Review

In jeder vernünftigen Literaturbesprechung wird der "Sitz im Leben" analysiert. Dies bedeutet nichts anderes, als dass auf die Lebensumstände der Zeit, in der ein Werk entstand hingewiesen wird. Letztlich dient dieses Instrument vor allem dazu, das Werk zeitlich einzuordnen, um die Umstände unter denen es entstanden ist, zu verstehen.

Es gibt auch Filme, bei denen ist dies unbedingt vonnöten ist, da sich dem Seher sonst nicht die Relevanz des Filmes erschliesst oder zumindest einige Details fragwürdig verbleiben. "Wargames" ist so ein Beispiel. Entstanden ist der Film im Jahre 1982, einer Zeit, in der sich die USA im Kalten Krieg befanden. Dieser Krieg, der ohne Kampfhandlungen auskam, beruhte vor allem auf der Angst des Westens (sprich der Vereinigten Staaten) vor möglichen Kriegshandlungen des Ostens (sprich Rußlands). Diese Konstellation führte zu einer Paranoia und einem Wettrüsten sondergleichen.

Dieses sollte man als Seher bedenken, dann wird das gesamte Sujet und dessen Relevanz zum Entstehenszeitpunkt des Filmes viel deutlicher. Schließlich baut der Film auf einer tief verwurzelten Angst der Menschheit aus dieser Zeit: Die Angst vor einem Atomangriff und dem Ausbruch eines Dritten Weltkrieges.

Diese Befürchtungen der amerikanischen Bevölkerung, die vor allem von der Reagan-Regierung geschürt wurden, um immer größere Rüstungsetats zu rechtfertigen, macht sich Regisseur John Badham zu nutze und erschafft somit einen enorm relevanten und brisanten Thriller. Zu dieser Thematik kommt eine allgemeine Angst vor der Allmacht der Computer und Roboter, die damals ebenfalls eine relevante Konstante der Kultur darstellte. Badham vermischt geschickt die beiden Themen und zimmerte daraus einen Film, der zur damaligen Zeit für einige Schweißperlen auf der Stirn der Zuschauer gesorgt haben düfte.

Der Teenager David (Matthew Broderick in seiner ersten Rolle) macht mit seinem Heimcomputer das damals noch mystische Internet unsicher und gerät mehr durch Zufall als gewollt in das Raketenabwehrsystem der USA. Was sich dem Teenager als aufregendes Spiel darstellt ist für Offiziere und Befehlshaber tödlicher Ernst. Die "Simulation", die David auslöst und einen Raketenangriff Russlands abbildet, halten diese nämlich für einen realen Angriff. In der riesigen Einsatzzentrale bevölkern auf einmal viele rote Punkte den Bildschirm, die einen Erstschlag darstellen. Wie man es von Generälen im Kalten Krieg erwartet, verharren fortan schwirtzende Finger auf roten Knöpfen. Was dia ganze Lage aber noch brisanter macht, ist die Tatsache, dass das gesamte Raketenabwehrsystem vor kurzem mittels eines Computers automatisiert wurde, der ein Eingreifen von menschlicher Hand kurzerhand unmöglich macht. Ein Wettrennen gegen die Zeit hat begonnen...

Der Plot, der hier in aller Kürze skizziert wurde, reisst wie gesagt, heutzutage keine Bäume aus, entstammt allerdings direkt aus den Ängsten der amerikanischen Bevölkerung. Die Inszenierung Badhams ist zweckmäßig, aber recht bieder dabei. So gibt es weder inhaltlich noch inszenatorisch Überraschungen oder Wendungen, die einen abgehärteten Zuschauer von heute aus dem Konzept bringt. Im Gegenteil: Viele Szenen wirken aus heutiger Sicht reichlich naiv, wie z.B. die Rettung der Welt mittels einer Partie Tic Tac Toe oder auch das Klischee, nach dem sich Computer-Kid David am Afang des Filmes in den Schulcomputer hackt, um seine Noten zu verändern.

Insofern ist "Wargames" bei aller Relevanz anno 1982 ein Film, der "nicht gut gealtert ist". Dieses Problem hat er mit vielen anderen Filmen, die sich damals mit der "modernen" Computertechnik und deren Tücken beschäftigt haben (man vergleiche auch einfach mal "Hackers", der sogar von 1995 ist, mit dem heutigen "Allgemeinwissen" rund die Themen Computer und Internet ). Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel der deutsche "23", der die ganze Hacker-Kultur aus dieser Zeit glaubhaft darstellt.

Aus heutiger Sicht kann man mit "Wargames" durchaus Spaß haben, wobei damit wirklich "Spaß" gemeint ist. Spannung kommt kaum auf und sowohl die Thematik, als auch die Ausstattung wirken hoffnungslos naiv bzw. veraltet. Zudem kann man froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind. Wenn man denn zumindest der Einstellung des amerikanischen Militärs Glauben schenken kann, stand die Menschheit in den 80'er Jahren permanent nur einen FIngerbreit vor einer atomaren Katastrophe. Ob man sich dann aber einen Film anschauen muß, in dem diese ausbleibt ist fraglich. Es gibt doch so viele schöne Endzeit-Filme, in denen wir nicht so viel Glück hatten. Auf der Leinwand ist dies zumindest unterhaltsamer...

Fazit:

5 / 10

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