Jennifer Lawrence macht sich auf um im prefinalen Akt der großen Saga der Hungerspiele die Distrikte des unterdrückte Panem vom Joch des Präsidenten Snow und seiner High Society aus Distrikt Nummero Uno zu befreien. Obwohl...
Im ersten Teil des Finales macht sie das eigentlich nicht.
Dafür beschränkt sich der Film auf ausgiebige Dialoge in dunklen Bunkersystemen und den langatmigen Versuchen das perfekte Propagandavideo zu drehen. Nun gut, die Vorlage lässt kaum ein krachendes Actioninferno zu, dennoch hätte Regisseur Francis Lawrence zumindest in den wenigen Momenten der Aktion durch eine bildgewaltige und spannende Inszenierung (leider auch keine besondere Stärke des ersten Panem-Films) zumindest zeitweise aus der Lethargie der Handlung reißen können, doch lediglich eine der drei sehr kurzen Szenen kann einigermaßen überzeugen:
ein Krankenhaus im provisorischen Kriegsgebiet gerät unter den Beschuss zweier Bomber, Katniss und Gale retten sich auf ein Dach, Katniss schießt einen der Flieger mit einem Pfeil (!) ab, der Schrammt auf das zweite Flugzeug, beide Krachen auf den Boden. Zwar recht kurz und jenseits jeglicher physikalischer Gesetze, jedoch durchaus intensiv und knackig inszeniert. Was danach folgt sind zwei unbeholfene, taktisch kaum nachvollziehbare und verwegen kurze Partisanenangriffe und das war's dann auch. Die beiden größten Actionergüsse werden dem Zuschauer komplett vorenthalten. Die Darstellung eines Bomberangriffes auf das Hauptquartier der Partisanen spielt sich nur auf Radaraufnahmen ab und die Erstürmung des Medienzentrums des Kapitols gleich komplett im Off. Dabei hätten gerade diese beiden Szenen so enormes Potential wenigstens ein wenig Eyecandy zu bieten.
Das wäre vielleicht alles nicht so tragisch, wüsste der Film auch abseits der Action zu überzeugen, doch auch hier zeigt sich Lawrence kaum als Meister großer Bilder oder ikonischer Inszenierungen. Von Epik oder Gänsehautstimmung ist nichts zu sehen. Selbst die "Massenszenen" fallen sehr überschaubar aus und irgendwie entsteht der Eindruck Panem würde nur von ein paar tausend Seelen bevölkert. Wo sind die 250 Millionen US-Dollar Budget (für Teil 1 und 2)?
Die meiste Zeit spielt sich das Geschehen unter der Erde, in einem erschreckend kargen Bunkerkomplex, wo sich Lawrence' Figuren in oberflächlichen Dialogen um Sinn und Zweck von Revolution oder in immer neuen Versuchen den perfekten Propagandafilm zu inszenieren ergießen. Dabei tritt der Film lange Zeit auf der Stelle, entwickelt weder Spannung noch Atmosphäre und enthält dem Zuschauer Einiges vor. Wo sind die Bilder zur Revolution, wo die Einblicke in die anderen Distrikte?
Hier verspielt der Film dann auch das gesamte Potential der Geschichte, die mit dem richtigen Biss und geschliffenen Dialogen eine treffsichere Parabel zum Thema Medienmanipulation und Revolution hätte werden können. Auch aus der Beziehung der eigentlich des Kampfes müden Katniss zur Partisanenpräsidentin und dem Revolutionsgedanken an sich zieht Lawrence nicht alles Mögliche heraus, dafür darf Katniss ausgedehnt (und für mich unverständlich, kann sie doch den schnuckeligeren Liam Hemsworth haben) ihrem Peeta (der für mich schn seit Teil 1 absolut unsympathisch daherkommt) hinterherschmachten.
Dazu gesellen sich dann noch reichlich Füllszenen, die offensichtlich einzig und allein dem Zweck dienten den Stoff auf zwei Filme zu strecken. Macht die Taktik des Aufsplittens bei anderen Filmen durchaus Sinn, indem sie tiefer in eine faszinierende Welt entführen und wenn nicht inhaltlich dann zumindest optisch überzeugen können, herrscht hier ein ums andere Mal in beiden Belangen Leerlauf. Hier wurde offensichtlich nur an den Kommerz gedacht.
Zumindest den meisten Darstellern (und dem Casting) kann man kaum etwas ankreiden. Jannifer Lawrence ist ideal besetzt und weiß auch in einigen sehr nervigen Passagen (etwa beim Singen eines unsagbaren Liedes) überzeugend gegen Regie und Drehbuch aufzuspielen. Philip Seymour Hoffman und Woody Harrelson sorgen mit einigen netten Onelinern für (viel zu wenig) Abwechslung. Liam Hemsworth glänzt mit Präsenz und Sympathie und Altstar Donald Sutherland ist immer wieder gern gesehen; er gibt den Präsidenten einmal mehr im charismatischen Zwielicht. Leider ist sein Part eher ein eweiterter Cameo als eine richtige Nebenrolle.
Julianne Moore ist okay, ebenso wie die meisten anderen Darsteller, lediglich Elizabeth Banks und das Filmteam nerven gewaltig.
Insgesamt ist "Mockingjay Part I" eine der großen Enttäuschungen des Kinojahres, statt eine spannende Geschichte in epischer Laufzeit zu erzählen ist dieser erste Teil des grande Finale ein banal inszenierter, geschwätziger und zutiefst antiklimatischer Kommerzfilm, nur darauf aus möglichst viel Geld in die Kassen zu spielen - das verschenkte Potential macht das alles nur noch ärgerlicher.
4/10