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Sucht man nach der kürzesten Verbindung zwischen dem Horror-Subgenre des „Slasher" und dem selbstreferentiellen Stilmittel der Metaebene,  stößt man unweigerlich auf Wes Craven´s „Scream"-Serie. Gut 15 Jahre nach der Golden Era des Teenager-Horrorfilms (u.a. „Halloween" 1978, „Freitag der 13." 1980) peppte Craven das dahin siechende Genre mit einer gehörigen Ladung selbstironischer Satire auf und verschaffte ihm die eigentlich längst abgelaufene Eintrittskarte in den Mainstream. Ob die parodistischen Züge die nach wie vor drastische Gewalt und blutigen Splattereinlagen erträglicher machten, oder einfach ein neues Publikum mit veränderten Sehgewohnheiten die zentrale Rolle spielte, ist letztlich Interpretationssache. Der Erfolg jedenfalls war außergewöhnlich und sicherlich mitverantwortlich dafür, dass sich das gesamte Genre von seinem Nischendasein emanzipierte. Das gilt im speziellen auch für zentrale Elemente des Slashers - psychopathische Killer, einsame, abgeschottete Locations sowie explizite Gewaltdarstellungen - wie sich unschwer an aktuell populären Spielarten wie Torture-, oder Survival-Horror erkennen lässt.

Seit einiger Zeit ist der allgemeine filmische Trend der Remakes und Reboots auch im Kino der Angst und des Schreckens omnipräsent. So ziemlich jeder Klassiker der 1970er und 1980er Jahre wurde dabei auf die eine oder die andere Art verwurstet, womit sich ein Bedürfnis nach neuen Perspektiven und Blickwinkeln schon aufgrund unverkennbarer Ermüdungserscheinungen geradezu aufdrängt. Vor diesem Hintergrund erlebt nun auch die Spielart des Teenie-Slashers ihren dritten Frühling. Der kann in Form eines konzentrierten Hommage-Destillats („It follows"), oder auch in der eines clever arrangierten Meta-Remakes daherkommen, wie im Fall von "The Town that dreaded Sundown" (der dämliche deutsche Titel „Warte, bis es dunkel wird" sei hier der Vollständigkeit halber zumindest mal erwähnt).

Und hier wird es kompliziert. „The Town that dreaded Sundown" basiert auf der gleichnamigen Billigproduktion von 1976 (hiierzulande wurde daraus die Stilblüte "Der Umleger"), die sich wiederum um einen maskierten Serienkiller dreht, der 1946 sein Unwesen in der Zwillings-Kleinstadt Texarkana an der Grenze zwischen Texas und Arkansas trieb, nur um dann spurlos zu verschwinden. Im neuen Film wird der alte regelmäßig zu Halloween im örtlichen Autokino aufgeführt. Also ein Film im Film über einen Film, der angeblich auf einer wahren Begebenheit basiert. Wem das noch nicht genug „meta" ist, der darf sich an einem Wiederauftauchen des Kartoffelsack-Killers erfreuen, der die Morde von damals eins zu eins kopiert und Texarkana erneut in Angst und Schrecken versetzt.

Es ist dieses lustvolle Spiel mit den in sich verschachtelten bzw. sich selbst erzeugenden Erzählebenen, welches „The Town that dreaded Sundown" aus dem Teenie-Slasher-Einerlei hervor hebt und zu einem vergnüglichen Horrortrip in angestaubte Genrezeiten macht. Dass dies unbedingt gewollt ist, bezeugen auch die bewusst antiquierte Bildsprache - die dann aber wiederholt durch schräge Kameraperspektiven ebenfalls ironisert wird - und einige geschickt eingebaute Filmzitate aus dem Original.  
Regisseur Alfonso Gomez-Rejon und Produzent Ryan Murphy (beide u.a. auch beteiligt am Serienhit  „American Horror Story") erweisen sich als unbedingte Genre-Kenner, die ihre narrativen Salti mit klassischen Elementen erden und trotz aller ironischen und parodistischen Brechungen nie das Dreigestirn aus Spannung, Schock und Grusel aus den Augen verlieren. Kurz: der Film funktioniert trotz seiner komplexen Meta-Struktur auch bestens als schnörkelloser Vertreter der guten alten Slasher-Schule.

Das liegt auch und insbesondere an Hauptdarstellerin Addison Timlin. Als jugendliche Außenseiterin mit geheimnisvoll dunkler Vergangenheit gibt sie zwar die fast schon ikonische Slasher-Protagonistin, füllt dieses schablonenhafte Rolle aber mit genügend Natürlichkeit und Verwundbarkeit um die so entscheidende Empathie-Trumpfkarte jederzeit voll ausspielen zu können. Das ist schon deshalb essentiell, da sie in ihrer Doppelfunktion als Hauptzielobjekt des Killers und an den Nachforschungen eng Beteiligte praktisch im Alleingang die Spannung hält und dies auch muss.

„The Town that dreaded Sundown" ist damit für Slasher-Fans mit Genre-historischem Background ebenso lohnend, wie für Freunde der exaltierten Meta-Spielereien, wie sie Wes Craven (Regie) und Kevin Williamson (Buch) mit ihren drei „Scream"-Sequels perfektionierten. Ein in Summe und v.a. Kombination dieser verschiedenen Elemente nur selten anzutreffender Glücksfall von gleichermaßen gewitzter wie respektvoller Genre-Kunst. 

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