Es ist die klassische Geschichte für amerikanische (oder neuseeländische [oder deutsche]) Jugendliche in der Selbstfindungsphase. Ein Außenseiter bleibt von seiner (Ersatz-)Familie unverstanden und wird in der Schule ausgegrenzt. Man hänselt und schikaniert den Halbstarken. Erst eine völlig neue Bekanntschaft kann da Abhilfe schaffen. Und die tritt ins Geschehen meist entweder als neuer Kumpel mit dicken Muckis oder als hübsches Mädchen, das, obwohl sie alle Jungs haben könnte und außerdem mit dem Klassenbully zusammen ist, ausgerechnet auf den Nerd abfährt. Der schüchterne Metalfan Brodie jedenfalls hat Glück, denn die Götter scheinen ihm wohlgesonnen und schicken beides, den Raufbold und die Schnecke.
Outsider Brodie wird zu Beginn der Geschichte zwangsweise in der Spießerfamilie seines Onkels untergebracht. Als praktizierender Christ hat der aber ein Problem mit den vielen pubertären Utensilien (wie Pentagrammen oder Plastiktotenköpfen), die ihm da in den Schränken des Neffen entgegenfallen. Doch aus „pseudo" wird schnell „realo", als der Junge die von einem obskuren Szeneguru geklauten (verbotenen) Noten mit seiner neu gegründeten Band „Deathgasm" spielt (und damit ein seit Ozzy Osbourne bekanntes Motiv bedient). Die Einwohner des Ortes verwandeln sich (samt Onkel) natürlich in der Folge - wie sollte es anders sein - in Dämonen und wollen den Guten, die so tun als wären sie die Bösen, an den Kragen. Dabei wird der ein oder andere Kopf abgeschlagen und hier und da ein paar Innereien ausgegraben. Nichts also, was man als erfahrener Direct-to-Video-Freund nicht schon gesehen hätte. Der muss sich hier aber auch nur bedingt angesprochen fühlen.
„Deathgasm", dessen Titel hochtrabender klingt als der Inhalt ist, ist ein kurzweiliger Streifen von Metalfans für Metalfans. Mittdreißigjährige inszenieren ein gering budgetiertes, allerdings recht ansehnliches Schlachtfest für jugendliche Metalheads, die selbstredend so etwas noch nicht auf die Beine stellen können. So oder so ähnlich darf man sich die Prämisse dieses ambitionierten Filmchens vorstellen, von dem dringend die Finger gelassen werden sollte, wenn „Metal" „Krach", „Wir sind Helden" „geistreich" oder der „Mond" eine „Scheibe" ist.
Es geht, soviel sei den Eingeweihten verraten und beworben, obwohl Zielgruppe wie Theatertruppe jung sind, zurück in die alte Schule. Die (in Deutschland der Zensur zum Opfer gefallenen) Österreicher „Pungent Stench", die zum Teil bereits verstorbenen Musik-Pioniere von „Death" oder die aktuelleren „Cattle Decapitation" sind nicht eben Kapellen für Nasenbohrer und keinesfalls ein Begriff, wenn man kein Faible für die Musik härterer Gangart hat oder erst seit gestern in der Materie steckt. Den gemeinen Horrorfan, der ohnehin auf massenmediale Konventionen pfeift, wird es zwar angenehm wenig stören, doch bleibt er den gesamten Film über nicht der eigentliche Adressat von Regieneuling Jason Lei Howden. Der wohlwollende Einblick in das für Außenstehende gewiss recht sonderliche Dasein als adoleszenter Metalfan steht dafür zu beharrlich im Vordergrund. Trotz der blutig-rohen Standardkost drum herum, die natürlich für Ersatzbefriedigung sorgen soll.
Als jugendlicher Extremrocker kann man sich mit „Deathgasm" schlicht ein wenig die (viele) Zeit vertreiben. Als erwachsener Freund ungewöhnlicher Musik wird man hingegen eingeladen zu einer bisweilen komischen Zeitreise zurück zu den Tagen, als man selbst noch tapsig und etwas unbeholfen die Fühler in die Welt ausstreckte und bald den allgegenwärtigen Einheitsbrei als fad empfand. Ein Fünkchen wilde Vergangenheit kann und soll bei dieser sympathischen, recht preiswerten Produktion für die Zukunft ruhig in den Feuerbeutel gepackt werden, und man mag sich wohlig nostalgisch daran erinnert fühlen, wie einst die eigene (musikalische) Unschuld verloren ging.
Solchen übrigens, die pubertären Wehwehchen und trotzphasigem Kleidungsstil endgültig den Rücken gekehrt haben und die ihre Filmkost heute lieber kostenintensiver, visuell leckerer serviert sehen möchten, sei gesagt, dass der vermutlich von Ridley Scott produzierte „Lords of Chaos" schon in der Mache ist. Es bestehen nur berechtigte Zweifel, dass der sich der Szene mit demselben Herzblut (und der gleichen Detailverliebtheit) widmen wird wie der unbeschwert unbedarfte „Deathgasm".