnamen Estevez) als US-Präsident zu besetzen, erscheint zunächst einmal zu vordergündig und plakativ, ist im Film dann aber überraschenderweise eines der Highlights.

„Machete Kills" macht also vieles ähnlich wie der Vorgänger, was nicht originell, aber auch nicht verboten ist. Fans des mexikanischen Kratergesichts werden sicher erneut ihren Spaß haben. Ob der offensiv angekündigte dritte Teil „Machete Kills Again - in Space" allerdings noch verwirklicht wird, ist eher fraglich. Die Retro-Exploitation-Welle war eine nette Randnotiz der Filmgeschichte. Der zweite „Machete" wäre dafür kein unwürdiger Abschluss.

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