Ansicht eines Reviews

Fist of Legend (1994)

Eine Kritik von Sir Jay (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 21.12.2008, seitdem 293 Mal gelesen


Manchmal ist das, was im Filmbusiness abläuft einfach nur unbegreiflich.
Da gründet der anno 1994 längst zum asiatischen Superstar aufgestiegene Jet Li eine eigene Filmschmiede, und produziert als Debütfilm das Remake des seinerzeit erfolgreichsten Kung Fu Filmes aller Zeiten „Fist of Fury“, und floppt damit am Ende auch noch am einheimischen Markt.

Worauf der Flop zurückzuführen ist lässt sich da wirklich nicht sagen, denn der Film ist einfach zu gut!
Im direkten Vergleich mit der 1972er Vorlage von Bruce Lee schlägt „Fist of Legend“ das Original in manchen Kriterien teilweise um Längen; ob Handlung, Schauspiel oder (ganz wichtig) Action.

Handlungstechnisch nimmt sich Jet Li's Film da auch jede Menge Freiheiten, und so bleibt am Ende nur ein von Japanern fest besetztes Shanghai im Jahre 1937, und das ein odere andere Zitieren einer Kampfszene aus dem Bruce Lee-Original, wie zum Beispiel der berühmte Kampf im Dojo.
Auch hier kehrt der junge Chen Zhen von seiner Studienreise aus Tokyo nach Shanghai vorzeitig zurück um die Todesursache von seinem Meister zu klären.
Selbstverständlich werden die „bösen“ Japaner dieser Greueltat verdächtigt, denn zu Zeiten des Sino-japanischen Krieges ist der Rassismus zwischen Chinesen und Japanern deutlich ausgeprägt.

Anders als im Original aber, welches diese damalige Zeit wohl besser in Erinnerung hatte, beschränkt sich Regisseur Gordon Chan im Remake nicht auf eine simple Schwarz-Weiß-Malerei und zeigt sowohl auf der chinesischen, als auch auf der japanischen Seite „Gut und Böse“.
Eine völlig neue Facette bekommt die Geschichte hinzu, indem dem chenesischen Protagonisten eine japanische Liebhaberin zur Seite gestellt wird, wodurch der Konflikt der beiden Nationalitäten nun auch thematisch in Frage gestellt wird, anstatt ihn nur geschichtlich wiederzugeben.

Allein dadurch gewinnt Fist of Legend ein Quäntchen mehr an Anspruch, und schafft es die Handlung um einiges interessanter voranzutreiben als im doch eher zäh erzählten Original.

Dort nämlich tat sich im Mittelteil actiontechnisch überhaupt gar nichts, im Remake jedoch wird eine äußerst zufriedenstellende Anzahl an Fights geboten, und sie alle sind von absolut höchster Qualität.
Schon zu Beginn darf man im einem japanischen Klassenzimmer einen heftigen Fight bestaunen, bei dem Jet Li Arme und Beine einiger japanischer Nationalisten verrenkt und sogar bricht.
Es ist wirklich erstaunlich mit welch beeindruckender Geschwindigkeit hier komplizierte Handgriffe, Konter- und Tritttechniken mit vollstem Körperkontakt vorgeführt werden.

Absolut nicht mit Jet Li's späteren Hollywood Ausflügen zu vergleichen, aber auch das zeitlose „Once upon a Time in China“ kann da nicht ganz mithalten, zumal hier wirklich nur in den äußersten Fällen auf Seiltricks zurück gegriffen wird.
Und auch die eigentliche Vorlage schlägt Fist of Legend mit links, was ich persönlich als Bruce Lee Fan zwar nur schwer zugebe, doch es ist so.
Bruce Lee mag ein beeindruckender und unglaublich schneller Kämpfer gewesen sein, aber der Fortschritt im Bereich Stunt und Choreographie war zu 1972 einfach noch nicht auf dem Stande der 90er Jahre.
Am besten ließe sich die Intensität der Kampfe aus Fist of Legend noch mit Jackie Chans zeitgleich erschienenen „Drunken Master 2“ vergleichen.

Besonders lobenswert ist, dass der Film trotz seiner Losgelöstheit (oder aber auch gerade deswegen) von der Vorlage es nicht verpasst Bruce Lee zu ehren.
Obwohl Jet Li ein ähnlich seriöses Schauspiel wie damals der „Kleine Drache“ abliefert, ist es keineswegs ein zweifelhafter Versuch Bruce Lee nachzuahmen; es ist Jet Li's typischer Stil, der dank seines ganz eigenen Charismas auch vollkommen überzeugen kann.
Und ohne in peinliche Bruceploitation zu verfallen wechselt Jet Li in einigen Kämpfen in Bruce Lee's Jeet Kune Do Stellung, und präsentiert in einem klassischen Martial Arts Film völlig ungewohnt westliche Box-Techniken, die professionell und beeindruckend in Szene gesetzt wurden.
Abseits der Kämpfe bezieht Jet Li sogar einige von Bruce Lee's für Kampfkünstler damals äußerst wegweisende Trainingsmethoden ein, wie zum die „One Arm – Push Ups/Pull Ups, Seilspringen und Joggen mit Gewichtsbandagen.

Da ist Jet Li echt eine Wucht, bei allem was er tut; seine Körperbeherrschung ist unbeschreiblich! Damit hat er als flinker Kampfkünstler in Fist of Legend sicherlich ohne zu Übertreiben dank des Choreographen Yuen Woo Ping die Beste Leistung seiner Karriere abgeliefert.

Kritik muss sich der Film wenn überhaupt nur aus der Sicht von Leuten, die größten Wert auf historische Korrektheit legen gefallen lassen, aber die teilweise nicht zeit- oder kulturgemäß getragene Kleidung/Bewaffnung fällt kaum jemandem auf.
Schade lediglich ist, dass der Große Finalkampf aus Fist of Fury, nämlich der Kampf gegen den bösen Russen Ivan völlig vergessen bleibt, auch wenn der Kampf gegen den skrupellosen, unverhältnismäßig toughen, japanischen General (Billy Chow) seinen ganz eigenen Reiz hat.
Mir persönlich fehlt zur vollen Punktzahl letztlich aber noch ein eindringlicherer Score, der in entscheidenden Szenen auch Gänsehaut-Atmosphäre aufbauen kann, wie in Once Upon a time in China, oder auch Drunken Master 2.

Aber dies wäre dann auch nur der letzte Schliff gewesen, denn sonst ist Fist of Fury ein absolut makelloser Martial Arts Streifen, mit einer nicht ganz so zäh erzählten Storyline wie im Original, einer beachtlichen Anzahl an abwechslungsreichen Fights, und noch viel wichtiger, einer unglaublich erhabenen Qualität Dieser!


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Sir Jay" lesen? Oder ein anderes Review zu "Fist of Legend (1994)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Sir Jay

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

1.127 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Gefährten (2011)
Fight of the Dragon (1999)
Schrei, wenn Du kannst (2001)
New Rose Hotel (1998)
Razorback - Kampfkoloss der Hölle (1984)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich