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Die durch die Hölle gehen (1978)
Eine Kritik von Tyler Durden! (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 24.08.2006, seitdem 487 Mal gelesen
1975 fand der Vietnamkrieg sein Ende. Bereits 1978 stellte Michael Cimino "The Deer Hunter" vor und erhielt für den Film den Oscar. Die amerikanischen Wunden waren frisch, nicht nur Zivilisten und Soldaten waren geschädigt oder tot, auch der amerikanische Stolz. Entsprechend des Alters wirkt das im Film dargestellte Leid ziemlich frisch und echt. Für meinen Geschmack handelt es sich nicht um einen besonders hervorragenden Film. Dass er den Oscar für den besten Film erhalten hat, wage ich auf den Mangel an Konkurrenz bzw. auf die Aktualität des Themas zurückzuführen. Jedenfalls ließ man Konkurrenz wie "Midnight Express", "Unmarried woman", oder "Coming home" hinter sich. Ein weiterer Kriegs- bzw. Antikriegsfilm also, der sich mit Vietnam beschäftigt. Kein Wunder – In Vietnam wurde einer der dreckigsten Kriege aller Zeiten geführt. Mit Sicherheit ist jeder Krieg hässlich, aber in Vietnam hat sich der gegenseitige Hass durch widrige Bedingungen enorm hochgeschaukelt, sodass es zu extremen Gräueltaten kam. Das Leid der Vietnamesen wird mal wieder kaum erwähnt. Immerhin starben nach Schätzungen, die ich nicht bewahrheiten kann, bis zu 5 Millionen Vietnamesen im Vergleich zu knapp 60 Tausend Amisoldaten. Da muss man sich schon fragen, wieso sich ein Antikriegsfilm nur mit dem einseitigen Leid beschäftigt. Mit den psychischen und physischen Wunden, die die Amerikaner davongetragen haben. Dass die Vietnamesen Gleiches in Größerem Ausmaß erlebten und noch heute unter der damaligen Napalm-Verwendung leiden müssen, interessiert in "The Deer Hunter" niemanden. Am Ende wird auch noch "God bless America" angestimmt. Ich hoffe, dass diese Szene einen kritischen Unterton hatte, bin mir dessen aber nicht sicher. Jedenfalls setzt man sich mit der Problematik egoistisch auseinander und das kann ich nicht gut heißen. Das wirkt sich für mich aber nicht auf die Bewertung aus, denn es soll ein Film bewertet werten, nicht seine Hintergründe. 3 Stunden mächtig ist Ciminos Streifen und er konnte eine gute Besetzung für den Film verwenden. Robert de Niro wurde für den Oscar nominiert, erhielt ihn aber nicht. Ganz im Gegensatz zu Christopher Walken, der für die beste Nebenrolle ausgezeichnet wurde. Ersterer spielt Mike Vronsky, der Härteste unter den Freunden, der die Geschehnisse am ehesten verkraften kann. Walken ist Nick Chevotarevitch, dem das Ganze mehr zu Herzen geht...neben ihnen muss auch noch Steve (John Savage) nach Vietnam um den Vietcong gegenüberzutreten. Zu Hause bleiben dürfen ihre Freunde Stanley (John Cazale, der in der Pate-Trilogie als Fredo mitwirken durfte), John (George Dzundza) und Axel (Chuck Aspegren). Beschrieben wird zunächst eine Stunde lang die Beziehung der 6 Freunde, hauptsächlich während der Hochzeit von Steven. Die nächste Stunde beschreibt das brutale Geschehen in Vietnam und die letzte beschäftigt sich mit der Zeit danach und den Auswirkungen des Krieges.Man könnte also versuchen, die drei Teile einzeln zu bewerten. Der erste Teil ist eher schwach ausgefallen, wie ich finde. Ziel war es mit Sicherheit, die Enge Verbundenheit der Freunde darzustellen. Das gelingt aber nur bedingt. Zu inhaltslos sind die Dialoge, zu wenigsagend die Handlungen. Zwar realistisch, aber darstellerisch nicht angebracht war beispielsweise die Szene, in der Mike Stan seine Schuhe nicht leihen will, weil er jedes Mal etwas vergisst. Wieso so eine Szene, wenn man doch darstellen will, wie eng die Verbindung der Leute ist? Oder wieso will man einerseits die Bindung zwischen Nick und Mike als besonders eng darstellen und zeigt andererseits, wie sehr Mike Nicks Frau begehrt? Wie gesagt, realistisch sind solche Situationen allemal. Sie allerdings zu zeigen, statt die enge Bindung zu betonen, verfehlt sein Ziel. Die zweite Stunde ist absolut genial. Der Übergang vom traurigen Klavierspiel zu den menschenverachtenden Aktionen in Vietnam ist perfekt und erschreckend gelungen. Legendär ist dabei die "Russisch-Roulette"-Szene, auch wenn sie nicht das Realistischste ist, was ich mir vorstellen kann. Jedenfalls geht die zweite Stunde schonungslos mit dem Thema um und lässt den aufmerksamen Zuschauer erahnen, wie tief die Wunden damals in die Psyche der Soldaten eingedrungen sind. Richtig nachvollziehen kann das bestimmt niemand, der nicht dabei gewesen ist.Die dritte Stunde ist dann wieder mäßig. Man versucht nun besonders stark, auf die psychischen Schäden einzugehen. Die Phase verläuft ein bisschen langwierig und ist wieder nicht so stark ausgeführt. Mike, der ja als Stärkster dargestellt wird, riskiert plötzlich Stans Tod mit dem blöden russischen Roulette, dessen Thematisierung für mein Empfinden etwas übertrieben wurde. Mikes Reise zurück nach Saigon und das Finale am "Roulette-Tisch" ist dann schon sehr abwegig. Vor allem wenn man bedenkt, dass Mike gerade noch Nicks Freundin flachgelegt hat. Dann liebt er ihn aber doch so sehr, dass er zurück nach Saigon geht und sein Leben für ihn riskiert. Etwas widersprüchlich und verfehlt erneut das Anliegen, die feste Bindung zwischen beiden zu erläutern. Das Ende ist dann wie gesagt arg kitschig und moralisch mit dem angestimmten Lied. Klar eine "Antikriegserklärung", aber seiner Schuld gegenüber den ANDEREN will sich der Amerikaner in diesem Film einfach nicht bewusst werden. Schauspielerisch ist alles auf Hochglanzniveau und hat mir sehr gut gefallen. In einem Film mit de Niro in der Hautprolle und Christopher Walken an seiner Seite geht das auch kaum anders. Meryl Streep darf die ebenfalls psychisch angeknackste Freundin von Nick verkörpern und macht das gut.Seine Spannung kann man dem Film vor allem im zweiten Teil nicht absprechen. Im letzten Teil wird das Ganze aber durch die angesprochenen Fehler abgeschwächt. Fazit: Ein guter Antikriegsfilm über Vietnam mit starker schauspielerischer Leistung, schönen sowie erschütternden Bildern. Bei drei Stunden Laufzeit bekommt man eine hervorragende Stunde in Vietnam und zwei mittelmäßige Stunden zu Hause geboten. Der Film ist zweifellos zu lang geraten und erreicht gelegentlich nicht sein Ziel, die Bindung der Freunde intensiv darzustellen. Am Ende dann auch wieder ein sehr wehleidiges Schuldeingeständnis. Allerdings nur gegenüber der eigenen Nation. Insgesamt 6 Punkte. EuerDon
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