Zipper (Kurz und schmerzlos Teil 29)
In Zeiten von „House of Cards" hat das Sezieren des Intrigantenstadls der US-Politik wieder Konjunktur. Der Thriller „Zipper" schwimmt eindeutig im selben Haifischbecken, fokussiert sich dabei aber nicht auf einen skrupellosen Strippenzieher wie Frank Underwood, sondern nimmt eher eine seiner Schachfiguren ins Visier.
Sam Ellis (Patrick Wilson) ist ein Gewinner. Für den erfolgsverwöhnten Staatsanwalt scheint der angestrebte Aufstieg zum Kongressabgeordneten reine Formsache. Mit seiner gleichermaßen attraktiven wie sozial engagierten Frau Jeannie (Lena Headey) führt er eine Musterehe, wohl erzogener Sohnemann inklusive. Doch hinter der glänzenden Saubermannfassade lauert ein gefährliches Problem, Sam ist sexsüchtig.
Als seine Frau übers Wochenende verreist, nutzt er die Gelegenheit und kontaktiert einen Escort-Service. Der Sex mit Luxuscallgirls wird wird nach anfänglichen Selbstvorwürfen schnell zur Dauerbeschäftigung, was Sam zu allerlei Lügen und Heimlichkeiten zwingt unter denen zunehmend sein Privatleben leidet. Mit der Zerschlagung des Rings durch das FBI steht plötzlich auch noch Sam´s glänzende berufliche Zukunft auf dem Spiel, zumal Jeannies langjähriger Vertrauter Nigel Coaker (Ray Winstone), ein eiskalter Enthüllungsreporter, noch nie sonderlich begeistert von Sam war ...
„Zipper" lässt sich viel Zeit, um seine Figuren und ihr Umfeld einzuführen. Trotzdem schafft er von Beginn an eine angespannte Atmosphäre, bei der man schnell ahnt, dass Sam´s Image eine dunkle Kehrseite hat. Mit Beginn der Callgirl-Affären zieht das Tempo deutlich an. Hier gibt es auch für einen Hollywoodfilm erstaunlich viel nackte Haut zu sehen, was aber nie zu einer voyeuristischen Ausschlachtung verkommt. HauptdarstellerinLena Headay ("Game of Thrones") beweist hier einigen Mut, wird aber auch von Regisseurin Mora Stephens stilvoll in Szene gesetzt.
Überhaupt ist der Cast für ein solch vergleichsweise kleines Projekt erstaunlich hochkarätig. Patrick Wilson überzeugt als zwischen Ehrgeiz, Pflichtgefühl und sexueller Obsession hin und her gerissener Politstar. Er hat ja hat auch einige Erfahrung mit adretten Durchschnittstypen (u.a. „Stretch", „Lakeview Terrace"), die unvermittelt in zwielichtige Gewässer geraten, bei denen sich die ein oder andere charakterliche Untiefe auftut. Lena Headay´s Rolle ist nicht so brillant geschrieben wie die der zynischen Herrscherin in „Game of Thrones", dennoch hat sie als betrogene und aufopferungsvolle Gattin einen starken Auftritt, der durch das unerwartete Ende zusätzlich aufgewertet wird. Ray Winstone schließlich ist wie gewohnt süffisant fies und selbst in seinen wenigen Szenen von enormer Bedrohlichkeits-Präsenz.
Insgesamt ein zunehmend spannendes Stück Politthriller-Kino, das aber ein wenig schärfere Charakterzeichnungen vertragen hätte, zumal bei der zur Verfügung stehenden Besetzung. Etwas mehr Bissigkeit hätte auch nicht geschadet, wofür der zynische Schluss allerdings ein wenig entschädigt. An die thematisch verwandte TV-Serie „House of Cards" reicht „Zipper" nicht heran, die kann sich aber auch deutlich mehr Zeit zur Vertiefung nehmen.
Fazit:
Erotik-Thriller im Politikermilieu, der erzählerisch etwas zu zahm daher kommt und das Potentail seiner interessanten Figuren nicht voll ausschöpft. Gut gespielt, souverän inszeniert und mit feinem Gespür für die durchaus handlunsgsrelevanten Sexzenen. Als „House of Cards"-Appetizer nicht ungeeignet.