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Audition (1999)

Eine Kritik von GhostShit (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 19.07.2005, seitdem 992 Mal gelesen


Aoyama, ein wohlhabender, verwitweter Geschäftsmann ist wieder auf Brautschau, weswegen sein Freund, ein einflussreicher Filmproduzent, ein gefaktes Casting anleiert, so dass sich Aoyama eine unter den Bewerberinnen sozusagen aussuchen kann.
Er verliebt sich auf den ersten Blick in die zierliche und sehr schüchterne Asumi, die er fortan allabendlich zum Essen ausführt.
Erst als es bereits zu spät ist, dämmert es Aoyama, dass das liebliche Mädel nicht ganz koscher ist...

AUDITION dürfte wohl neben ICHI - THE KILLER und DEAD OR ALIVE Takashi Miikes bekanntester Film sein und, ja, das ist er auch zurecht.
Zeichneten sich die jüngsten Werke des Masterminds und "Dopehats" doch eher durch ihre verworrene, geisteskranke und von einem menschlichen Verstand kaum mehr durchdringbare Erzählstruktur aus (siehe IZO),
und waren viele seiner Ergüsse auf den ersten Blick ein einziges Perversitäten-Kabinett (siehe IZO, ICHI und FUDOH),
schlägt AUDITION (wenigstens anfänglich) ganz andere, ruhigere Töne an.

Der Film beginnt mit sehr schleichendem Erzähltempo und katapultiert den Zuschauer in eine triste und melancholische Realität, die von Einsamkeit und der Hoffnung auf Erlösung davon beherrscht wird.
Der flüchtige Dialog "Fühlen Sie sich auch einsam?" - "Ja. Sie etwa nicht???" beschreibt nicht nur Aoyamas Grundton, sondern auch den des ganzen Films.
Die Depri-Stimmung, die ruhigen, poetischen Dialoge und die meist nur starre Kamera erinnern zwar stark an Kitano,
doch der Miike wäre nicht der Miike, wenn er nicht noch eine gehörige Prise Wahnsinn aus seinen kranken Gehirnwindungen herauskratzen und hinzufügen würde.

"Stich&Stich&Stich&Stich...
Spürst du's? Die Partie an den Augen ist besonders empfindlich."

"Jetzt der rechte Fuß, in Ordnung!?"

Ich will jetzt nicht zuviel verraten, aber das anfängliche Drama mutiert gegen Ende immer mehr zum reißerischen Psychothriller und zum heftigen Sicko und ... ja, ganz Miike-like wird's auch wieder mal ziehmlich krank und pervers, ein klitzeklitzekleines bisschen Splatter inklusive.
Ferner lässt uns der Meister auch wieder in ein Meer aus surrealen Bildern und optischen Schachzügen eintauchen, über dessen Sinn sich mal wieder nachgrübeln lässt.

Darüber hinaus präsentiert uns AUDITION noch die zierlichste, erotischste, bildhübscheste und zugleich sadistischste Killerin der ganzen Filmgeschichte.
Ups, sorry ..... naja, ich glaube ich verrate nicht zuviel, wenn ich preisgebe, dass in Asumi ein kleiner "Hannibal Lecter" schlummert...

Mein Fazit:
Einer der besten, wenn nicht sogar DER beste Film von Takashi Miike.
Kein abstraktes Kunstwerk wie IZO, kein Splatter á la ICHI, sondern einfach nur ein bombastisch guter Psychothriller mit Schock-Garantie.
Handwerklich und inhaltlich schlicht und ergreifend brilliant!
Ein moderner "Klas-sicker" und ein Must-See für Jung und Alt.

Stich&Stich&Stich&Stich...


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