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Blue Crush (2002)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 01.01.2012, seitdem 126 Mal gelesen


Die Geschichte von Surferinnen auf Maui, gedreht von einem Mann – das klingt doch sehr nach einem reinen Glotzfilm fürs maskuline Publikum, de facto ist „Blue Crush“ jedoch ein überraschend starker Film über weibliche Selbstverwirklichung geworden.
Anne Marie (Kate Bosworth), Eden (Michelle Rodriguez) und Lena (Sanoe Lake) sind begeisterte Surferinnen, Anne Marie besonders talentiert. Schon in den ersten Szenen liefert sie sich neckisches Kompetenzgerangel mit den Surferkollegen, muss sich als Frau in der Männerdomäne beweisen, doch der Film macht klar, dass diese sie auch anspornen wollen – ein Surfunfall sorgte für ein schweres Trauma, weshalb sie eine innere Blockade beim Wellenreiten hat, großen Brechern lieber ausweicht. Sportfilmstandards gewissermaßen, allerdings pfiffig präsentiert.
Tagsüber arbeiten die Mädels in einem Hotel als Putzkräfte und da zeigt Regisseur John Stockwell auch gerne mal die unschönen Seiten: Vollgekotzte Badezimmer, verwüstete Räume und liegen gelassene Kondome. Letzteres führt zu einer Auseinandersetzung mit ein paar Footballern, zu denen auch Matt (Matthew Davis) gehört: Er bittet Anne Marie der Truppe Surfstunden zu geben. This one’s for the ladies, denn natürlich vergucken sich Märchenprinz und patenter Habenichts ineinander.

Dumm nur, dass Anne Maries romantische Abenteuer sie von ihrem Training für einen anstehenden Surfwettbewerb abhalten, der ihr großer Durchbruch sein könnte – nicht zuletzt, da sie eine Ausrede hat das Training zu schwänzen und sich so ihrem Trauma nicht stellen muss…
John Stockwell ist selber Surfer und das merkt man dem Film auch an. Mit Freude bringt er die Kultur der sportbegeisterten Menschen herüber, vielleicht sogar am besten während des Abspanns zu sehen, der allein mit Bildern surfender Menschen unterlegt: Hier und auch im Film sieht man Leute, die ihr ganzes Leben am Meer verbracht haben, für die das Surfen ein integraler Bestandteil des Lebens ist, weshalb sie ihre Hunde mit aufs Bord nehmen, ihre Kinder schon früh an die Bretter gewöhnen und nach ausgefallenen Methoden des Wellenreitens forschen. Auch die Surfszenen der Figuren sind klasse gemacht, trotz gelegentlicher Effekttricksereien ist der Großteil der Surfeinlagen von den Darstellern (und seltener deren Stuntdoubles) bestritten worden, was mal für spektakuläre Action sorgt (gerade Anne Maries Surfgang mitten im tosenden Meer, begleitet von P.O.D.s „Youth of the Nation“), mal eher als komödiantische Einlage präsentiert wird (die Surfversuche der korpulenten Footballer).
Dass es sich bei den Wellenritten um die Highlights von „Blue Crush“ handelt, die neben dem eye candy durch die idyllische Location und deren Präsentation in schönster Werbespot-Optik die hauptsächlichen Verkaufsargumente im Trailer darstellen, ist nicht zu bestreiten, während der Plot insgesamt etwas sekundär ist. Anne Maries Mutter hat die Family sitzen gelassen, ihre jüngere Schwester Penny (Mika Boorem) muss sie erziehen und Knete ranschaffen, doch selten widmet der Film diesem Handlungsstrang viel Zeit. Auch die Romanze ist nicht mehr als solider Genrestoff und ist nicht immer sauber erzählt: Gegen Ende des letzten Drittels deutet „Blue Crush“ kurz an, dass Matt eventuell nicht Mr. Verständnisvoll ist, sondern Frauen gerne nach seinen Vorstellungen formt, doch pünktlich zum Showdown hat sich dieser Vorwurf dann ohne ersichtlichen Grund in Luft aufgelöst und er steht als unterstützender Jubelperser am Strand.

Jedoch weiß Stockwell mit seinen Figuren umzugehen und hat seinen „Rocky“ studiert: Im Finale gewinnt Anne Marie nicht alles, mindestens eine andere ist deutlich besser als sie, aber sie erzielt den benötigten Erfolg zur Überwindung des eigenen Traumas, wird von der Konkurrentin sogar angefeuert, womit Stockwell noch mal die Brüderlichkeit unter Surfern betont. Auch die Unterstützung der männlichen Surfer ist ähnlich, ebenso die Darstellung weiblicher Selbstbehauptung des Films, dem eben nicht nur daran gelegen ist, die knackigen Körper seiner Darstellerinnen in knappen Outfits zu präsentieren.
Tatsächlich könnte es sich hierbei auch um Kate Bosworths bisher beste Leistung handeln, die mit viel Elan und Spielfreude ans Werk, den Charakter mit Leben füllt, während Michelle Rodriguez als fürsorgliche beste Freundin überzeugt und zeigt, dass sie mehr kann als die dauernd angepisste Kampfamazone zu spielen. Sanoe Lake ist eigentlich Surferin und kann mit den ausgebildeten Schauspielerinnen nicht ganz mithalten, Matthew Davis fällt hier mal die sonst eher Frauen zugedachte Rolle als Love Interest und Staffage zu, während Faizon Love und Chris Taloa in Nebenrollen Akzente setzen können.

Weltbewegende Dramen sehen anders aus, doch ein schick inszenierter Sportfilm mit mitreißenden Surfszenen ist „Blue Crush“ allemal. Dank Stockwells Gespür für seine Figuren und das Surfermilieu ein kurzweiliges Vergnügen trotz des Plots von der Stange.


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