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Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Eine Kritik von Fabse (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 20.09.2004, seitdem 791 Mal gelesen


Regisseur Park Chan-wook bekam nach seinem erfolgreichem Film "Joint Security Area" von seiner Produktionsfirma freie Hand für sein nächstes Projekt eingeräumt und entschied sich für ein lange Zeit in Schubladen liegendes Script, dessen nun vorliegende Umsetzung einen wirklich wegbombt. In einer trostlosen dreckigen Stadt, deren dominierenden Farben beklemmende Grautöne sind, scheint das Schicksal der Protagonisten von der ersten Sekunde an vorherbestimmt zu sein. Die einzige Frage, die sich stellt, ist für wen der Verlust sämtlicher Werte, moralischer Vorstellungen und Familienangehöriger am Ende größer sein wird. Eingeleitet durch erfolglose Bemühungen seiner Schwester zu helfen, bringt Ryu eine Lawine von Ereignissen in Gang, die in kurzer Zeit keinen Ausweg mehr aus dem nie endenden Alptraum zulassen. Die Motivationen beider Parteien sind offensichtlich, dennoch schocken die kompromisslosen Methoden der beiden Hauptdarsteller ihren Seelenfrieden zurückzugewinnen. Die Sympathie des Zuschauers, welche wohl wirklich nur noch durch Mitleid zu definieren ist, schwankt den kompletten Film hin und her. Der Schlüssel zum Pathos des Ganzen findet sich eindeutig in den Szenen wieder, in denen Steine flach übers Wasser geworfen werden: Wenn ein einzelner Stein bei jedem Aufschlag Wellen hinterlässt, so ist genau abzusehen, dass er nach kurzer Zeit sinken wird. "Sympathy for Mr. Vengeance" wirft genau so einen Stein und dass das Ende erschreckend und zugleich erlösend sein wird, steht von Anfang an fest. Die in nihilistisch depressiven Bildern dargestellte Verwandlung vom Menschen zur Bestie, welche nur noch durch Vergeltung angetrieben wird, degradiert den Zuschauer innerhalb kürzester Zeit zum Exhibitionisten, der den Charakteren beim immer tieferen Fall in psychische Abgründe beobachtet. Ein angenehmes Gefühl, welches ein Film zu Unterhaltungszwecken weckt, sucht man vergebens. 120 Minuten Tour de Farce, die wirklich weh tun, sind für den Durchschnittsseher eher ein richtig harter Schlag ins Gesicht. Die meiste Zeit ist der Film sehr still und nimmt sich viel Raum um seine Akteure auszuleuchten, wenn dann allerdings diese Stille durch krasse realistische und ungeschönte Gewaltausbrüche jäh gestört wird, muss man ordentliche schlucken. Gerade zu exemplarisch für so einen Break, ist eine Szene, in der Ryu sich an den Organhändlern rächt: Einem Mitglied der ebenfalls nekrophilen Truppe wird quälende 15 Sekunden mit einem Baseballschläger das Gesicht zertrümmert. Zwar ist das nicht wirklich explizit zu sehen, aber allein die Geräuschkulisse im Kontext der Darstellung dieses seelischen Aufschreis schmerzen und ekeln an. Definitiv kein Film für Seher mit Actionerwartungen, wer hingegen ein leises und wirklich berührendes Meisterwerk erwartet, sollte einen Blick riskieren, auf einem Asienkracher, der im Nachhinein noch zu Diskussionen anregt über Sinn und Unsinn von Selbstjustiz und dem totalen Verlust der Menschlichkeit.
10/10


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