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Audition (1999)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 30.11.2005, seitdem 1094 Mal gelesen


Bei Takashi Miike kann man ja eh nie sagen, was einen als nächstes erwartet, aber mit so was wie „Audition“ hätte ich nie gerechnet. Nicht, dass die üblichen Fiesheiten hier wegfallen würden, aber im Gegensatz zu ein paar völlig durchgeknallten Werken des gehypten Asia-Regisseur schlägt dieser Film ganz andere Töne an.

Zunächst ist „Audition“ nämlich ein eher ruhiges Drama um einen allein erziehenden Vater, der schon vor Jahren seine Frau verloren hat. Ein Freund schlägt ihm einen perfiden Plan vor: Ein inszeniertes Filmcasting soll zahlreiche Bewerberinnen anlocken, aus denen sich Shigeharu dann eine als künftige Lebenspartnerin aussuchen kann. Das Vorhaben scheint aufzugehen, bis sich herausstellt, dass die Auserwählte keineswegs so harmlos ist, wie es den Anschein hat…

Vorgewarnt von sämtlichen Diskussionen um das Ende des Ganzen wartet man dann als Zuschauer auch nur auf die finale Gewaltexplosion, die sich zunächst in Form von Traumsequenzen Shigeharus ankündigt. Lynch und Cronenberg hätten diese nicht verstörender inszenieren können, doch was folgt, geht noch viel weiter: In einer grauenhaften Szene wird der Inhalt des zugeschnürten Sacks in Asamis Wohnung gezeigt und offenbart ein Menschviech, das einem nicht einmal in den schlimmsten Alpträumen in den Sinn kommt. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, serviert uns Miike in den letzten zwanzig Minuten die so ziemlich krasseste Foltersequenz der jüngeren Filmgeschichte, die zudem quälend in die Länge gezogen wird und furchtbar realistisch rüberkommt.

Was mir das als Zuschauer alles bringt?
Ich kann es für mich selbst nach einigen Tagen der Rekapitulation nicht genau beantworten, denn außer subtiler Kritik Miikes an der immer noch traditionellen Stellung der Frau als Unterwürfige im modernen Japan kann ich da nicht viel Tiefsinniges entdecken. Dass Asamis kranke Psyche größtenteils dem Missbrauch durch ihren Onkel zuzuschreiben ist, ist dagegen offensichtlich und gibt der Verstümmelung Shigeharus ein tief in ihrer Kindheit verwurzeltes Motiv. Dabei spielt es keine Rolle, dass sie die Casting-Lüge durchschaut hat, Asami hätte sich Shigeharu auch so vorgenommen.

Mag sein, dass darüber jeder anders denkt und manch einer besser hinter die Fassaden dieses Schockers blicken kann, aber ich verstehe auch nach „Audition“ nicht, warum alle Welt Takashi Miike abfeiert. Trotz toller Darstellerleistungen empfand ich seinen berüchtigten Schocker über weite Strecken als ein elend lang gezogenes Drama, das mich bis auf die letzte halbe Stunde völlig kalt ließ und damit in seiner beabsichtigten Wirkung bei mir persönlich zum Großteil gescheitert ist.


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