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Jüngste Tag, Der (1951)
Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 19.03.2004, seitdem 871 Mal gelesen
Schwerlich dürften sich für einen Weltuntergangsfilm von 1951 Leute begeistern, die nicht sowieso schon 50er Jahre SF-Fans sind. Diese werden den Film kennen und vermutlich auch besitzen. Oder hat der Film Qualitäten, mit denen er auch heutzutage noch den Normalzuschauer interessieren könnte?
Was die Grundidee der Handlung angeht, mag man skeptisch sein: Sie ist genre- und zeittypisch naiv. Ein Stern (!), der von einem erdähnlichen Planeten begleitet wird, nähert sich der Erde auf Kollisionskurs, was aber erstaunlicherweise nur von ganz wenigen Astronomen erkannt wird. Alle anderen Menschen scheinen mit Blindheit geschlagen zu sein. Trotz öffentlicher Diskussion der astronomischen Berechnungen bei der UN glaubt den Astronomen keiner, nur ein düsterer zynischer Industrieller will auf Nummer sicher gehen und gibt den Wissenschaftlern Geld für den Bau einer Raumschiffarche. Sozusagen eine Lebensversicherung für alle Fälle.
Man ist heute etwas erstaunt, welche Kenntnislosigkeit in astronomischen Belangen die Macher des Films noch bei dem Publikum im Jahr 1951 vermuteten (wahrscheinlich zu recht), um solch einen Nonsens ernsthaft zu verkaufen. Andererseits: wer sich heutige Blockbuster anschaut, wie „Armageddon“ oder „The Day after Tomorrow“, der wird ja auch gerade nicht mit wissenschaftlich untermauerten Geschichten gefüttert. Im Grunde kommt es darauf auch gar nicht an im Genre des Katastrophen- und Weltuntergangsfilms.
Die weitere Handlung entspricht dem erwartbaren Schema, das in den vergangenen fünfzig Jahren von unzähligen Katastrophenfilmen strapaziert wurde. Die Annäherung des Sterns bringt Erdbeben und Flutkatastrophen mit sich, die mit einer nostalgischen Tricktechnik in Szene gesetzt wurden, um die Weltuntergangsstimmung zu erzeugen. Wer einen Sinn fürs Altmodische hat, wird es mögen. Andererseits: Vergleichbare Szenarien sind mit besserer Technik inzwischen vielfach in Filmen zu bestaunen, deswegen braucht man diesen Streifen nicht mehr zu sehen.
Neben der äußeren Dramatik wird auch geschickt die Spannung im zwischenmenschlichen Bereich angeheizt. Für den Bau des Raumschiffs werden wesentlich mehr Arbeiter benötigt, als es schließlich Sitzplätze in ihm geben wird. Wer zurückbleiben muss, ist unweigerlich zum Tode verurteilt. Um die Motivation der Arbeiter aufrecht zu erhalten, hat man sich darauf geeinigt, die wenigen Sitzplätze in einem Losverfahren zu vergeben, bei dem jeder gleichberechtigt ist. Ausgenommen natürlich der Industrielle und die Projektleiter. Um die menschliche Tragik noch ein bisschen zu steigern, hat man auch noch eine Liebesgeschichte in die Handlung eingebaut.
Auf dem Höhepunkt der Spannung, als auch am Himmel der drohende Weltuntergang durch den schnell näher kommenden Stern für jeden absehbar ist, erfolgt die Auslosung. Erwartungsgemäß mit tragischen Ergebnissen. Erwartungsgemäß mit einer Revolte der zum Zurückbleiben verurteilten Mitarbeiter. Doch wie es sich fürs 50er Jahre Kino gehört, spielen Schicksal und Edelmut mal wieder eine entscheidende Rolle auf dem Weg zum Happy End.
Man könnte also diesen Film als Antiquität im Archiv verstauben lassen, wenn
die positiven Qualitäten nicht eine gewisse Kompensation böten. Der Film ist mit knapp 80 Minuten Laufzeit sehr kompakt und hat dadurch kaum Längen. Die verschiedenen Charaktere werden griffig, wenn auch etwas arg plakativ entwickelt. Sicher werden hier schauspielerisch keine Meisterleistungen geboten, doch solides Handwerk und bestimmt kein Trash. Wenn man zum dramatischen Finale des Films gelangt, sollte man nochmals seine Entstehungszeit bedenken. 1951 ist es noch Jahre hin, bis mit Sputnik das Weltraumzeitalter beginnt und damit die Weltraumbegeisterung, die uns seit dem mit einer wahren Flut von SF Filmen beglückt hat.
Raketen als Transportmittel zu den Sternen waren gerade erst erfunden worden. Nicht zufällig orientiert sich das Design der Raketenarche und die kuriose Startrampe etwas an der deutschen V1 Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg – man kannte kaum was anderes.
Der Flug der Arche zum neuen Heimatplaneten und die Landung darauf sind also damals ein sehr neues Thema. Die Szenen am Ende kennt jeder SF-Filmfan, sie haben den Charme des Unverbrauchten und sind vielleicht gerade in ihrer Naivität berührend. Die Modelllandschaft des neuen Heimatplaneten und die knallig naiv bemalten Studiokulissen als „Landschaftshintergründe“ muss man einfach mögen. So würde ich der ganzen Ausstattung eine 8/10 geben, wenn auch mit „*N“ für Nostalgiewert dahinter.
Schwer zu sagen warum, seit ich den Film im Fernsehen das erste Mal sah, hat er mich in gewisser Weise interessiert.
Fazit: Sicher in seiner Art ein Klassiker des 50er Jahre SF-Films, wenn auch nicht der allergrößte. „Der Jüngste Tag“ begründete das Genre des Weltuntergangsfilms mit. Das schöne nostalgische Design ist sicher ein Grund, sich diesen Film einmal anzusehen. Wie viele 50er Jahre SF-Filme leidet er etwas unter der arg schematischen und klischeehaften Handlung, der man aber eine gute Portion Dramatik nicht absprechen kann. Ob die in den 90er Jahren gedrehten Vertreter dieses Genres, wie „Deep Impact“ oder „Armageddon“, abgesehen von den besseren Special Effects, wirklich so viel bessere Filme sind, wage ich zu bezweifeln. In fünfzig Jahren werden wir wissen, ob sich dann noch jemand an diese Filme erinnert ;-)
Insgesamt überwiegt bei mir das positive Gefühl und ich vergebe trotz aller zeittypischen Mängel des Films 6/10.
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