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Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Eine Kritik von ---
eingetragen am 09.12.2006, seitdem 552 Mal gelesen


Ein junger Mann, seine sterbenskranke Schwester, die Freundin des jungen Mannes. Ein Industrieller, seine kleine Tochter, eine Gruppe von Organhändlern.
Der Originaltitel lautet übersetzt "Die Rache ist mein". Also wieder mal ein Racheepos? Ja. Und was für eines. Ich sag's gleich vorweg: mal ganz anders. Und auch wieder nicht. Alle Charaktere in dieser traurigen Geschichte werden von außen korrumpiert und tun Dinge, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätten.
Die Entführung eines kleinen Mädchens, der Tochter eines Industriellen. Zum Beispiel. Dieser vermeintliche Beginn des Dramas ist aber schon das Resultat vorhergegangener Ungerechtigkeiten.
Und auch der sonst so smarte Industrielle hätte es nicht für möglich gehalten, dass er in der Lage wäre, eine junge Frau mit Stromstößen brutal zu Tode zu foltern ... um an Informationen zu gelangen, die seine Rache noch mehr voran treiben wird ...
Die Situationen verkomplizieren sich, zum Schluss weiss man nicht mehr, wer hier eigentlich an wem Rache nimmt. Oder besser: Jeder rächt jeden. Und sich selbst.
Der Protagonisten sind zugleich schuldig und unschuldig. Eine höchst komplexe Aussage, denn sie lässt den Schluss zu, dass wir unser Handeln oft nicht kontrollieren können, vor dem Gesetzt aber dafür verantwortlich sind. Egal ob wir gut oder böse sind. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen böser Natur. Und das Gesetzt ist nicht immer gerecht.
Der vermeintlich sichere Grat, den wir Vernunft oder Ratio nennen, ist schmal, ein stolpern jederzeit möglich, ergo der Sturz in den weit aufgerissenen, hässlichen Schlund dessen, was wir in lächerlich verharmlosender Weise "die dunkle Seite der Seele" nennen.
Aber ist diese Seite wirklich so dunkel und unbekannt? Hatten wir nicht alle schon mal - und sei es ansatzweise - so einen Kontakt zur "anderen Seite" von uns selbst, und wären wir nicht in manchen Situation fähig, Dinge zu tun, die wir uns normalerweise nicht mal vorstellen möchten?
Diese Seite ist wirklich übel, und den meisten von uns unheimlich - aber nicht unbedingt unbekannt. Sie ist die andere Seite der Medaille, jederzeit bereit, die Kontrolle zu übernehmen, und die gute Seite auszuschalten.
Wie sonst lassen sich Ohnmacht und Gewalt erklären? Folter? Misshandlungen? Vergewaltigungen?

Da hat sich offensichtlich eine Seele in der Einsamkeit von Dunkel und Chaos verirrt. Kaum zu erklären und so gut wie nicht nachzuvollziehen.
Und so ist auch der Film keine genaue Straßenkarte, wie man den Pfad durch diese Dunkelheit am sichersten findet. Oder ihn besser umgeht. Er ist eine Beschreibung des Ist-Zustandes mehrerer Menschen am Scheideweg der Vernunft. Und keiner weiss hinterher mehr genau, wann er vom Weg abgekommen ist.
Ein stiller, brutaler, genialer Streifen.
fonu


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