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Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 27.09.2003, seitdem 2172 Mal gelesen


Behutsam, ruhig, ja fast ein bisschen langatmig beginnt "Sympathy for Mr Vengeance", ein erschütternder Film vom Regisseur von "JSA". Ein taubstummer junger Metallarbeiter lebt mit seiner Schwester und seiner Freundin in Armut. Mit viel Mühe kratzt er genug Geld zusammen, um seiner Schwester eine illegale Nierentransplantation bezahlen zu können, da er selbst nicht spenden kann. Als Gegenleistung soll er selbst eine Niere abtreten. Doch die Sache geht schief, er wird betrogen und verliert das Geld und sein Organ. Weitere Schicksalsschläge veranlassen ihn schließlich, die Tochter seines ehemaligen Arbeitgebers für ein Lösegeld zu entführen, doch bei einem Unfall stirbt das Mädchen und hinterlässt einen verzweifelten Vater. Die ernsthafte, nachvollziehbare Charakterisierung zweier vom Schicksal geplagter guter Menschen schlägt um in einen persönlichen, fatalen Rachefeldzug eines jeden gegen die jeweiligen Peiniger...

Schnörkellos und schlicht ist die Rachegeschichte. Brachial, heftig und düster die Umsetzung. Die Odyssee der beiden verlorenen Seelen in den Tod hat beinahe etwas Mythisches, Symbolisches. Waren es doch schon immer solch niedere Triebe wie Rache, Genugtuung, die seit Urzeiten den Konflikt zwischen den Menschen erschufen. Die biblische Form der Gerechtigkeit - Zahn um Zahn. Eine moralische Rechtfertigung der begangenen Grausamkeiten wird nicht gegeben, weil es sie schlichtweg nicht gibt. Und aus der Rache wird Rausch, aus Genugtuung wird Zwang, und so steigern sich die beiden Gegner in ein gar bestialisches Verhalten, dass jegliche Vernunft und den eigentlich schon überwundenen Hass außen vor lässt. Ähnlich wie Haneke zeigt Park seine Antihelden und ihre Taten in nüchtern-distanzierten, starren, unerträglich langen Kameraeinstellungen, ohne viel gestalterischen Schnörkel, ohne Hast oder Effekthascherei. Eventuelle Sympathie, Mitgefühl und Verständnis vom Zuschauer stehen der expliziten Grausamkeit der Gewalttaten und der emotionalen Leere der Protagonisten gegenüber und werden so zunichte gemacht oder zumindest auf das Schärfste in Frage gestellt. Zumal äußere Hintergründe, wie etwa die soziale Problematik, die Verzweiflung oder der "dumme Zufall" zwar anfangs wichtig erscheinen, doch im nihilistischen Sog der blanken Gewalt schnell verblassen. Die intensive Konfrontation mit der kompromisslosen Gewalt bezieht den Zuschauer ein in die tief greifende Auseinandersetzung mit einer der ältesten und schwierigsten ethischen Problematik überhaupt.

Keine Helden, keine Bösen, keine Unschuldigen. Gewalt und Leid erzeugen eben nur selbiges. Aus dem Strudel kommt man nicht mehr heraus, wenn man erst einmal mit Blut befleckt ist. Der Film zeigt, nüchterner als etwa "Irreversible", erschütternder als "Das Experiment", wie tierisch und primitiv der Mensch werden kann, wenn erst einmal ein Hebel umgelegt worden ist, und welch verheerende Auswirkungen diese "Gerechtigkeit" dann für alle Beteiligten haben kann. Schließlich kann man somit das zunächst vielleicht unpassend erscheinende Ende des Filmes wieder mythologisch auffassen: Die Todesboten kommen zum Rächer, nachdem er sein Ziel erreicht hat, und nehmen ihn, indem sie ihn mit ausgleichender Wut und Grausamkeit töten, mit in die Unterwelt - der Preis, die allerletzte Konsequenz der Rache und die Vollendung einer sehr klassischen aufwühlenden, bitteren Tragödie. 10/10


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