Hier ein weiteres Exponat eines stetig wachsenden Stapels von billigsten Silberscheiben, der dank eines weltweiten Vertriebsnetzwerkes und dem Drang, das gezahlte Porto auszunutzen und/oder der gutmütigen Dreingabe eines Händlers wegen umgekehrt proportional zur Fähigkeit, den geballten Bockmist zu ertragen wächst. Oft genug entspricht hier das Wörtchen Trash buchstäblich seinem eigentlichen Sinn und wenn ich so an den Durchschnitt bisheriger Resonanz auf die Werke von The Asylum denke, aus deren relativer Frühphase The Surge stammt, bedarf es nicht viel Phantasie, um einen Grund dafür zu finden, daß man mit diesem Film ungewollt nahezu erschlagen wird.
Dabei empfand ich - grundsätzlich der Thematik von Außenseitern, die sich gegenüber Ausgrenzungen in ihrer Schule profilieren, offen entgegen tretend - die Ausgangsidee, die sich mit einer Mischung aus Tommyknockers und Der Typ mit dem irren Blick behilft, erstaunlich unterhaltsam. Reese Hauser (Mathew Scollon) ist das moderne Bild eines schwierigen Jugendlichen mit Tendenz zur Gothikmode. Sein Vater Jerry (Johnny Venocur) ist Lehrer, was eine einfache Erklärung für den Sonderlingsstatus des Sohnemanns abgibt. Auf einer neuen Highschool eckt Reese natürlich sofort an, wobei der Direx (Ronald Rezac) von der wirklich strengen Sorte ist und jegliche Elektronik, sei es Discman oder Mobiltelefon, einkassiert und bis zum Ende des Schuljahres in seinem Büro verwahrt.
Unter den Geschwistern Ashley (Melissa Reneé Martin) und Zack Bainbridge (Edward DeRuiter) sowie deren Freundin Phoebe Lewis (Alice Frank) findet Reese dennoch schnellen Anschluß. Bei einem Trip in den Wald stoßen die vier auf einen Steinhaufen, der zu glimmen beginnt und jedem eine individuelle Fähigkeit verleiht. Zack verfügt plötzlich über telepathische Eigenschaften, Phoebe übt sich in Telekinese, Reese kann heilen und verletzen und Ashley die Gedanken ihrer Mitmenschen kontrollieren. Kurzzeitig wird das Quartett zum selbstbewußt auftretenden Freundeskreis, doch schon bald mißbraucht Ashley ihre Kräfte. Die übrige Gruppe versucht ihrem Größenwahn Einhalt zu gebieten.
Kann The Surge eingangs noch durch rasantes Tempo über seine Gehaltlosigkeit hinwegtäuschen, scheint mittendrin jemand die Notbremse gezogen zu haben. Die Effekte (Morphing im Kopfbereich und leuchtende Augen) wiederholen sich so stetig, wie die sich zwischen Techno und Industrial wandelnde Musik. Die Figuren bleiben bis auf Reese absolut blaß. Dieser wird entschuldigend für seine mangelnde Konformität um den Selbstmord seiner Mutter ergänzt, was die Geschichte aber nur insofern beeinflußt, als daß darauf später den Showdown verlangsamend Bezug genommen wird.
Nicht einmal das Niveau einer unterdurchschnittlichen Buffy-Folge erreichend erstreckt sich ein mal wieder viel zu langer Film über 92 Minuten, gekrönt von einem Abspann, während dem sich mindestens eine Zigarette rauchen läßt. Eine Orientierungsschwäche läßt sich das Drehbuch von The Surge dabei gar nicht mal vorwerfen; eher verliert man mangels Stimulation die Konzentration und verirrt sich selbst im ziemlich unspektakulären Storygeflecht, welches sich im Wesentlichen nur auf ein aus dem Ruder gelaufenes Rachemotiv stützt. Die deutsche FSK 18 Freigabe sollte dabei nicht als Maßstab für deren Ausmaß genommen werden. Anstatt das Potential in Richtung Scanners auszuschöpfen, passiert eigentlich nichts, was man nicht auch um 20:15 Uhr im deutschen Fernsehen ausstrahlen könnte.
Wer nicht auf eine deutsche Synchronfassung angewiesen ist, tut gut daran, anstatt der mieserablen Adaption den englischen Originalton zu verfolgen. Hier entfaltet wenigstens die Wandlung Ashleys durch die am Rande des Overacting kratzende Melissa Reneé Martin und die mit ein wenig Pitch und Delay verfremdete mentale Befehlsstimme die volle Wirkung. Das krallenausfahrende Überbiest nimmt man ihr so tatsächlich ab. Mit aufgestellten Nackenhaaren unter ihrem Kasernenton zusammenfahrend mindert sich allerdings kaum der anschwillende Haß-Faktor; man wird nur vehement am einschlafen gehindert.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mir den Restwert an Unterhaltung mit der Tatsache schönreden, daß The Surge ein C-Film ist, der versucht, den Minimalumfang früher Gruselunterhaltung in die heutige Zeit zu transponieren. Dies ist zwar einer der wenigen Lichtblicke des Films, entwickelt aber bei semi-amateurhafter Kameraführung und den Computereffekten längst nicht den Charme alter, verkratzter Schwarz/Weiß-Schinken, die sich bei größerer zeitlicher wie technischer Distanz manchen Fauxpas einfacher verzeihen lassen.