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Die durch die Hölle gehen (1978)

Eine Kritik von anno nym (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 01.07.2002, seitdem 1378 Mal gelesen


"Deer Hunter" wurde von der Academy mit 5 Oscars geehrt, zu Recht, meiner Meinung nach. Ich habe selten so einen intensiven Film gesehen. Allerdings ist es, entgegen meiner anfänglichen Erwartung, kein Kriegsfilm, sondern eher ein Drama. Die Story ist ziemlich vielschichtig und der eigentliche Kampf in Vietnam spielt nur eine Nebenrolle. Wenn man es genau nimmt, sieht man richtige Kampfhandlung eigentlich nur einmal im zweiten Drittel des Films, und dann auch nur 3 Minuten lang. Aber wie gesagt, es ist ja schließlich auch kein Kriegsfilm.
Der richtige Nervenhorror beginnt, als die 3 Freunde Michael (Robert de Niro), Nick (Christopher Walken) und Steven (John Savage) in Gefangenschaft geraten und von den Feinden gezwungen werden, russisch Roulette zu spielen. Dabei baut sich für den Zuschauer eine so unglaubliche Spannung auf, wie ich es vorher noch nicht erlebt habe. Man fiebert bei jedem Schuss mit und hofft, dass die Kammer leer ist (was häufig nicht passiert....).
Später kehren Michael und Steven nach Amerika zurück, beide sind gebrochene Männer, einer von ihnen ein Krüppel. Sie finden sich in der Gesellschaft nicht mehr zu Recht und Michael kehrt schließlich zurück nach Saigon, um seinen verschwundenen Freund Nick zu suchen. Dieser macht das russisch Roulette jetzt "beruflich" und ist psychisch total am Ende, leidet an Gedächtnisverlust. Um seine Erinnerung zurückkehren zu lassen, macht Michael mit ihm eine letzte Runde russisch Roulette, wie damals in der Gefangenschaft.....
In diesem Film gibt es keinen falschen Patriotismus, keine Helden, keine Gewinner. Am Ende ist die Psyche aller zerstört, die der heimgebliebenen Freunde und Frauen, und die der Vietnamkämpfer.
Die schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend. Besonders wären dabei Robert de Niro, der absolut glaubhaft den scheinbar starken Kriegsveteran spielt (der aber im inneren gebrochen ist) und Christopher Walken hervorzuheben. Obwohl beide noch sehr jung sind, spielen sie überzeugend, was z.b. an der Szene im Krankenhaus, wo Walken von dem Arzt nach den Geburtsdaten seiner Eltern gefragt wird, zu merken ist. Er weiß, dass er sein Gedächtnis verloren hat und versucht die Beherrschung zu behalten, was ihm aber nicht gelingt.
Die Musik ist sehr spärlich eingesetzt und ist meist direkt in die Szene eingebunden, es läuft z.b. ein Radio im Hintergrund und die Männer singen dazu etc. Nur selten kommt "richtige" Filmmusik zum Einsatz (die übrigens von John William komponiert wurde). Das passt meiner Meinung nach sehr gut, da es so fast schon einer Dokumentation gleicht, was das ganze noch eindrucksvoller macht.
Das einzige Manko des Filmes ist seine Länge. Besonders die "Einführung", bei der man alle Personen und den kleinen Ort kennenlernt, ist etwas zu lang geraten. Beim ersten mal angucken ist das nicht so schlimm, aber beim mehrfach-schauen wirds etwas langatmig.
Insgesamt ist "The Deer Hunter" ein sehr anspruchsvoller Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.
9/10


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