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FBI jagt Phantom (1965)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 15.02.2008, seitdem 383 Mal gelesen


VORSICHT! SPOILER!
Wenn ein Film von Außerirdischen erzählt, die mittels Roboterdouble Menschen austauschen, rechnet man mit allem, mit allem außer einem Gruselkrimi. Aber genau so guckt sich "FBI jagt Phantom". Ich persönlich habe mich gefreut, so erinnert dieses Werk doch erstaunlich an die Wallace-Filme aus der deutschen klassischen Reihe und wegen des phantastichen Themas noch mehr an die späten Mabusefortsetzungen aus der gleichen Zeit.
Charme und Nostalgie haben hierbei Vorfahrt, die im Laufe des Films immer mehr zunehmende Unlogik übersieht man mit einem bis zehn Augenzudrückern. Gerade in Sachen Unlogiken übertreibt es "FBI jagt Phantom" dann gleich noch mehr als andere Gruselkrimis, so dass das Darüberhinwegsehen immer schwieriger wird. Aber die herrlich naive (bzw. naivste) Erzählweise ist einfach nur wunderbar kurzweilig. Der Film schwankt irgendwo zwichen gelungen und Vollschrott, punktet eigentlich nur auf Trashbasis, will aber eigentlich auch gar nichts anderes sein. Dafür ist einfach alles viel zu simpel, plump und wie bereits erwähnt zu naiv.
Nostalgiepunkte bekommt der Film z.B. dadurch, dass das Werk von Agenten der NSA handelt, diese dem deutschen Publikum damals aber noch nichts gesagt hat und sich so das bekanntere FBI in den deutschen Titel einschlich. Außerdem muß der Chef der NSA den Begriff "Android" noch in einem Duden nachschlagen, man was haben sich die Zeiten geändert. Und deutlich durch James Bond beeinflusst haben der Hauptdarsteller und seine Agentengehilfin ein lockeres Mundwerk im Umgang mit dem Chef und der weibliche Part darf sich für die damalige Zeit typisch sexy geben. Ob ein weiblicher Agent, wenn er einer gefährlichen Spur nachgeht, aber auch wirklich unpraktische Stöckelschuhe deswegen anziehen würde bleibt anzuzweifeln. Aber das ist nur ein Sandkorn eines Strandes voller Unlogiken.
Der Science-fiction-Gehalt ist sehr gering. Der Agentenstory wird wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Allein dass die Aliens wie Menschen aussehen und die Roboterdoppelgänger der Menschen natürlich auch, lässt in einem trotz der Alienthematik ständig das Gefühl eines Gruselkrimis beim Betrachten aufkommen.
Mit schuld an den Unlogiken sind die teilweise überraschenden Storywendungen, gerade zum Ende hin. Da werden Böse zu Guten, da entdeckt ein Android seine Herkunft, andere Roboter rebellieren und so weiter und so fort. Manchmal sind aber auch Ansätze gar nicht mal so uncleverer Erzählmomente gegeben. Das wirkt inmitten von Volltrash natürlich noch mal besonders skuriel. Lustig ist auch mal wieder das (selbstverständlich) positive Ende, das mal wieder (wie in vielen anderen Filmen mit Alienthematik) die Frage aufkommen lässt, warum die Menschen nie in Betracht ziehen, dass die Bedrohung vom All ausging und da schnell neue Bösewichter landen könnten, vielleicht mit noch viel böseren Plänen. Nööö, die Gefahr auf der Erde ist besiegt und Weitblick hat man mal wieder nicht. Auch die Maschinen die mit Hilfe der Alienkenntnisse entstanden ist, wird kaputt gemacht, obwohl sie für Erdenwissenschaftler sicherlich höllichst interessant gewesen wäre und die Menschheit weit nach vorne gebracht hätte.
Der kurze Science-fiction-Gehalt ist so wie man es kennt: Blinkende Lichter, ein schrottiges Ufo und die Androiden haben relativ wenig Elektronik im Kopf, wenn sie denn mal kaputt gehen (was anbei bei jedem Hinfallen auf dem Boden passiert. Ob damit wirklich eine Invasion möglich wäre bleibt anzuzweifeln *g). Warum in einem naiven Film, wo wirklich alle Figuren nie zwei Schritte im Vorraus denken, eine Maschine von den Aliens entwickelt wurde, die die Androiden vernichten kann, wird auch nie jemand erfahren. Warum will man die eigenen Androiden vernichten, und warum wird wenn dafür die Maschine so früh entwickelt? Herrlich! Theoretisch denkt man zum Ende des Films über sowas gar nicht mehr nach, da ja so viele andere Unlogiken dem ganzen vorraus gingen, aber was solls. Es ist einfach zu witzig.
Dem Tempo des Filmes kommt zu gute, dass der Agent recht schnell Androiden vermutet, dass die Geschichte mit dem Auftrag der Aliens beginnt und Unnötigkeiten nie viel Raum einnehmen. Einzig wirklich extremst unnötig (und dadurch enorm humorfördernd) ist eine Rahmenstory, in der es um eine blinde Erdenfrau geht, in die sich der von den Aliens auf die Erde geschickte Android, verliebt. Anders herausgearbeitet hätte der Film damit genau den Anspruch bekommen, der ihm an jeder Ecke fehlt. Inmitten geistigem Irrsinns verursacht diese wahnsinnig schlecht eingebrachte Nebenhandlung genau das Gegenteil.
Ungefähr im Fahrwasser von "Dracula jagt Frankenstein" (mit der Edgar Wallace-Veteranin Karin Dor) schwimmt "FBI jagt Phantom", der im deutschen Titel nur bedingt stimmt, und der dafür im Originaltitel "The Human Duplicators" den kompletten Film auf den Punkt bringt. Dass die Titelgeber einen Bock gebaut haben ist aber nun leider jahrzehnte lange Tradition in unserem Land.


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