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Haus an der Friedhofmauer, Das (1981)

Eine Kritik von Adalmar (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 07.05.2009, seitdem 844 Mal gelesen


Muss man Lucio Fulci noch vorstellen?

Ja, man muss... Viele sehen in dem unwirschen italienischen Regie-Eigenbrödler nur den "Splatterpapst" o.ä., der jede Menge Blut fließen lässt und sich um die Handlung usw. nicht viele Gedanken macht.

Dabei hat Fulci in den verschiedensten Genres gearbeitet und insbesondere im Bereich des Thrillers/Giallos Meisterwerke geschaffen. Dabei denke ich insbesondere an "Una sull'altra" und "Una lucertola con la pelle di donna". Bildgewaltig und fantasievoll, bei ersterem Film kühl-elegant und bei letzterem Film oft surreal in ausufernden Traumsequenzen zeigt sich Fulci als Meister seines Faches. Des weiteren drehte er in den Bereichen Western ("Tempo di massacro"), Gangsterfilm ("Luca il contrabbandiere"), Komödie ("La pretora") und Historiendrama ("Beatrice Cenci").

Und im Horror, auf den er hierzulande so gerne reduziert wird. Schwachsinnige deutsche Trash-Titel werfen von vornherein ein nachteilhaftes Licht auf seine Filme, in denen sich schwer verständliche, eigenwillige Gedankengänge manifestieren. Wer nach Logik, Erklärungen usw. sucht, anstelle sich frei von diesen Erwägungen auf die Bilder einzulassen, wird mit Fulcis Horrorfilmen nichts anfangen können. Aber ist mit Horror nicht gerade das Unbegreifliche verknüpft? Wer kann sich schon vorstellen, wie er sich im Angesicht des Übernatürlichen verhalten würde? Ich kann mir nur eins denken: Er wird nicht pausenlos die Handkamera draufhalten wie in "Cloverfield", damit ein Film draus wird - das erwähne ich als eines der wenigen Beispiele, wo ich "Unlogik" im Film kritisiert habe. Aber ansonsten kann man nur spekulieren, wie es eben auch Lucio Fulci tut.

So z.B. in "Quella villa accanto al cimitero", deutscher Titel "Das Haus an der Friedhofsmauer" (man liest auch "Friedhofmauer"). Besonders "pfiffige" Filmspezialisten fragen nun, wo denn im Film besagte Mauer sei? Tja, da müssen sie die Erfinder des deutschen Titels fragen, im Originaltitel kommt nur der Friedhof vor.

Mit der Engländerin Catriona MacColl arbeitete Fulci nicht das erste Mal zusammen. Bereits in "Paura nella città dei morti viventi" hatte sie eine tragende Rolle übernommen. Im Deutschen wurde hier ein besonderes Titelverbrechen verübt: "Ein Zombie hängt am Glockenseil". Klar, dass der Film nicht ernst genommen wird. Das "Haus an der Friedhofsmauer" stellt titeltechnisch noch eine dankenswerte Zurückhaltung dar. MacColl spielt die Mutter des kleinen Bob, der mit seinen Eltern ein altes Haus in Neuengland bezieht. Bob wird von Giovanni Frezza gespielt. Dieser Knirps (heute 36 Jahre alt) wurde nicht nur von Fulci (auch in "L'occhio del male"), sondern auch von Enzo G. Castellari und Lamberto Bava beschäftigt. Er war damals eine Art Klischee-Kind: Dichtes hellblondes Haar, blaue Augen und großer Schmollmund lassen ihn wie einen kitschigen Weihnachtsengel aussehen.

Lucio Fulcis Verhältnis zu Kindern ist schwer durchschaubar. Es scheint sich oft undefinierbar zwischen Faszination und Hass zu bewegen. Wie insbesondere das Endzitat (ungefähr: "Man weiß nicht, ob die Kinder Monster oder die Monster Kinder sind") verdeutlicht, spielen die in diesem Film zu sehenden Kinder nicht eine so unschuldige Rolle, wie es zu Beginn scheint... Da erscheint auch eine denkwürdige Szene des Films in anderem Licht: Um den im Keller hinter verschlossener Tür gefangenen Bob zu befreien, haut sein Vater (Paolo Malco) die Axt mehrmals in die Tür und verfehlt Bob nur um Haaresbreite. Und dann gibt es auch noch das (Geister-)Mädchen Mae (Silvia Collatina), das nur von Bob wahrgenommen werden kann. Unter anderem erscheint es vorübergehend auf einem Foto von dem Haus - eine Szene, die ich sehr mag.

Neben den Verwirrungen um die Rolle der Kinder in dem Film gibt es aber auch noch einen gewissen Dr. Freudstein, der im Keller des Hauses eine Sammlung verwesender Leichen angelegt hat und diese bereits in der Anfangsszene vermehrt: Daniela Doria, eine Darstellerin, die Lucio Fulci besonders mochte ("Ich tötete sie so viele Male", sagte er meiner Erinnerung nach mal in einem Interview), die sich mit ihrem Freund zu einem Schäferstündchen in dem Haus getroffen hat, wird samt ihres Gespielen grausam ermordet. Dieses Schicksal wird noch etlichen anderen zuteil werden, und die Mordszenen sind genüsslich ausgewalzt - wie man es aus der damaligen Filmphase(!) Fulcis - kennt. Auch Dagmar Lassander, schon in den 70ern in etlichen Genrefilmen Italiens zu bewundern, darf sich als Maklerin einer besonders ausgewalzten Mordszene unterziehen.

Wie soll man das alles bewerten? Wie gesagt, seine besten Filme hat Lucio Fulci ungefähr zehn Jahre vorher, um die Jahrzehntwende 60er/70er, gedreht. Aber das "Haus" ist ein durchweg interessanter und seine gut effekte-technisch umgesetzten Mordszenen genüsslich auskostender Schocker, den man sich mehr als einmal ansehen kann - und vielleicht auch sollte...


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