Der deutsche Titel Gegenspionage läßt viel weniger darauf schließen, daß sich André De Toth mit Springfield Rifle hier auf Western-Terrain befindet. Dafür bergen beide Bezeichnungen Hinweise darauf, daß sich die McCarthy-Ära auch in diesem ur-amerikanischen Genre niedergeschlagen hat.
Bei dem Springfield Rifle geht es um eine wegen des neuen Lademechanismus auch Trapdoor genannte Waffe der Springfield Armory, die in die Jahre gekommene Vorderlader, welche durch den zeitaufwendigen Ladevorgang einen enormen Nachteil gegenüber dem neuen Gewehr hatten, ablöste. Das Trapdoor nimmt eine Patrone in einer am Lauf auf Höhe des Abzugs angebrachten Kammer auf. Beim Feuern wird die Hülse automatisch ausgeworfen. Die Kammer kann so im Handumdrehen neu geladen werden.
Mit dem Titel Gegenspionage stützt sich der deutsche Verleih auf einen viel wesentlicheren Aspekt und nimmt damit De Thoths Überraschung etwas vorweg. Diese Warner Produktion und der Anschluß an Gary Coopers Erfolg in 12 Uhr Mittags ist keinesfalls eine Variation von Winchester 73. Das Gewehr spielt in diesem Film eine sehr untergeordnete Rolle und ist viel mehr der Hoffnungsfunke für die von Pferdeverlusten gebeutelten Blauröcke. Für ein freies Amerika setzt sich Major Kearney (Cooper) über die Statuten der Armee hinweg und läßt sich unehrenhaft entlassen, um den Diebstählen auf die Schliche zu kommen.
Unterstützt von den für Max Steiner typischen Klangteppichen, die immer im richtigen Moment in ein passendes Thema umkippen und hier vornehmlich mit militärischen Bläsern Akzente setzen, fordert Gegenspionage zunächst einiges an Aufmerksamkeit. De Toths zu Beginn eingesetzte, elliptische Darstellungsform verzichtet auf eine aufwendige Gestaltung der Ausgangssituation und verlangt so vom Publikum, sich anhand der Dialoge zu orientieren. Dieser Knoten löst sich im Folgenden durch traditionelle Westernmotive, als Kearney verhaftet wird und sich dem Todesurteil nahe bei einem Ausbruch Ganoven anschließt, die zu den heimtückischen Pferdedieben gehören. Unterstützt von spannenden Actionszenen lernt der Zuschauer schließlich die Funktion der Gegenseite kennen, in deren Reihen sich der ehemalige Major durch seine Erfahrung als patenter Helfer etablieren kann.
Es ist nicht schwer, die Geschichte auf das Jahr 1952 zu beziehen, in dem die Paranoia vor dem subversiven, kommunistischen Einfluß gerade Anhörungen auf Staats- und Regierungsebene verursachte, wie auch in Hollywood gerade eine zweite Untersuchungswelle im verfassungsrechtlichen Grauzonenbereich angelaufen war. Auch das Wettrüsten war im Ost-West-Konflikt von Bedeutung, weshalb der Hinweis auf das Springfield Rifle nicht ganz belanglos erscheint. Da eine Aufnahme auf die schwarze Liste gedroht hätte, ist jedoch eine kritische Auseinandersetzung gar nicht zu erwarten. Der nach einer Geschichte von Sloan Nibley entstandene Gegenspionage nimmt viel mehr das Zeitgeschehen auf, um eine Abwandlung des Westernkosmos, der viel weniger ein Genre als ein Outfit für unterschiedlichste Themen darstellt, zu gestalten. Inwiefern sich hinter beiläufigen Handlungselementen tatsächlich politische Kommentare verbergen, bleibt dem Scharfsinn und der Interpretationsfreude des Zuschauers überlassen.
Durch die Position der das freie Amerika bedrohenden Südstaatler und die Ergreifung von im üblichen Verfahren nicht vorgesehenen Maßnahmen der antikommunistischen Perspektive nahe gestellt, hebt sich der Film vom ordinären, mit klaren Fronten ausgestatteten Kavallerie- und Bürgerkriegs-Western ab. Die Bedrohung besteht von außen wie innen und liegt zunächst im Ungewissen. Nach diesem Prinzip kommt Gegenspionage auch ohne eklatant große Schlachtszenen aus. André De Toth findet nach der etwas beschwerlichen Einleitung ein Gleichgewicht zwischen dramaturgischer Entwicklung und zunehmend mitreißender Aktion. Wie Kearney mit dem Sinn nach Rechtschaffenheit das Mosaik der Beziehungen zusammenfügt, verliert er gleichfalls Bande zu Familie und Vertrauten.
Obschon diese abschnittsweise rigorose Komposition zwischen oppulent angelegten Pferdeopern etwas in Vergessenheit geraten ist und De Toth sich mit der einem Thriller ähnlichen Intensität seines Tag der Gesetzlosen selbst noch übertreffen kann, wird er seinem Ruf als Regisseur origineller Filme hier doch gerecht. Als überdurchschnittlicher Vertreter seiner Zunft ist Gegenspionage Westernfans zu empfehlen. Als gelungenes Exempel für ein auf eine Epoche festgesetztes Sujet im Wandel der Zeit sollte das Werk jedoch auch bei Filminteressierten generell auf Zuneigung stoßen.