„Von den Machern von 'Alien' und 'Total Recall'“. So eine Beschriftung des DVD-Covers kann dafür sorgen, dass dem geneigten Genre-Freund das Wasser im Mund zusammenläuft. So weit so gut. Der Star von „Hemoglobin“ war Rutger Hauer und zwar zu einer Zeit, als es um die Starqualitäten des Niederländers schon gar nicht mehr gut bestellt war. Dem mitdenkenden Filmseher können also schon erste Zweifel kommen.
Dass diese Zweifel angebracht sind, ist spätestens nach den 90 Filmminuten vollends klar. Doch eins nach dem Anderen.
Schaut man sich „Hemoglobin“ an, wird man mit einer Pre-Credit-Sequence begrüßt, die im 16. Jahrhundert spielt und von einer Gruppe von Adeligen handelt, die entgegen damaliger Gesetze fröhlich Inzest betreibt. Zwar ist dies nicht der typische Beginn eines typischen B-Movies, dass man schon innerhalb der ersten drei Minuten üppige und blanke Brüste zu sehen bekommt schon eher. Nach den Credits spielt der Film dann im Hier und Jetzt und zeigt einen merkwürdig blassen, pseudo-coolen und sonnenbebrillten Typen (der wohl auch sehr gerne in „The Crow“ mitgespielt hätte), der sich auf der Überfahrt zu einer neuenglischen Insel macht. So weit so gut. Man bekommt schnell den Eindruck, dass mit diesem John Strauss (der nicht nur blaß geschminkte Roy Dupuis) etwas nicht stimmt. Sowohl die Production Values als auch die Location stimmen für einen B-Film (dass „Hemoglobin“ einer ist, ist trotz der vollmundigen Referenzen auf dem DVD-Cover mittlerweile klar), doch für einen Horror-Film, der dies sein soll, passiert jetzt erst mal gar nichts Wichtiges oder gar Interessantes. Man lernt einige der farblosen Bewohner der Insel kennen und erkennt dabei, dass sie einem herzlich egal sind.
Mit einer Ausnahme natürlich: Rutger Hauer! Nach so viel darstellerischer Blässe ist man froh, endlich den Niederländer zu sehen, der sein Standardrepertoire herunterspult, diesmal als versoffener Arzt mit einem ganz fiesen Pornoschnauzer. Aber man ist ja für einiges dankbar, wenn sich die Story eines B-Films so viel Zeit lässt, wie „Hemoglobin“. Erst gaaanz langsam erfährt der Zuschauer mehr über die Bedrohung und das dunkle Geheimnis der Insel.
*SPOILER ANFANG*
Das Problem ist allerdings, dass die Geschichte über die Sippe der Adeligen, die seit Jahren unterhalb der Insel vegetieren und degenieren an den Haaren herbeigezogen ist. Auch wenn man dann die ersten dieser „Monster“ zu Gesicht bekommt, fragt man sich ernsthaft, ob sich die Warterei und das Durchstehen des Filmes gelohnt hat. Auch die Eingangs erwähnten ansehnlichen Production Values finden auf einmal ein jähes Ende, schließlich versetzen unförmige Gummizwerge niemand in Angst und Schrecken, selbst dann nicht, wenn sie sich über den Boden schleifen, da sie allesamt keine Beine mehr haben. Dass das coole Brandon Lee-Lookalike direkt von den Degenierten abstammt, einen Hunger auf Blut entwickelt und am Ende des Filmes unter der Erde bleibt, um mit seinen Verwandten zu leben, sollte wohl schockieren, ist aber so vorhersehbar inszeniert, dass man sich ein Gähnen verkneifen muß!
*SPOILER ENDE*
Was übrig bleibt, ist ein Rutger Hauer, der am Ende noch etwas Rumballern und den Held spielen darf und eben die nette Location für einen Film, den man vergessen hat, sobald man die DVD wieder in das Regal geknallt hat. Schade, das kann man wohl unter „verpasste Chance“ einordnen. Ach ja, mit „Total Recall“ oder „Alien“ hat das Gesehene nichts zu tun, weder was die Story noch was die Qualität dieses Streifens angeht.
Fazit:
3 / 10