„Alien" (1979) trifft „28 Days Later" (2003) trifft „Ghosts of Mars" (2001) trifft "Pandorum" (2009).
Was wie ein nervtötender Werbeslogan für unterdurchschnittlichsten Science-Fiction Schrott klingt, ist zwar glücklicherweise nicht wirklich ein vom Filmverleih formulierter Promotion-Murks, doch unglücklicherweise eine durchaus naheliegende kurze Beschreibung von „Infini", dem neuesten australischen Genrebeitrag mit dem gefährlichen Auftrag, den Amerikanern die Butter vom Brot zu klauen. Dass das nicht leicht ist, weiß jeder Filmfreund. Dass es machbar ist, aber auch. Liest man sich kurz durch eine kleine Auswahl an Kritiken und Meinungen zu diesem Trip ins All made Down Under, dann ist der Beifall durchaus verhalten. Und das liegt schlicht daran, dass zu viele der Ideen in „Infini" bereits andernorts schmackhaft verbraten worden sind. Zwar bleibt gut geklaut besser als schlecht erfunden, doch ist das gesunde Maß des Copy/Paste für manche hier eben bereits überschritten. Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Denn zumindest einen äußerst unkonventionellen (eigenen) Einfall bekommt man auch hier serviert. Ob der zündet, liegt allerdings im Auge des Betrachters.
Erst neulich, bei den „Last Days on Mars" (2013), wurde eine ähnliche Geschichte erzählt (Womit sich ein fünfter Film in obige Liste einreiht). Man stößt auf Leben im All. Auf winzig kleines. Auf Mikroben. Und die sind parasitär. In diesem Fall muss das ein bewaffnetes Rettungsteam schmerzhaft herausfinden, das, durch die halbe Galaxis gebeamt, nachgucken soll, warum auf der weit entfernten Station eines eisigen Planeten keiner mehr antwortet. Klar, wir wissen und hoffen, dass es den Leuten dort inzwischen richtig schlecht geht. Und wenig überraschend haben wir damit auch Recht und schadenfroh zu Recht gehofft. Wie in „Event Horizon" (1997) hat sich nämlich die Besatzung gegenseitig unschöne Dinge angetan (Ein sechster Film für die erste Zeile) und steht zumindest nicht aufrecht und schon gar nicht mehr fotogen zur Verfügung. Außerdem ist die Bude inzwischen schockgefroren. Doch nachdem man die Heizung wieder aufgedreht hat, schlüpft man aus den dicken, unbequemen Klamotten, macht sich's gemütlich und sondiert die Lage. Wohl wissend, dass der überall herumhängende Schleim um einen herum wohl hoch ansteckend ist.
Also schön. Zugegeben. Nicht nur die pfiffigen Ideen der filmischen Matrizen, auch der Unsinn der Vorbilder wurden hier geistesabwesend übernommen. Denn sich in einer überdimensionalen Petrischale für allerlei Bakteriengesindel die Schutzanzüge auszuziehen, dürfte unter medizinischer Betrachtung nicht besonders clever und nach Darwin recht evolutionsbremsend sein. Auch fragt man sich, warum die Kameraden, auf der Raumstation angekommen, nicht mehr Vorsicht walten lassen, denn das Team ahnt immerhin, dass da noch jemand durch die Gegend schleicht. Und so kommt es, wie es kommen musste. Die schwer bewaffnete Gruppe wird überaus erfolgreich von einem einzelnen verwirrten Typen mit einem Hammer angegriffen. Hätte nicht sein müssen. Passiert aber, wenn man nach dem Zivildienst auf Raumpatrouille geht. Doch ist das alles halb so wild, denn auch auf der Habenseite von „Infini" schwärzt sich das Weiß.
Bei der Suche nach dem eigentlichen Inhalt seiner Geschichte, gelingt es Regisseur Shane Abbess immer wieder, das flaue Gefühl aufzuwärmen (wenn auch nicht zum Köcheln zu bringen), das wir spüren, wenn wir uns Ridley Scotts Alptraum im Weltall gönnen. Dunkle Gänge, verwinkelte Korridore und enge Lüftungsschächte, die zu schrecksekundären Hinterhalten einladen, dienen als Kulisse für einen trotz aller Unkenrufe ambitionierten Genrebeitrag, der bis kurz vor dem Ende offenlässt, ob er sich einfallslos und wesensgemäß im Wohlgefallen gängiger Konventionen auflöst, oder ob am Schluss doch noch eine selbst ersponnene zündende Idee ihre Empfehlung ausspricht. Und ohne zu viel zu verraten, endet dieser Science-Fiction Actioner, in dem auch Luke Hemsworth irgendwo rumturnt, ungewöhnlich und wenig klassisch. Das wirft nun das Problem auf, ob man das zuvor Gesehene in einem vorteilhafteren Licht betrachten muss oder nun erst recht dem Hasen gibt:
*SPOILER* Die Mikroben, das erfährt man recht früh, sind keineswegs nur mickrige Pantoffeltierchen, sondern können im Kollektiv denken. Nachdem sie alle der Beteiligten umgebracht oder infiziert haben, gelingt es dem Last Man Standing der Truppe mit Engelszungen, den Glibber zu überzeugen, es den Menschen nicht gleichzutun, sondern auf Friede und Freundschaft zu setzen. Und siehe, die kurz zuvor noch in Fetzen gerissene Crew sitzt im nächsten Moment wieder gesund und munter beisammen.*SPOILER ENDE*
Was doof klingt, fügt sich, je nach Geschmack, in den Fortgang der Geschichte recht gelungen ein. Wirklich und im Ernst, der x-te glückliche Überlebende eines Höllentrips, dem kurz vor dem Abspann noch irgendwas ins Gesicht hüpft, hätte zumindest hier das Kind auch nicht aus dem Brunnen geholt. Also warum die Sache nicht so enden lassen wie hier geschehen? Immerhin ist es ausgefallen und originell.
„Infini" betreibt die meiste Zeit über wilden Ideenklau, setzt die gestohlenen Leckereien aber ansehnlich zusammen zu einem insgesamt halbwegs unterhaltsamen Science-Fiction Theater. Dort ein wenig plötzlich ins Bild springender Schrecken, hier ein bisschen Ekel und das Ganze umrahmt mit einer schmucken Kulisse, in der sich die aus „Event Horizon" bekannten schizoiden Persönlichkeitsstörungen so richtig schön austoben können. In Ermangelung weiterer gelungener aktueller Genrekost darf das hier vielleicht als kleiner Snack zwischen den Hauptmahlzeiten in den Mund geschoben werden. Aber Vorsicht, er könnte womöglich etwas versalzen sein.